nee diese Jugend

„Man könnte doch wieder mal ins Kino gehen“, dachte ich mir und begann in der lokalen Zeitung nach dem aktuellen Spielplan zu suchen. Nach geraumer Zeit wurde ich dann fündig.
Ich hatte mir einen spannenden Film ausgesucht und erhoffte nun etwas Ruhe und Entspannung in den doch recht bequemen Kinosesseln zu finden. Ich bestellte mir also telefonisch die für einen solchen Besuch notwendige Eintrittskarte und freute mich auf diese Abwechslung.
Nun kann es ja passieren, dass ein Termin von einem anderen Ereignis überschnitten wird und das ursprüngliche Vorhaben einen engeren Zeitraum bekommt. So erging es auch mir und es war schon recht peinlich, als ich, der Hauptfilm hatte begonnen, mich in der Dunkelheit durch die gut besetzten Reihen zwängen musste. Nun, ich fand meinen Sessel, nahm Platz, entspannte und konzentrierte mich voll auf das Geschehen auf der Leinwand.
Ich konnte meine Nachbarn nicht so richtig erkennen, war aber der Meinung, dass es sich nur um ein jugendliches Pärchen handeln konnte. Denn ungeachtet jeglicher Geschehnisse auf bereits erwähnter Leinwand, gruben sich immer wieder Hände, ich vermutete im Zehn-Sekunden-Takt, in eine riesengroße Tüte mit aufgepufften Mais, die auf ihrem Schoss stand. Danach folgte ein laut schmatzendes und schnurbsendes Geräusch, welches auf einen Mahlvorgang der Zähne schließen ließ und mit einigen Rülpsern seinen Abschluss fand. Nach diesem Vorgang war ein Augenblick Ruhe, allerdings mitunter durch das saugende Geräusch, hervorgerufen durch die Benutzung eines Trinkhalms, unterbrochen. Ich vermutete, dass sich dieser in einer Colabüchse befand. Als ich mich nach einiger Zeit an diese unerwünschte, in keinem Zusammenhang mit dem Film in Verbindung stehende Geräuschkulisse gewöhnt hatte, wurde, natürlich in einem ruhigen Moment die Tüte zusammengeknüllt unter den Sitz gestellt. Dabei fiel auch gleich die Colabüchse auf das Parkett und konnte ohne großes Zögern mit dem Fuß einige Reihen weiter befördert werden. Das war der Punkt, an dem ich mir fest vorgenommen hatte, nach der Veranstaltung ein ernstes Wort mit diesen Halbstarken zu reden. Die verstoßene Getränkedose hatte sich noch nicht richtig platziert, als meine Nachbarn bereits wiederum, unter fürchterlichem Geknister, die vor wenigen Augenblicken abgestellte Tüte erneut in Betrieb nahmen. Irgendwann war dann aber das Behältnis leer und ich konnte in Ruhe die letzten fünf Minuten des Films genießen. Das Licht ging an, ich drehte mich in Richtung der vermeintlichen Jugendlichen, um ihnen meinen pädagogisch sicherlich wertvollen Vortrag zu halten, als ich sah, wie ein älteres, nicht all zu dünnes, mit graumelierten Haar versehenes Ehepaar sich von den Plätzen erhob, die restlichen Krümel von der Kleidung schüttelte und das Kino verließ.

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Katja Woidtke aus Langenhagen am 05.02.2011 um 10:49 Uhr  
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