„Was? Gleich gibt’s Mische.“ – Ein Interview mit Thorsten Fink
Was Thorsten Fink in seiner noch jungen Trainerkarriere anfasste wurde bislang zu Gold. Dass dies jedoch auch nur von kurzer Dauer sein kann ist dem ehemaligen Spieler des FC Bayern München und jetzigen Trainer des FC Ingolstadt 04 bewusst. Warum er sich dennoch für den Trainerberuf entschied, warum es anscheinend keine schwulen Fußballspieler gibt und wer mit wem nach einem Spiel die Trikots tauschen darf, erklärte Thorsten Fink ausführlich bei einem Gespräch unter sechs Augen.
Als Fernsehzuschauer fragt man sich oft wie auf dem Fußballplatz kommuniziert wird. In welcher Sprache schreit denn zum Beispiel Michael Ballack beim Länderspiel den Schiedsrichter an?
Fink: Normalerweise auf Englisch. Ich habe noch nichts anderes mitbekommen.
Und zwischen den Spielern?
Fink: (lacht) Auch auf Englisch. Aber das kommt immer darauf an. Wenn natürlich ein Brasilianer auf mich zukommt und ich Portugiesisch kann, dann spreche ich mit ihm Portugiesisch. Dasselbe gilt für die Mitspieler. Man sollte sowieso schauen, dass man so schnell wie möglich die Sprache des Landes in dem man spielt lernt, damit man eine größere Identifikation aufbaut. Es ist immer leichter, wenn alle dieselbe Sprache sprechen. Darauf lege ich als Trainer auch großen Wert.
Klappt das auch immer?
Fink: Normalerweise schon. Aber Bixente Lizerazu wollte damals beispielsweise nie Deutsch lernen. Aber er war auch einer der wenigen, die ganz gut ohne Deutsch zurecht gekommen sind und sich auch so hundertprozentig mit dem Verein identifiziert haben. Aber es ist natürlich immer besser, wenn alle die gleiche Sprache sprechen. Man fühlt sich als ausländischer Spieler gleich wohler. Das fängt damit an, dass man alleine einkaufen kann und hört damit auf, dass man alleine hier Freunde finden kann.
Im Spiel kann es in bestimmten Situationen auch von Vorteil sein, wenn einen der andere nicht versteht, oder?
Fink: Die Schimpfwörter kennt jeder (lacht). Egal ob das auf Spanisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch ist.
Was machen eigentlich die Spieler mit den Trikots, die sie nach jedem Spiel tauschen? Sammelt man die?
Fink: Ich habe zwar sogar ein Trikot von Van Nistelrooy, aber der große Sammler war ich nie. Einmal wollte ich eines von David Beckham haben, aber der hat dann gleich gesagt, dass er nur mit Lothar Matthäus tauscht. Manche legen auf den Trikottausch großen Wert, ich selber nicht. Wenn man aber mit dem Fußballspielen aufhört, dann denkt man sich manchmal schon, hätte man lieber das eine oder andere Trikot doch mitgenommen, denn es ist ja auch eine schöne Erinnerung, die man vielleicht mal seinen Kindern zeigen kann. Vor allem wenn man gegen große Spieler international gespielt hat.
Was die Medien betrifft. Gibt es da Abmachungen zwischen den Medien und den Vereinen? Wie ist das zum Beispiel mit Blickpunkt Sport und dem FC Bayern München?
Fink: Von Blickpunkt Sport wird man vielleicht ein, zweimal im Jahr eingeladen und das sollte man dann auch wahrnehmen. Es ist als Fußballer natürlich gut hin und wieder in der Presse zu sein, so achten die Leute mehr auf einen. Ein gesundes Maß ist jedoch angebracht. Manche wollen sich immer zeigen, das ist in der Regel zu viel. Bei Blickpunkt Sport ist es ja schon Tradition, dass entweder jemand von Bayern München, 1860 München oder dem 1. FC Nürnberg da ist.
Wie viel lässt man denn die Menschen von sich erfahren?
Fink: Das kann jeder Spieler machen wie er will. Vom Privatleben muss man eigentlich nichts preisgeben. Wenn man in eine Sportsendung geht, dann gehört das da auch nicht hin.
