Dich traf ich Baum
Dich traf ich Baum
Dich traf ich Baum,
Als ziellos ich durchirrt das wüste Land.
Verharren mußt ich dunklen Sinns vor dir
Und lauschen dem Gekrächz der Raben.
Du Baum, du sahst und hörtest viel –
Verhallt ist längst der Schrei,
Da Bruder stach dem Bruder tief des
Messers Stahl ins junge Fleisch
So dass Blut sich gierig in die Erde bohrt.
Doch sahst du auch den Knecht vor dir,
Wie er der reinen, schönen Magd
Den harten Schwanz ins weich’ Geschlecht
Gestoßen, verzückt sie beid’ im Schrei der Lust.
Und auch den Juden, wie sie schlugen ihn und
Schlangen um den Hals den Strick ihm
Und gurgelnd er noch schluchzt, es lebe Juda!
Den Reigentanz der Mädchen und der
Burschen, sich suchend und dann findend sich
Im Düfteschwanger deiner Krone Blüten.
O Baum! rief ich „siehst du denn nicht
Ins wüste Land gebrannt die Zeichen
Unsrer Zeit – Stein und Beton und Schlamm
Und Götzen hüpfend um das ‚Goldne Kalb’?
Verloren bist du, Baum - greller Blitz aus
Dunkler Zeiten Wolken und wilder Wintersturm
Vermochten nicht zu brechen dich,
Doch Menschenwerk lässt dich veröden.
O Baum, ich wein um dich
Und fühl mit dir des Lebens Kraft
Versiegen.


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