Der Roman für Naumburg - Teil IX

Bei der Hitze habe ich mir gedacht, noch ein paar Zeilen des Fortsetzungsromanes von "Weil die Zeit sich berühren will" zu veröffentlichen:

„Was ist los?“
Ich richtete mich in meinem Bett auf.
„Du hast die ganze Zeit gesagt, ‚die Kleine und ihr Bruder sind das Alpha und wir beiden das Omega und ohne das Omega gäbe es das Alpha nicht‘. Was soll das bedeuten, Hannes? Und welcher Bruder? Utas Brüder sind tot, wir haben sie eigenhändig begraben, alle beide.“
Ingaris Worte an mich …
„Hat es Siegfried mitbekommen?“
„Ja, aber er wird es nicht verstanden haben. Er sagte irgendetwas davon, dass du wohl doch ein wenig zart besaitet wärst.“
„Zum Glück.“
„Was zum Glück? Du hast mir Angst gemacht. Dein Lachen, das war nicht dein Lachen, ich weiß auch nicht. Du hast geklungen wie Ingaris, weißt du? Vor ein paar Tagen, als wir bei ihr im Kerker waren.“
Erschöpft fiel ich wieder in mein Kissen zurück. Maria richtete sich auf, legte den Lappen zur Seite in eine Schüssel. Ich hörte das Platschen des Lappens, als er ins Wasser fiel.
„Meinst du, ich könnte zu dir ins Bett kommen?“
„Natürlich, oder hast du Angst vor mir?“
„Nein, ich meine nur, ob es dir soweit wieder gut geht.“
„Komm zu mir.“
Maria löschte die Kerze und ich hörte, wie sie sich auszog. Dann schmiegte sie sich fest an mich heran, ganz nah. Ich spürte ihren Körper an meinem. Wie liebte ich es, ihre Haut an mir zu fühlen, ihren Atem, wenn wir beide gleichzeitig Luft holten. Dieses Gefühl, mit Maria eine Einheit zu sein.
Dann schlief ich traumlos ein. Ich fühlte mich sicher und geborgen in ihren Armen.

Die nächsten Tage verbrachte ich zurückgezogen, selbst mit Maria redete ich nur sehr wenig. Allen anderen ging ich ganz aus dem Weg, zumindest so gut es ging. Meistens saß ich auf der Bank vor dem Haus oder hinten im Hühnerhof. Die Hühner hatten etwas Beruhigendes für mich. Sie gackerten über den Hof und nichts schien sie zu stören. Irgendwann verloren sie auch ihre Scheu vor mir.
Ich fragte mich oft, wie es soweit kommen konnte und mir war selber bewusst, dass ich in „unserer“ Zeit einen Psychologen gebraucht hätte.
Am fünften Tag kam Maria zu mir. Ich saß gerade auf dem großen Stein, auf dem wir uns im Sommer geliebt hatten und wo uns die weiße Frau erschienen war, hinten auf dem Hühnerhof. Die Sonne ging an diesem Tag bereits langsam unter und es wurde kühl, ein leichter Windhauch zog über den Hof hinweg, erster Vorbote des nahenden Herbstes. Maria setzte sich kommentarlos zu mir. Ich wusste, dass ich jetzt irgendetwas sagen sollte, mir tat mein Verhalten ihr und den anderen gegenüber ja selber weh.
„Es tut mir leid.“
„Was tut dir leid?“ Sie legte ihre warme Hand auf meinen rechten Oberschenkel und mir schien es, dass sie selber froh darüber war, dass ich von mir aus das Wort an sie richtete. „Dass du seit der Sache mit Ingaris kaum ein Wort mit mir gesprochen hast?“
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