Zur EM fiel auf, dass viel über die Spielerfrauen berichtet wurde.
Fink: Das ist mir auch aufgefallen. Ich persönlich finde das scheiße. Man kann schon mal die Spielerfrauen, die ja schließlich den Männern das ganze Jahr den Rücken frei gehalten haben, am Ende der EM vorstellen. Aber dieses Jahr hat man sie ständig in den Zeitungen gesehen und über sie berichtet. Gerade in der BILD wird darüber gerne geschrieben. Die Leute interessiert eben wie die Frauen aussehen und ob sie sich zanken oder was weiß ich. Ich finde das nicht gut. Denn nicht die sollten im Mittelpunkt stehen, sondern die Sportler.
Bei manchen Spielern hat man das Gefühl, dass sie das ganz gerne annehmen. Bastian Schweinsteiger hat sich beispielsweise ein bisschen zum deutschen David Beckham stilisieren lassen.
Fink: Der Bastian muss noch ein bisschen was lernen. Manche Spieler meinen, dass sie mehr Geld verdienen können, wenn sie öfter in den Boulevardblättern sind. Den Basti kennt jetzt jeder, aber als ich noch mit ihm gespielt habe, kannte ihn keine Sau. Meiner Meinung nach geht es da mittlerweile viel zu viel ums Geld. Wenn Bayern München beispielsweise einen Spieler kauft, ist ein Kriterium sicherlich auch, dass sie eine Menge Trikots verkaufen werden. Man muss da aufpassen, dass es nicht zu viel wird und man sich noch auf seine Leistung konzentrieren kann.
Die Interviews nach einem Spiel entbehren ja nicht einer gewissen Komik. Eben stand man noch auf dem Spielfeld und ein paar Minuten später muss man schon zu ein paar Millionen Menschen sprechen. Wie entscheidet sich denn wer nach dem Spiel was sagt?
Fink: Wenn es ganz professionell läuft, dann kommt nach dem Spiel der Pressesprecher zu dir und sagt dir welche Interviews du gleich geben musst. Wenn man Profi ist, dann muss man sich dem auch stellen. Es wird aber nicht innerhalb der Mannschaft besprochen, wer ein Interview gibt, sondern man wird gefragt.
Bekommt man da einen Crashkurs wie man ein Interview gibt?
Fink: Ne, habe ich nie bekommen.
Schaut man sich Sachen von den anderen Spielern ab? Manchmal hat man das Gefühl die Spieler geben alle die gleichen Antworten.
Fink: Ja, stimmt. Man schaut sich vieles ab, man hat aber auch seine eigene Art des Interviewgebens. Bei Bayern wird man da zwar nicht konkret darauf vorbereitet, aber wenn es einen richtigen Trottel gibt, dann schickt man den schon mal zu einer Schulung. Am Anfang haben sie zum Schweinsteiger gesagt „Du sagst da nichts mehr!“. Seitdem hat er aber schon viel gelernt. Das kommt mit der Zeit.
Aber Sie finden auch, dass es generell talentiertere und untalentiertere Spieler gibt, was das Interviewgeben betrifft.
Fink: Sicherlich. Jürgen „Cobra“ Wegmann bei Bayern, der konnte ja damals keinen geraden Satz sagen. Oder zum Beispiel ganz früher galt das auch für Olaf Thon, den sie dann aber irgendwo hingeschickt haben und seitdem redet der wie ein Professor. Natürlich wird man auch älter und damit ruhiger und sachlicher und kann sich besser ausdrücken. Das sehe ich ja auch bei mir. Ich kann Ihnen auch Interviews von mir zeigen, die nicht so toll waren. Beim Fußballlehrer-Lehrgang gibt es auch einen Kurs für die Arbeit mit den Medien, ein solcher Kurs für die Spieler selbst ist allerdings nicht die Regel.
Wählt man als Spieler manchmal bewusst die Medien, um etwas zu erreichen, zum Beispiel, wenn man gerade in den Vertragsverhandlungen steckt?
