Der Roman für Naumburg II

Ich möchte ein paar Seiten des zweiten Teils von "Weil die Zeit sich berühren will" zum Schnuppern hier bei My Heimat Naumburg veröffentlichen... Es geht ja auch um Naumburg, die Stifterfiguren und unsere Geschichte.

„Gott zum Gruße, Meister Hannes.“
„Gott zum Gruße, Meister Siegfried.“
„Ein wunderbarer Tag heute, nicht wahr?“
War es das? Vom Wetter her mochte es so aussehen, ich selber fühlte mich hingegen ziemlich matt und schwach, ausgelaugt.
„Das wird die alte Ingaris wohl nicht behaupten.“
Wir gingen eine Weile schweigend in der Menge mit. Siegfried sah zu Boden, genauso wie ich, seine Frau lief einen Meter hinter uns. Nach ein paar Schritten hob Siegfried den Kopf, schlug mir mit seiner Pranke auf die Schulter und sah mich mit weit geöffneten Augen an.
„Manchmal seit ihr eigenartig, wisst ihr das? Die alte Hexe bekommt nur, was sie verdient hat. Wir sollten froh darüber sein, dass die Herren Richter sie überführen konnten und jetzt endgültig Schluss ist mit ihrer Hexenkunst. Ich habe es ja immer gesagt…“, Siegfried redete noch eine Weile undeutlich weiter, ich hörte ihm jedoch nicht mehr zu. Zum ersten Mal fiel mir bewusst auf, wie einfach die Menschen hier in dieser Zeit waren, einfach vom geistigen Niveau her. Als ob es Hexen geben würde. Aber ich wollte mir Siegfried als Freund bewahren und erwiderte nichts auf seine Worte. Was hätte ich auch sagen sollen, am Ende wäre vielleicht ich selber noch der Hexenkunst verdächtigt worden. Oder Maria.
Irgendwann kamen wir in dem Gedränge zum Stadttor, gingen hindurch und rechts den Weg weiter, in Richtung der Ehrauberge, jener Berge, von denen aus wir die Stadt das erste Mal beobachtet hatten.
Am Wegesrand standen erst vereinzelt, dann aber immer dichter werdend die Händler, Gaukler zeigten ihre Kunststücke. Es herrschte eine Atmosphäre wie auf einem Jahrmarkt. Ich hatte gehofft, hier draußen den Gestank der Stadt hinter mir zu lassen, aber ganz im Gegenteil schien es hier noch mehr nach Schweiß und Körperausdünstungen zu riechen, gemischt mit dem Geruch der vielen verschiedenen Speisen, die an den massenhaften Ständen zubereitet wurden. Mir wurde schlecht und ich musste mich zusammenreißen, damit ich mich nicht übergab. Nach ein paar Metern standen wir an einer großen Wiese, das Gedränge der Menschen schien noch dichter geworden zu sein und jeder hier versuchte, einen guten Platz zu ergattern, um das kommende Geschehen beobachten zu können.
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