Das Unstruttal im Lichte der Frühgeschichte Teil III

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Sehr schwach dagegen ist das mittlere Neolithikum vertreten. Professor. Dr. FRIEDRICH KLOPPENBACH aus Jena, erster Lehrstuhlinhaber für Vorgeschichte in Deutschland, öffnete Ende des 19. Jh. zwar sehr viele Grabhügel im Unstruttal, davon barg aber nur eins Funde aus dieser Zeit, die anderen müssen dem jüngeren Neolithikum und der Bronzezeit zugeordnet werden.

Zu einem Zentrum der schnurkeramischen Kultur entwickelte sich das untere Unstruttal in der Zeit des Spätneolithikums (etwa 2 300-1 800 v.u. Z). Dabei konnten weniger Siedlungen, dafür aber verhältnismäßig viele Flach- und Hügelgräberfelder beobachtet und dokumentiert werden. Gleichzeitig war die aus Spanien und Frankreich kommende Glockenbecherkultur mit mehreren Gräberfeldern vertreten.

Zum Abbau von Kupfererz und der Benutzung von Bronze kam es in der Bronzezeit (1 800-700 v. u. Z). Allerdings zeigten die Gräberfelder noch immer die traditionelle Bestattungsart des Neolithikum, nämlich als liegende Hocker. Aus diesen hier ansässigen spätneolithischen Kulturen entstand die Aunjetitzer Kultur, die sich über das ganze Mittelelbe- Saale- Gebiet, Böhmen und Polen verbreitete.
In Nebra wurde eine jung- bis spätbronzezeitliche Siedlung mit Sohlgraben und Holz- Erde – Wall dokumentiert. In Vorrats- und Abfallgruben fand man verkohlte Früchte von Gerste, Emmer, Linsen, Erbsen und Ackerbohnen, was auf einen frühen Feldbau hinweist. Weiterhin soll ein kultischer Kannibalismus stattgefunden haben(?). Die Frage des kultischen Kannibalismus finden wir noch an einigen anderen Orten im Saale-Unstruttal. Dabei dürfte keinesfalls geklärt sein ob es sich um Kannibalismus oder um Menschenopferung handelt. Ein gutes Beispiel ist der Wendelstein. Im 19. Jahrhundert wurde bei Grabungen festgestellt, dass es bereits lange vor der Erbauung der Burg eine Kultstätte gegeben haben muss die mit einer Wallburg verbunden war, auf der den heidnischen Göttern geopfert und Gericht gehalten wurde. Zählt man diese und andere Orte mit ähnlichen Auffälligkeiten zusammen, könnte doch dem interessierten Hobbyforscher die Idee kommen das irgendwie ein keltischer Einfluss zu erkennen ist. Das wird aber von der Wissenschaft vehement bestritten. Warum eigentlich. Könnte man nicht wenigstens mal darüber nachdenken?
An dieser Stelle sei mal an die Kulthöhlen am Kattenberg bei Bad Frankenhausen erinnert. Bereits in den 50 er Jahren versuchte Prof. Dr. Behm-Blanke anhand eindeutiger Befunde Kannibalismus im mitteldeutschen Raum nachzuweisen. Diese These ist bis heute stark umstritten und löst immer wieder Streit unter den Wissenschaftlern aus. Ein sensibles Thema welches mit Vorsicht zu betrachten wäre.

Infolge wirtschaftlicher und politischer Ereignisse zerfiel die Aunjetitzer Kultur und die aus Süddeutschland kommende Hügelgräberkultur bekam immer mehr Einfluss. Dadurch bildete sich in Thüringen bis in den Merseburger Raum die Unstrutgruppe heraus. Hunderte von Grabhügeln konnten oder können an den Randhöhen des Unstruttals beobachtet werden. Manche wurde neu benutzt und überhöht, so nördlich von Kleinwangen.
Die Unstrutgruppe datiert man auf die mittlere bis späte Bronzezeit (1 400- 700 v. u. Z). Aus dieser Zeit sind auch die im unteren Unstrutgebiet ältesten Befestigungen bekannt. So zum Beispiel auf den spornartigen Höhen der Altenburg in Nebra. Durch kriegerische Ereignisse fanden zum Ausklang dieser Zeit und im Verlauf der frühen Eisenzeit solche Befestigungen und ein Teil der Siedlungen zwischen 700 und 600 v. u. Z ihr Ende. Es scheint, dass die eingesessene Bevölkerung mit den Neuankömmlingen aus dem Süden zur Thüringer Kultur der frühen Eisenzeit verschmolz.

Verlassen wir nun den Graben um eine Pause zu machen. Wir werden sehn was er uns verrät wenn wir das nächste mal die Frage nach den Germanen, Slawen, Römer, Hermunduren, den Thüringern und ihren Hinterlassenschaften stellen.



Es gibt wohl kaum eine Wissenschaft, in der es über ein einziges Problem mehr unterschiedliche Meinungen gibt als in der Archäologie.
Jeder Ausgräber interpretiert einen Befund aus seiner, für ihn richtige Sicht und glaubt es sei die einzig wahre Auslegung.
Ein gesunder Zweifel darf aber bleiben, denn ..., Keiner war dabei ...

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2 Kommentare zum Beitrag
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Manfred Wittenberg aus Nebra (Unstrut) am 23.10.2011 um 14:35 Uhr  
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Bernd Hons aus Volkmarsen am 15.11.2011 um 12:16 Uhr  
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