Fink: Man muss da aufpassen. Das kann schon mal nach hinten losgehen. Aber zum Beispiel ist der Uli Hoeneß jemand, der bewusst ablenkt. Wenn viel Theater im Verein ist, dann ist er ganz ruhig. Oder er lenkt bewusst vom Team ab und sagt etwas, wo danach nur noch über ihn gesprochen wird. Wenn mal zu viel Harmonie ist, dann lässt er auch wieder was los. Der kann das ganz gut.
Wie lief denn für Sie die Karriere nach der Karriere beim FC Bayern?
Fink: Zum Schluss hatte ich ja noch fünf Jahre Vertrag bei Bayern München. Man hatte mir damals angeboten, dass ich alles Mögliche machen kann: Trainerschein, Jugendarbeit, Fanbetreuung mit Raimund Aumann, etc. Das war aber zu wenig für mich. Ich wollte und will irgendwann Trainer in der Bundesliga werden. Außerdem wollte ich nicht einfach ein Anhängsel vom FC Bayern sein, sondern meinen eigenen Weg gehen. Wenn ich mal zum FC Bayern gehen sollte, dann möchte ich mir das als Trainer erarbeitet haben. Zuerst will ich jedoch irgendwann einmal Bundesligatrainer werden.
Fanbetreuer hat Sie also nicht gereizt?
Fink: Ne, das würde mir einfach keinen Spaß machen. Ich bekam zu der Zeit als Lothar Matthäus Co-Trainer von Giovanni Trapattoni war, ein Angebot von Red Bull Salzburg. Dort habe ich nach einigem hin und her die 2. Mannschaft übernommen. Die waren gerade mitten in der Saison und hatten neun Punkte Rückstand auf den Tabellenersten. Ich habe es als Chance gesehen eine junge Mannschaft zu führen und habe zugesagt. Ich bin direkt mit den Jungs in die 2. Bundesliga in Österreich aufgestiegen. Das ist jetzt vielleicht nicht ganz so viel Wert wie in Deutschland zu arbeiten, aber ich konnte dort sehr viel Erfahrungen sammeln und habe mir auch einen guten Namen gemacht.
Wie ging es danach weiter?
Fink: Der Lothar ging dann irgendwann weg, weil er gegen den Trapattoni geschossen hatte und dann hat mich Trapattoni gefragt, ob ich nicht bei ihm Co-Trainer werden will. Das habe ich dann auch ein halbes Jahr gemacht bis herauskam, dass er nicht Cheftrainer bleibt. Zu der Zeit hatte ich auch ein Angebot von Ingolstadt. Ich wollte wissen, ob ich mir etwas auf den Posten von Trapattoni ausrechnen kann. Man meinte aber, dass man mir nichts versprechen könne. Daraufhin habe ich den Job bei Ingolstadt angenommen. Die waren gemessen an ihren eigenen Ansprüchen nicht gut gestartet und waren unzufrieden mit ihrem Trainer. Ich war aber von der Truppe überzeugt und von mir natürlich auch und so habe ich zugesagt.
Wann haben Sie von sich selber gemerkt, dass Sie einer Mannschaft gegenüber diese Lehrerposition einnehmen können?
Fink: Ich bin zwar offiziell „Fußballlehrer“, aber ich habe mich selbst nie als Lehrer gesehen. Durch den Erfolg bei meinen ersten Job bei Red Bull Salzburg fühlte ich mich bestätigt. Wenn ich da gleich gescheitert wäre, dann hätte ich vielleicht gezweifelt, ob das etwas für mich ist. So ist das halt. Man braucht am Anfang etwas Erfolg, um auch wirklich an sich zu glauben. Ich habe in Österreich mit der Mannschaft siebzehn Spiele hintereinander gewonnen. Das ist ein Erfolg. Es ist ja nicht so einfach die Mannschaft ständig neu zu motivieren und neue Ziele auszugeben, damit sie auch beim elften und zwölften Spiel noch hungrig bleibt. Das konnte ich wohl ganz gut und kann das immer noch. Auf der anderen Seite war es natürlich auch sowieso eine gute Mannschaft.
War es schwierig den alten Trainer zu ersetzen?
