Hurra, endlich wieder Autofreier Sonntag!

Es ist Sonntag, in Freyburg ist Winzerfest, wir entscheiden uns für den Tag des Denkmals und radeln mit den Fahrrädern nach Bad Kösen zum Borlach Schacht. Die Fahrt durch die Stadt ist schon ruhig, auf dem Saale Radwanderweg auch - nun gut, es ist erst gegen 12.00 Uhr Mittags. Aber Bad Kösen liegt nicht nur im gewohnten Dauerschlaf, es fehlen die Autos, die sonst am Cafe Schoppe vorbei rasen.

Als wir eine Stunde später auf dem Rückweg an den Weinbergen entlang im Weingut Hey sitzen, habe ich das Gefühl in Südschweden an einem See zu sein. Das Grundrauschen fehlt, das man sonst gewohnt ist, nur ab und zu hört man einen Zug vorbei rauschen. Das Winzerfest in Freyburg als Publikumsmagnet und die gesperrte Roßbacher Straße sind wohl Grund für diese Verkehrsberuhigung. Dann auf der Roßbacherstraße, lediglich umgeben von Radfahrern kommen mir die Verkehrsfreien Sonntage meiner Jugend in den Sinn. Aufgrund der Ölkrise wurden sie mehrmals im Jahre 1975 im Westteil der Republik verordnet. Damals war das ein Volksfest. Und so stellt sich bei mir auch ein Glücksgefühl ein und mir wird wieder mal bewusst, wie viel Lebensqualität wir uns durch diese motorisierte Individualmobilität nehmen. Der Krach, der Gestank, die Zerstückelung der Landschaft durch Straßenbau - nur weil jeder alleine in seinen Auto sitzen will, damit die Kleidung nicht nass wird, der Haarschnitt sitzt, man wieder genügend Grunde für das Fitness Studio hat. Es sich erlauben kann, auf dem Lande zu wohnen und in der Stadt zu arbeiten. Und so weiter und so fort. Absurde Welt.

Mir kommen die Nachrichten der letzten Tage in den Sinn: Wirtschaft brummt, auch der Autoexport ist auf einem Höchststand, Krise überwunden, nur die Hypo Real brauch wieder Geld. Die hat schon mehr Geld verschlungen als die neue ICE Strecke von Nürnberg nach Halle, inklusive der vielen Tunnel- und Brückenneubauten. Kurz vor der Eisenbahnbrücke Stadteinwärts kommt mir ein Fahrzeug aus dem Westerwald entgegen. Der Fahrer fragt mich, warum er nicht weiter kommt. Ich entgegne, wo wollen Sie denn hin. Sagt er, die Autobahn nach Eisenach ist voll und mein Navi hat mich hier hin geführt. Als er wieder umdreht sehe ich den Aufkleber der Piratenpartei auf der Heckklappe. So sehen also heute
Piraten aus.

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5 Kommentare zum Beitrag
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 13.09.2010 um 14:40 Uhr  
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Ralph Steinmeyer aus Naumburg (Saale) am 13.09.2010 um 14:51 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 13.09.2010 um 15:26 Uhr  
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Olaf Döring aus Naumburg (Saale) am 16.09.2010 um 22:21 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 17.09.2010 um 14:33 Uhr  
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