Der Roman für Naumburg - Teil X

Der hier vorgestellte Fortsetzungsroman von "Weil die Zeit sich berühren will" wird gegen Ende des Jahres im Buchhandel erhältlich sein.

Ich nickte, sah zwischen meinen Knien hindurch zu Boden.
„Das muss dir nicht leidtun, Hannes.“
Wir schwiegen eine Weile und es wurde merklich kühler, der Sommer ging unweigerlich seinem Ende entgegen.
„Das war …, das hat mich wohl doch mitgenommen, die Sache mit Ingaris.“
„Ich weiß. Du redest jede Nacht von der letzten Luftblase.“
„Echt?“
„Ja.“
Wieder Schweigen, es war fast dunkel und wir konnten so gut wie nichts mehr sehen. Zwischendurch kamen Uta und Liese, um die Hühner in den alten Stall zu sperren, der an der gegenüberliegenden Hofseite stand. Das Brett, das wir vor ein paar Wochen mit der Armbrust herausgeschossen hatten, musste ich immer noch durch ein neues ersetzen. Um überhaupt etwas zu sagen, richtete ich mich auf.
„Es wird schon wieder alles gut werden. Bis hierher haben wir es geschafft und das ja auch nicht schlecht, oder?“
„Das ist wohl wahr. Aber zurück können wir im Moment sowieso nicht. Jedenfalls ich nicht.“
„Ich weiß. Du musst auch keine Angst haben, dass ich ohne dich gehe. Aber die letzten Tage habe ich mich schon des Öfteren gefragt, wie es so weit kommen konnte.“
„Was meinst du?“
„Alles. Das Haus hier, wir sind ziemlich reich, du bist schwanger …“
„Ich bin schwanger“, sagte sie scheinbar nebenbei, sah mich dabei aber lauernd an.
„Hmm, ich weiß, wir sind schwanger.“
„Du wärst lieber wieder zurückgegangen?“

Ja, das wäre ich. Vor ein paar Wochen hätte ich das gern getan, bevor wir wussten, dass Maria schwanger ist. Nach der grausamen Hinrichtung auf dem Marktplatz, als ich feststellen musste, dass dies alles hier kein Abenteuer sein würde. Dass es Realität war, eben nur nicht unsere. Aber nun ging es nicht mehr. Nur sagte ich ihr das alles nicht.

„Nein. Wir bleiben hier. Das haben wir gemeinsam beschlossen. Abgesehen davon müsste das Loch die nächste Zeit sowieso verschlossen werden.“
Maria lehnte sich an meine Schulter und ich spürte ihre Haare an meiner Wange. Es krabbelte, ich musste grinsen. Seit Tagen endlich einmal wieder.
„Maria. Wir bleiben hier, ich will mit dir leben und mir ist ganz gleich, wo wir zusammen leben. Oder vielleicht sollte ich besser sagen, wann wir zusammen leben.“
Mit einem Mal schien eine Last von meinen Schultern zu fallen, ich fühlte mich schlagartig befreit, befreit von einer Bürde, die mich fast erdrückt hätte. Wobei ich mich fragte, was Ingaris Tod mit der endgültigen Entscheidung, hier mit Maria zu leben, zu tun haben könnte. Aber das würde mir wohl nur ein Psychologe erklären können. Maria drückte sich ganz eng an mich und ich spürte, wie sie ein- und ausatmete.
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