Der Roman für Naumburg III

Vielleicht mache ich ja hiermit neugierig auf den ersten Roman, der aus und für Naumburg geschrieben wurde:

Siegfried lotste uns aus der Menge heraus, so dass wir ein bisschen abseits standen.
„Hier wird sie in den Sumpf geschickt, glaubt mit.“
Woher wollte er das so genau wissen? Aber mir sollte es ganz recht sein, wenn ich von dem Ganzen so wenig wie möglich sehen musste. Wäre ich doch zu Hause geblieben, mir war immer noch schlecht.
Während es so aussah, als ob die Menge noch immer anschwellen wollte, kam Gerda mit zwei Humpen Bier zurück, einen für ihren Mann, den anderen für mich. Uns erkannte irgendein Diener des Ratshauses und brachte zwei Hocker angeschleppt. Wenigstens etwas, ich war dem Kerl direkt dankbar. Siegfried und ich ließen uns auf den Hockern nieder und tranken schweigend.
Ich ließ das kühle Getränk meine Kehle hinabrinnen, denn allmählich fing die Sonne an zu brennen, trotzdem es meiner Meinung nach schon Anfang September sein musste. Die Nächte wurden bereits spürbar kälter.
„Ihr seit heute so schweigsam, Meister Hannes. Geht es Euch nicht gut?“
Ich blickte auf und sah in die arglosen Augen meines Freundes, die mich seltsam fixierten.
„Nein, ich habe nur schlecht geschlafen“, log ich, obwohl es mir miserabel ging.
„Ich habe eher den Eindruck, als würde Euch die alte Hexe irgendwie am Herzen liegen.“
„Nein, nein.“ Ich stieß mit ihm an. „Daran liegt es nicht, die ist mir vollkommen egal und ich bin froh, dass sie heute ihrer gerechten Strafe zugeführt wird.“
„Ich denke…“ In dem Moment erlöste mich Karl, der auf uns zukam, sich einen Hocker bringen ließ und uns überschwänglich begrüßte. Mittlerweile war die Stelle, an der wir saßen, von Stadtbütteln abgesperrt worden. Man hielt das „gemeine Volk“ von uns fern. In Karls Gefolge waren noch ein paar andere Ratsherren, auch die dicke Ratsfrau war darunter. Hieß sie nicht Berta? Dankbar, dass ich von der Diskussion mit Siegfried erlöst wurde, trank ich aus. Einen kurzen Moment später stand ein Bengel neben mir und reichte mir direkt einen neuen Humpen voll Bier. Nicht schlecht, dachte ich, bezahlte ihn und machte es mir gerade bequem, als ein Aufraunen durch die Menge ging.
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