Straßenbahn fahren in der ganzen Welt, ein schönes Hobby – Teil 10: Naumburg

1982 ca. - Am Depot der Naumburger Straßenbahn
 
1982 ca. - Wagen nur 17 von 1928 und Wagen 43
Naumburg (Saale): Poststraße | Eine von mehreren alten Straßenbahnstrecken in Deutschland, die noch touristisch genutzt werden, befindet sich in Naumburg.

Im Westen Deutschlands – so auch in Marburg – sind alte Straßenbahnstrecken bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg Neuerungen zum Opfer gefallen. In Marburg hatte man 1951 noch nicht einmal eine einzige der alten Straßenbahnen erhaltungswürdig befunden. Das war zum Glück nicht überall der Fall.

Auf dem Gebiet der DDR sind noch bis 1989 viele alte Straßenbahnen gefahren, meist aus der Not heraus, weil neue nicht zu beschaffen waren und der Staat wirtschaftlich am Boden lag.

In Naumburg/Saale aber gab es Leute, die mit „Bürgersinn“ ausgestattet waren (in Eigeninitiative handelten und nicht von der Staatsmacht angeordnet).

Fotos, von mir in Naumburg Anfang der 1980er Jahre aufgenommen, zeigen, wie dort alte Straßenbahnwagen noch benutzt und immer wieder in Gang gesetzt wurden. Trotz mehrerer sogar jahrelanger Unterbrechungen ist die Straßenbahnlinie immer wieder neu in Betrieb gesetzt worden.

Hier kurz zur Geschichte der „Ringbahn in Naumburg“:

Die Naumburger Straßenbahn wurde nach nur 74 Tagen Bauzeit am 15. September 1892 als Dampfstraßenbahn mit einer Spurweite von 1000 mm (Anmerkung: wie in Marburg und Halle/Saale) in Betrieb genommen. Als Triebwagen dienten drei Loks der Firma Krauss aus München (zweiachsige Kastenloks). Sie erhielten die Namen Naumburg, Saale und Unstrut.

Die vier Personenbeiwagen stammten ebenso wie die zwei Gepäckloren von der Firma Lindner aus Ammendorf. Die Wagen verfügten jeweils über 12 Sitz- und Stehplätze. Die Dampfstraßenbahn wurde alsbald von den Naumburgern “Wilden Zicke” genannt.

1906 wurde die Strecke elektrifiziert. Der reguläre Fahrbetrieb startete am 2. Januar 1907. Ein Ringschluß über Moritzplatz, Freyburger Straße und Markgrafenweg zum Bahnhof. wurde geplant. 1913 erheilt man dafür die Konzession. Am 08. April 1914 wurden die Arbeiten abgeschlossen und am ersten Osterfeiertag wurde der Zweirichtungsverkehr auf dem Ring aufgenommen. Auf einer 5,4 km langen Strecke ging es fast 100 Jahre einmal rund um die Stadt.

Die weitere Geschichte kurz erzählt:

Wie schon am Ende der dreißiger Jahre kam es gegen Ende der sechziger Jahre zu technischen Schwierigkeiten. Es erfolgte die Aufstockung des Fahrzeugparks durch acht umgespurte Triebwagen aus Leipzig und zwei Beiwagen aus Halle. Die aus Leipzig gekommenen Triebwagen waren zwar aufgearbeitet wurden, stammten aber aus dem Jahr 1913 und erwiesen sich als nicht mehr wirtschaftlich. Sie wurden 1972 nach und nach ausgemustert.

Zudem kam es durch den schlechten Zustand des Gleiskörpers zum Verkehrsinfarkt. Zwischen dem 15. August und 09. September 1979 musste der Betrieb gänzlich eingestellt werden. Auch 1986 bis 1987 kam es zu einer Betriebschließung. Das „endgültige vorzeitige“ Ende zeichnete sich ab, als der Betrieb der Naumburger Straßenbahn im Laufe des Jahres 1992 eingestellt wurde. In den folgenden Jahren erfolgten zahlreiche Fahrten als Touristenbahn.

Seit Frühjahr 2007 verkehrt die Bahn in Oldtimerwaggons halbstündlich zwischen Bahnhof und Innenstadt. Die Streckenlänge beträgt derzeit etwa 2,5 Kilometer. Jeden Samstag 14.15 Uhr gibt es Führungen im historischen Straßenbahndepot. Dazu hat sich ein Verein der Straßenbahnfreunde gebildet. Er hat sich den Erhalt und Betrieb historischer Straßenbahnfahrzeuge in Naumburg als Ziel gesetzt, aber auch den Wiederaufbau der Naumburger Ringstraßenbahn auf die Fahnen geschrieben.

Zu den vereinseigenen Fahrzeugen gehört auch der Triebwagen 17. Dieser Wagen wurde 1928 vom Waggonbau Lindner in Halle-Ammendorf gebaut und fuhr bis 1978, zuletzt mit der Nummer 643 II auf dem Gleisnetz der Halleschen Straßenbahn. Er wurde anschließend von der Naumburger Straßenbahn als Wagen 17 in zweiter Besetzung übernommen.

Als einer der letzten Triebwagen vom Typ Lindner erhielt er 1982 einen grünen Anstrich als „Museumswagen“ und konnte somit vor der Verschrottung gerettet werden. Derzeit ist der Triebwagen 17 der älteste Wagen in der Naumburger Fahrzeugsammlung. Seit 1992 von dem Verein in den Wagen viel Arbeitszeit investiert. Nach der Entrümpelung wurde er restauriert und wieder betriebsfähig gemacht.

(teilweise übernommen aus der im Internet veröffentlichten Stadtgeschichte von Naumburg)
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Christel Pruessner aus Dersenow | 26.10.2014 | 14:38  
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Karl-Heinz Töpfer aus Marburg | 27.10.2014 | 01:22  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 27.10.2014 | 10:11  
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