Das verborgende Highlight der Münchner Sicherheitskonferenz

Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Foto: © Bild: www.developmentpolicyforum.de CC)
 
Vian Dakhil, Mitglied des Irakischen Parlaments, Vertreterin der Gemeinschaft der Yeziden, Bagdad (Foto: © Bild: www.ezidipress.com CC)
 
Prof. Dr. Klaus Reder, 1. Vorsitzender Gemeinschaft Sant’Egidio e. V. (Foto: © Bild: www.nuernbergwiki.de CC)
München: Karmelitenkirche |

Zur Lage der christlichen und yezidischen Flüchtlinge in den syrischen Anrainerstaaten hatte die Hanns-Seidel-Stiftung e. V. am 13. Februar 2016 von 15.00 – 16.30 in die Münchner Karmelitenkirche
geladen.

Zeitgleich zu den Protesten der Friedensaktivisten gegen das weltweit größte Think Tank seiner Art, die Münchner Sicherheitskonferenz, zeichnete ein hochkarätigst besetztes Podium nur einen Steinwurf vom Tagungsort entfernt ein ebenso beklemmendes, als die unsäglichen Handlungsweisen demaskierendes Bild von der tatsächlichen Lage. Aspekte und Eindrücke, welche das dortige Plenum und breite Medienpräsenz wie damit öffentliche Wahrnehmung mehr, als nur verdient hätten!


Der Bürgerkrieg in Syrien geht in sein sechstes Jahr. Was im Zuge des “Arabischen Frühlings“ als Demokratisierungsbewegung begonnen hatte, hat sich zu einem multipolaren Konflikt mit geostrategischen Dimensionen ausgeweitet. Über 11,6 Millionen Syrer sind nach Angaben der Vereinten Nationen inzwischen auf der Flucht. Die große Zahl der Geflüchteten belastet insbesondere die umliegenden Staaten schwer. So beherbergt die Türkei aktuell 1,8 Millionen registrierte Flüchtlinge. Im Libanon sind es 1,2 Millionen, in Jordanien 628.000 und im Irak 251.300. Unter den Geflüchteten befinden sich zahlreiche orientalische Christen und Angehörige der Religionsgemeinschaft der Yeziden.

Prof. Ursula Männle begrüßte als Vorsitzende der gastgebenden Hanns-Seidel-Stiftung e. V. die ca. 200 Gäste mit deutlichen Worten, wie gemeinsam mit den Experten aus Politik, Wissenschaft und Kirchen, die aktuelle Situation dieser beiden in besonderer Weise bedrängten Gruppen religiöser Minderheiten beleuchtet und der Frage nachgegangen werden soll, welchen Beitrag die internationale Gemeinschaft im Allgemeinen und die Bundesrepublik Deutschland im Besonderen leisten kann, deren Lage zu verbessern. Inwieweit Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender Horst Seehofer bei seinen diversen “Ausritten“ an diese Ziele denkt und wie die HSS in “einzufangen“ gedenkt/vermag, drängte sich manchem kritischen Zuhörer bereits hier als grundsätzliche Frage auf.

Staffan de Mistura, UN Sondergesandter für Syrien, New York, entschuldigte sie, er hatte angesichts der aktuellen Lageentwicklung sämtliche gegenwärtigen Termine und damit auch seine Teilnahme an diesem Podium abgesagt.

Prof. Dr. Klaus Reder, sprach als 1. Vorsitzender der mit veranstaltenden Gemeinschaft Sant’Egidio e. V. dass zweite Grußwort und zeichnete ein nachdrückliches Bild der vielfältigen und erfolgreichen, wie wertvollen Tätigkeiten dieser 1968 in Rom in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entstandenen Laienbewegung für den Weltfrieden.
Heute gehören ihr mehr als 60.000 Personen an, die sich in mehr als 73 Ländern der Welt für die Weitergabe des Evangeliums und dem Dienst an den Armen als “Öffentlicher Verein von Gläubigen“ in der Kirche“ verschrieben haben.

Unter der fachkundig engagierten Leitung von Dr. Heinrich Kreft, dem Gesandter der Deutschen Botschaft Madrid, gab Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung seine Erfahrungen und daraus resultierende Sicht der Dinge wider. In sympathischer Offenheit verzichtete er auf sein Redemanuskript und schilderte in freier Rede die Versäumnisse der Staatengemeinschaft, wie die existentiellen Ansprüche an sie. Mit diesem menschlich überzeugenden Auftritt ist er weit mehr, als das gute Gewissen der CSU, macht Laune auf mehr in der Politik!