Fink: Man muss natürlich erst Mal Vertrauen gewinnen. Vor allem muss die Mannschaft deinem System vertrauen. Es ist natürlich von Vorteil, wenn man bei Bayern München gespielt hat. Da schauen die Spieler zu einem auf und meinen dass man bestimmt auch ein geiler Trainer ist. Zumindest wissen sie, dass man eine Menge Erfahrung hat und sie einem nichts erzählen können. Es ist aber nicht zwangsläufig so, dass man ein guter Trainer ist, wenn man mal ein guter Spieler war, den ein wichtiger Teil der Trainerarbeit ist es ein Team zu formen.
Und wie macht der Trainer Fink das?
Fink: Ich führe jetzt keine großartigen Teambuildingmaßnahmen durch, wie Hochseilklettern oder so. Ich habe sie einmal auf das Oktoberfest eingeladen. Da war natürlich die Stimmung gut bei den Jungs. Aber ich habe auch immer gesagt: wer feiern kann, muss auch arbeiten können. Die Jungs hatten Spaß, waren aber auch diszipliniert. Wir haben uns mit dem Bus um halb zwölf nachhause kutschieren lassen, denn man muss ja als Trainer auch aufpassen, dass das nicht ausartet.
Wie ist denn die Ausbildung für einen Trainerschein?
Fink: Wenn man nie Fußball gespielt hat, dann wird es sehr schwierig. Wenn man aber in der Bundesliga gespielt hat, dann hat man einige Vorzüge. Trotzdem habe ich auch die B- und die A-Lizenz gemacht und die Fußballlehrerlizenz. Lothar Matthäus hat nur die Fußballlehrerlizenz gemacht und das in ein paar Wochen. Bis man alle Lizenzen hat, dauert es normalerweise Jahre. Als Bundesligaprofi hat man den Vorteil, dass man schneller reinkommt. Ich habe alle drei Lizenzen in sechs Monaten in Köln gemacht, während ich noch für Bayern gespielt habe.
Wie lange muss man das im Voraus planen, wenn man nach seiner aktiven Karriere eine Trainerkarriere machen will?
Fink: Für mich war schon lange klar, dass ich Fußballtrainer werden will. Ich hatte sowieso schon vorher mit dem Verein abgesprochen, dass ich meinen Trainerschein machen möchte, wenn ich bei den Amateuren spiele. Der Verein wollte ja unbedingt, dass ich dort spiele, nicht ich.
Wieso wollte der Verein unbedingt, dass Sie noch bei den Amateuren spielen?
Fink: Man wollte noch einen bisschen älteren und erfahreneren Spieler, weil es eine recht junge Mannschaft war. Eine Mannschaft ist wie ein Orchester. Es muss eine gute Mischung sein. In einer Mannschaft braucht man auch Erfahrung. Ich habe versucht die jungen Spieler ein bisschen zu führen. Laufen konnte ich nicht mehr ganz so viel wie die, aber dafür habe ich mehr delegiert. Wenn es mal ein Problem gab, dann habe ich das mit dem Trainer besprochen. Als Trainer braucht man einen älteren Spieler, der ein bisschen mithilft.
Für einen selber ist es eine gute Zwischenstation zwischen aktiver Karriere und der Karriere als Trainer.
Fink: Ja, man kann gut etwas lernen und reifen.
Es gibt ja tausende Jugendliche die versuchen eine Fußballkarriere zu machen und viele schaffen es nicht. Wussten Sie schon immer, dass Sie Fußballprofi werden würden?
Fink: Ich wollte natürlich immer Profi werden. Mit 15 bin ich zu Borussia Dortmund in die Jugendmannschaft gekommen, wo nur die besten aus der Altersklasse gespielt haben. Da will man dann selbstverständlich Fußballprofi werden. Ich habe ganz normal meine Ausbildung zum Bürokaufmann gemacht und war bei der Bundeswehr. Danach hatte ich aber zu nicht viel anderem Zeit als zum Fußballspielen und mit 20 Jahren bin ich dann Profi geworden.
Wenn Ihr Sohn einmal Fußballprofi werden will, was würden Sie denken?
