Ein paar Gedanken zum Tag der offenen Tür in der JVA Naumburg

Kunst im Knast I
Am Sonnabend (21.11.2015) war erneut „Tag der offenen Tür“ in der ehemaligen JVA Naumburg. Anders als beim Tag des offenen Denkmals 2012 war es diesmal leider nicht möglich, sich frei im Gebäude zu bewegen. Stattdessen wurden immer Gruppen á 20 Personen gebildet und durch Teile der Haftanstalt geführt. Entsprechen lang war die Warteschlange, entsprechend enttäuscht waren manche Besucher. Das Schwurgerichtsgebäude konnte beispielsweise gar nicht besichtigt werden.
Die Gruppenführer ihrerseits outeten sich als ehemalige Insassen der JVA, die als sog. politische Gefangene in der DDR Zeit hier einsaßen. Der Führer unsere Gruppe (M.N.) machte dann auch eher den Eindruck, die Geschichte der JVA auf sein persönliches Schicksal zu reduzieren. Zugegeben – über politische Häftlinge in Naumburg, Folter bis in die 1980er Jahre etc. war mir bisher kaum etwas bekannt. Gemeinhin galt auch mir die JVA bisher als Haftanstalt für Schwerkriminelle wie z.B. Mörder. Insofern war der Beitrag der Zeitzeugen ein wichtiger, für meinen Geschmack aber zu Einseitig, zu sehr auf persönliche Betroffenheit verkürzt. Die Geschichte der JVA geht schließlich bis ins 19. Jahrhundert zurück.
Wesentlich interessanter war der erneute Besuch der JVA hinsichtlich diverser Überlegungen hinsichtlich einer zukünftigen Nutzung des Areals. Theater im Schwurgericht, Flüchtlingsunterkunft, Hotel oder Hostel im Knast-Look – Ideen dieser Art hört man immer wieder gern in Gesprächen mit Naumburgern. Aber die JVA gehört immer noch dem Land und hier scheint man unfähig, das Gelände einer neuen Bestimmung zuführen zu können. Die mangelnde Weitischt unsere politischen Entscheidungsträger hat ohnehin dafür gesorgt, dass eine Nachnutzung tunlichst unmöglich gemacht wurde. Sanitäranalgen, Heizkörper, Elektrik inkl. Kabel – kurzum: alles was sich zu Schrottpreise schnell in Geld umwandeln ließ – wurde entfernt. Scheinbar gab es damals nur eine vorstellbare Zukunftsoption: den Abriss. So steht das Gebäude seit nunmehr drei Jahren leer und gammelt vor sich hin, obwohl die vorhandenen Kapazitäten heute weitaus sinnvoller genutzt werden könnten.
Eine weiter kleine Enttäuschung der geführten Rundgänge war die mangelnde Möglichkeit, gute Fotos machen zu können. Dabei sind in einem Teil des Gebäudes verschiedene Wandmalereien zu bewundern. Da findet sich eine Landkarte der Region oder ein riesiges Panoramabild von Naumburgh (mit „h“) anno 1680. Da fragt man sich natürlich, wieso so etwas hier unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf seine Zerstörung warten muss? Wieso nutzt man dergleichen nicht, um das Stadtbild zu verschönern? Eintönige Wände und Schmuddel-Ecken, die eine optische Aufwertung vertragen könnten, gibt es in Naumburg und Bad Kösen wahrlich zur Genüge!
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3 Kommentare
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 22.11.2015 | 15:08  
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PAPA-BERND FAMILIENVATER aus Naumburg (Saale) | 26.11.2015 | 07:02  
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Erster Geschichtenerzähler aus Naumburg (Saale) | 26.11.2015 | 09:52  
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