Vian Dakhil, Mitglied des Irakischen Parlaments, Vertreterin der Gemeinschaft der Yeziden, Bagdad und S. E. Elias Toumeh, Weihbischof der Erzdiözese Akkar, Syrien schilderten erschreckendste, in den täglichen Medienmeldungen leider absolut vernachlässigte Realitäten.
Diese konterkarieren alle Anflüge der Kritik an humanitärer Flüchtlingshilfen und ein Ausschlachten für abstruse ideologische und politische Ränkespiele.
Wenn in Städten mit 1.4 Mio. Einwohner über 800.000 Flüchtlinge leben zeigt dies, mehr als überdeutlich, dass hiesige Befürchtungen grundlos sind. Fakt ist ebenso, dass der zentrale Wunsch Frieden lautet und die absolute Mehrzahl der Menschen in ihrer Heimat bleiben, bzw. dorthin zurückkehren will.
Wenn eine Armenische Schule – getragen von Überlebenden der eigenen Genozid – exakt dann internationale Mittel verliert, wenn Sie jetzt vom Genozid Bedrohte aufnimmt, ist dies ebenso kontraproduktiv, als die Missachtung der Tatsache, dass jede vor Ort eingesetzte Finanzhilfe die 50fache Wirkung gegenüber Maßnahmen hier in Deutschland entfaltet.

S. E. Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, skizzierte die Maßnahmen der, in seiner Zuständigkeit liegenden, Hilfswerke der Weltkirche und Prof. Dr. Dr. h. c. Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, hielt einen flammenden Appell, dass nur über Religionsfreiheit ein dauerhaft friedliches Miteinander ermöglicht wird, da die Gräben zwischen den einzelnen Richtungen keineswegs Naturgesetz, sondern von Menschen gemacht sind.
So berichtete er u. A. von einem Professor aus Mekka, der ihm eine, in Englisch abgefasste und nach islamischen Grundsätzen argumentierte Schrift für die Schaffung eines säkularen Staates überreicht hatte.

Im Fazit stellt sich nicht die Gelingen-Frage nach der Kanzlerinnen-Aussage “wir schaffen das“, sondern angesichts der unaufhaltsamen interkontinentalen Veränderungen die unabdingbare Notwendigkeit ihres Gelingens mit den richtigen Maßnahmen in die richtige Richtung.

Zu deren Bewusstmachung hat die Hanns-Seidel-Stiftung mit dieser Veranstaltung dankenswerterweise einen ebenso wichtigen, als richtigen Beitrag geleistet!

Die 1967 gegründete CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung, benannt nach dem früheren Parteivorsitzenden und Bayerischen Ministerpräsidenten, ist eine politische Stiftung, die “im Dienst von Demokratie, Frieden und Entwicklung“ politische Bildungsarbeit im In- und Ausland auf Grundlage christlicher Weltanschauung leistet. Mit ihren Fachabteilungen ist sie in den Bereichen Politikberatung, Politische Bildung, Begabtenförderung und in der Entwicklungszusammenarbeit mit ca. 90 Projekten in rund 60 Ländern weltweit tätig.

Erich Neumann, freier Journalist www.presse.ag
Postfach 14 43, 87612 Marktoberdorf
GSM +49 160 962 86 676
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www.cmp-medien.de

Bildmaterial:

© Bild: www.developmentpolicyforum.de CC – Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
© Bild: www.ezidipress.com CC – Vian Dakhil, Mitglied des Irakischen Parlaments, Vertreterin der Gemeinschaft der Yeziden, Bagdad
© Bild: www.nuernbergwiki.de CC – Prof. Dr. Klaus Reder, 1. Vorsitzender Gemeinschaft Sant’Egidio e. V.
© Bild: www.okaz.at CC – S. E. Elias Toumeh, Weihbischof der Erzdiözese Akkar, Syrien
© Bild: www.vebidoo.de CC – Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit
© Bild: www.christophassmann.de CC – S. E. Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg
© Bild: www.koerber-stiftung.de CC – Dr. Heinrich Kreft, Gesandter der Deutschen Botschaft Madrid
© Bild: www.fu-bayern.de – Prof. Ursula Männle, Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung e. V.
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