Fink: Schwierig. Ich will ihn zu nichts zwingen. Wenn er das machen will, dann soll er das machen. Ich würde aber schon wollen, dass – vorausgesetzt er hat überhaupt das Talent zum Fußballprofi – er etwas vernünftiges nebenher lernt. Das ist sehr wichtig. Schauen sie sich doch mal an wie viele Profis es in Deutschland gibt. Das sind vielleicht ein bisschen mehr als 500, d.h. es gibt nicht viele und das muss man den jungen Spielern auch vor Augen führen. Es wird trotzdem schwer, auch wenn man Talent hat, denn es gehört auch Glück dazu. Ich würde aber meinem Sohn niemals sagen, dass er das nicht machen dürfe.
Wie sehr ist man als Trainer eine Vertrauensperson vor allem zu den jungen Spielern? Wie eng ist da das Verhältnis?
Fink: Das Verhältnis darf nicht zu eng sein. Trotzdem muss man wissen, wie man auf die Spieler eingeht. Ich bin in einer Zechensiedlung aufgewachsen, da gab es ständig Schlägereien und da habe ich mich durchsetzen müssen. Das war eine ganz andere Jugend. Heute sitzen die Kinder nur vor dem Computer und wenn man einmal härter anpackt, dann brechen sie gleich zusammen. Wenn zu mir früher jemand gesagt hat: „Ey, das kriegste nicht“, hab ich gesagt: „Was? Gleicht gibt’s Mische.“ Man muss als Trainer von jedem einzelnen Spieler wissen, was er für eine Jugend gehabt hat. Ein Trainer muss auch ein guter Psychologe sein. Er muss wissen, ob ein Spieler eine auf den Deckel braucht oder ob man ihn streicheln muss. Zum Beispiel sind Abwehrspieler normalerweise robuster. Denen kann man auch mal was sagen. Die Nummer 10, die normalerweise immer ein bisschen exzentrischer ist, den muss man machen lassen. Ein defensiver Mittelsfeldspieler ist vom Typ her bodenständiger. Die Stürmer sind wiederum egoistischer. Wenn die Spieler nicht diese Charaktereigenschaften hätten, dann würden sie auch nicht so gut sein. Als Stürmer muss man ein bisschen egoistisch sein, um Tore zu schießen. Es muss jedoch die Mischung im Team stimmen. Man braucht bodenständige Spieler, aber auch kreative, die sich auch mal was trauen und versuchen schwierige Bälle zu spielen. Für mich als Trainer ist es mit das Wichtigste ein guter Psychologe zu sein.
Meinen Sie mit Psychologe, dass Sie die Spieler versuchen zu analysieren oder kommen die Spieler auch mit konkreten Problemen zu Ihnen?
Fink: Dass sie mit konkreten Problemen zu mir kommen habe ich in meiner kurzen Laufbahn als Trainer bis jetzt noch nicht so häufig erlebt. Man macht sich aber natürlich seine Gedanken, wenn man die Spieler beobachtet. Wenn man das Gefühl hat, dass jemanden etwas bedrückt, dann versucht man natürlich mit dem Spielern zu sprechen. Ottmar Hitzfeld war beispielsweise ein Trainer der genau wusste, wie man mit den Spielern umgehen muss und wie man eine gute Hierarchie aufbaut. Er wusste, wen er mal wieder spielen lassen musste, damit es kein Theater gibt und wen man zum Chef herauskristallisiert. Denn wenn man auf die falschen Leute als Führungsspieler setzt, dann kann Dir alles zusammen brechen. Bei aller Psychologie muss man aber natürlich auch Ahnung vom Fußball haben. Viel liegt auch bei den Spielern selbst. Ich sage meinen Jungs immer, dass ich nicht die Ansprüche an sie stelle, sondern sie an sich selber. Ich sage niemanden, dass er in der Bundesliga spielen muss. Sondern entweder will man das oder nicht. Mein Anspruch ist irgendwann in der 1. Bundesliga zu trainieren. Wenn ich aber nicht richtig arbeite und ehrgeizig genug bin, dann kann ich mich gleich in die Wiese legen. Ich hatte mal einen Spieler, der hatte sieben Kilo zu viel. Den habe ich dann gefragt, was er eigentlich will. Will er langfristig mehr Kohle verdienen oder will er weiter rumdünkeln. Ich habe ihm gesagt, dass er an seinen Schwächen arbeiten muss. Wenn er richtig Asche verdienen und sich ein Haus kaufen will, dann muss er an seinen Kilos arbeiten, denn das ist seine Schwäche.
