Wiener Blut: „a feines Safterl!“ Eine poetisch-musikalische Melange

Wann? 11.11.2015 19:30 Uhr

Wo? SWW Werkstatt Kultur, Roßtalerweg 2, 81549 München DE
Peter Hoffmann
 
Zeichnung von Jana Herwig, 2010
München: SWW Werkstatt Kultur |

Die Melange unseres kabarettistischen Wiener Abends verdeutlicht bereits der Titel, der zwei geflügelte Worte zitiert: Blut als ganz besonderen Saft (Goethes Faust) und den Konzertwalzer Wiener Blut von Johann Strauss Sohn, der wiederum für dessen gleichnamige Komische Operette (1899) warb.

Sie ist eine Kompilation, die Adolf Müller aus 31 Werken des bereits kranken Komponisten zusammenstellte. Victor Léon und Leo Stein stellten sich der nicht ganz leichten Aufgabe, dieser teils bekannten Musik singbare Texte zu unterlegen und die durch das spezifische Blut der Akteure verursachten turbulenten Szenen zu entwerfen. Das Ganze geriet zu einer Hommage an die Donaustadt: "Wiener Blut, Wiener Blut! Eig‘ner Saft, voller Kraft, voller Glut. Wiener Blut, selt‘nes Gut, du erhebst, du belebst unser‘n Mut! / Wiener Blut, Wiener Blut! Was die Stadt Schönes hat, in dir ruht! Wiener Blut, heiße Flut! Allerort gilt das Wort: Wiener Blut!"

Das Wienerlied

Diese Verse zeigen einige Charakteristika des Wienerlieds, an dessen Beginn häufig das Lied vom Lieben Augustin genannt wird. Dieser Bänkelsänger aus dem 17. Jahrhundert soll während der Pest die Wiener mit seinen frechen Liedern aufgeheitert haben und einmal sogar in eine Pestgrube geworfen worden sein, obwohl er nur eine Schnapsleiche war. Das gleichnamige Volkslied aus der Zeit um1800 thematisiert dieses Malheur: „Und selbst das reiche Wien, hin ist’s wie Augustin; weint mit mir im gleichen Sinn, alles ist hin! / Jeder Tag war ein Fest, und was jetzt? Pest, die Pest! Nur ein groß‘ Leichenfest, das ist der Rest. / Augustin, Augustin, leg‘ nur ins Grab dich hin! O du lieber Augustin, alles ist hin!“

Das Wienerlied speist sich aus sehr heterogenen Quellen, die vom Straßenlied über das Theatercouplet (Johann Nestroy, Ferdinand Raimund), das Kunstlied (Schubert), dem Repertoire der Volkssänger bis zur Operette und dem Varieté bzw. dem Kabarettlied reichen. Zahlreiche Parodien und Persiflagen („Wie schön wäre Wien ohne Wiener“, Kreisler) belegen sein hohes Ansehen.

Künstlerisches Kabarett

Auf die französischen Wurzeln des Kabaretts verweist schon dessen häufige Schreibweise Cabaret. 1881 eröffnete in Paris das „cabaret artistique“ „Le Chat Noir“. Wiens Komikerszene lebte zu Beginn auch vom Austausch mit dem deutschsprachigen Budapest, deren Künstler unter dem Namen „Budapester Orpheum“ vor allem die jüdische Jargonkomik in die Donaumetropole brachten.

Der jüdische Humor ist – unterbrochen durch die Nazizeit – in Wien stets ein wesentliches Element geblieben und die Rückkehr jüdischer Emigranten ermöglichte einen Neuanfang: Karl Farkas wurde künstlerischer Leiter des wiedereröffneten „Simpl“. Gerhard Bronner gründete mit Helmut Qualtinger (und Carl Merz) das „Namenlose Ensemble“; ihre Doppelconférence machte sie berühmt. Qualtinger trat als „Travnicek“ und „Der Herr Karl“ auf. Zeitweilig stieß auch Georg Kreisler zu diesem Ensemble in der „Marietta-Bar“. In den 70er-Jahren entstanden neue Formendes Kabaretts durch den Einfluss studentischer Alternativ- und Beislkultur. André Heller, Werner Schneyder und Josef Hader gewannen jeweils ein eigenes Profil.

Eintritt: 14 Euro
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