Was ist, wenn es sich dabei um eine vermeintliche Schwäche handelt für die er nichts kann? Angenommen ein Spieler kommt zu Ihnen und teilt Ihnen mit, dass er schwul ist, einen Partner hat und sich nicht mehr verstecken will, weil er sonst daran zerbricht.
Fink: Wenn er Leistung bringt, dann ist mir es doch scheißegal, ob er schwul ist. Wenn er wie ein Schwuli auf dem Platz rumläuft, dann ist es mir nicht mehr egal. Wenn er aber Gas gibt und gut spielt, dann ist das ok. Mir ist das egal. Wichtig ist, was auf dem Platz passiert.
Warum gibt es aber offiziell keine schwulen Fußballspieler?Gibt es wirklich keine oder liegt es daran, dass es für sie schwierig ist diese ganze Fußballschule zu durchlaufen und vielleicht schon im Jugendalter diskriminiert werden?
Fink: Das weiß ich nicht. Mir hat noch kein Spieler gesagt, dass er schwul sei. Mir persönlich war das auch wirklich immer egal. Ich habe auch viele schwule Freunde und Bekannte gehabt und ich habe mir da nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Irgendwann habe ich schon davon gelesen, dass es den einen oder anderen schwulen Fußballer gibt, aber, wie gesagt, mir war das immer egal. Natürlich wird mit dem Schwulsein auch immer das Klischee verbunden, dass man weicher wäre. Ob man es als Fußballer dann ganz nach oben schaffen kann, wenn einem dieses Klischee anhaftet, das ist fraglich. Man wird dann in jedem Stadion als Schwuler beschimpft. Das muss man auch abkönnen.
Liegt es nur an den Diskriminierungen, die in den Stadien zu erwarten wären oder auch an den Mitspielern?
Fink: Ich denke, dass es von außen kommt. Innerhalb einer Mannschaft würde es toleriert werden. Ich denke nicht, dass man jemanden wegen seiner Homosexualität diskriminieren würde. Klar, wenn ich mit jemanden einen Zweikampf habe und mich mit ihm in die Haare kriege, dann würde ich schon was sagen, aber nicht aus Hass oder aus dergleichen Gründen.
Das bizarre am Trainerberuf ist, dass man eigentlich bei Antritt schon weiß, dass man irgendwann entlassen wird.
Fink: Entlassen wird jeder Trainer. Mourinho hat mal gesagt, dass die reichsten Trainer die sind, die am häufigsten entlassen wurden. Sie sind am reichsten an Erfahrung und an Kohle.
Welche Ziele haben Sie denn in diesem Trainerzirkus?
Fink: Mein Ziel ist in erster Linie ein guter Trainer zu werden. Was dann ist wird man sehen. Ich möchte mich als Trainer ständig verbessern und über mehr mache ich mir im Moment keine Gedanken. Irgendwann werde ich auch rausgeschmissen, das weiß ich, denn so ist das Leben als Trainer. Es gibt keinen Trainer, der nie entlassen wurde. Deswegen gehe ich die Sache ganz gelassen an. Wichtig ist natürlich, dass man die ersten Jahre Erfolg hat, dann ist man in diesem Karussell drin. Ich will mir einen guten Namen machen und glaube, dass ich bis jetzt auf einem ganz guten Weg bin. Man kann vielleicht Selbstvertrauen mitnehmen, aber ich muss mir jetzt wieder alles neu erarbeiten. Fußball ist ein Tagessgeschäft. Wenn ich ein paar Mal hintereinander verloren habe, dann kann es sein, dass sie mich in ein paar Wochen rausschmeißen. Das geht schnell.
Interview und Bilder: Leo Maier und Sven Mesch










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