Mario Adorf triumphiert wo Alles begann!

Wann? 22.01.2016 20:00 Uhr

Wo? Kammerspiele, Maximilianstraße 26, 80539 München DE
Lesungsposter
 
Mario Adorf liest aus Schauen Die mal böse
München: Kammerspiele |

Eine illustre Namensreihe ließ Mario Adorf zu Beginn seiner Lesung am 22. Januar Revue passieren, verbeugte sich damit vor Größen deutscher Schauspielkunst und so manche wehmütige Erinnerung wurde alleine damit schon wach.

Weshalb er sich mit etwas über 85 das noch antue, auf der Bühne herum zu hampeln, fragte der Grandseigneur der deutschen Schauspieler alsdann sein Publikum, in dessen Reihen er auch einige Freunde, darunter Senta Berger und Ehemann Michael Verhoeven, ausgemacht hatte. Mit dem Charme eines Lausbuben und der vitalen Ausstrahlung eines Endfünfzigers gab er sogleich selbst die Antwort. Um das Schönste zu erreichen, was es für einen Schauspieler gibt: die Menschen zum Lachen zu bringen.

Dieses Lachen verzauberte den restlos gefüllten Zuschauerraum der Münchner Kammerspiele, die Stätte seines eigentlichen Karrierebeginnes, in den folgenden, wie im Fluge vergehenden Stunden mehrfach.
Gespickt von Insider-Anekdoten eines erlebnis- und erfahrungsreich gefüllten Bühnenlebens, der Theater- und Filmwelt, wie aber auch sensible Einblicke in private, ja geradezu intime Momente zeichneten ein tiefgründiges Bild dieses Ausnahmekünstlers.
In ärmlichen Verhältnissen der Vorkriegszeit wuchs er in Mayen auf und ist dem Ort in der Eifel bis heute eng verbunden. Als Näherin sorgte die fleißige Mutter für den Lebensunterhalt und zeitweilig blieb auch nur der Weg ins Kinderheim. Die Wohnung war so winzig, dass Mutter und Sohn sie verlassen mussten, wenn die Sonne herein wollte. Da das Fenster nach Norden zeigte, ein höchst seltener Moment. Der Pragmatismus der Mutter zeigte sich auch in der knappen Vorgabe: so lange Du lernst, kannst Du zur Schule gehen, sonst wirst Du Metzger.
Mit den Schilderungen vom Tode seiner Mutter, ließ Adorf den tiefsten Einblick in sein Innerstes zu. Die Tatsache, dass er weniger trauerte und stattdessen mehr beobachte, denn schließlich war ja auch dieses Erleben zu speichern und evtl. in einer späteren Szene zu verarbeiten. So weit ging die schauspielerische Disziplin und von ihr weiter das Sinnieren zum eigenen Tod mit der Gewissheit, dass er diesen in keiner Rolle mehr werde umsetzen können.
Er lernte bis zum mittelmäßig absolvierten Abitur, da dies nicht seinem Berufswunsch entsprach, doch der Weg zur Schauspielerei war nicht zuletzt von Zufällen und Fügungen, sowie Mentoren geprägt.
Kindertheater, Gesangseinlagen zur Verdrängung der Kriegssorgen, Studententheater und von der Festivalteilnahme damit in Erlangen zur Bühne der Heimatstadt Zürich.
Entgegen der Solidarität in Deutschland erlebte er in der Schweiz bittere Phasen des Hungers, welche ihn auch – bis hin zu Büchern – klauen ließen, wobei ein von der Mutter genähter Anorak beste Dienste leistete.
Zentrale Figur der von Projektionen seiner Zeichnungen unterlegten Schilderungen immer und immer wieder der große und ihn prägende Fritz Kortner. Dessen Verehrung geht so weit, dass er den Shylock aus William Shakespeares Der Kaufmann von Venedig erst spielen wolle, wenn er sich an die Kortner-Interpretation nicht mehr erinnern könne. Als er – wie einige andere Szenen großer Klassiker auch dessen Monolog brillantest darbietet, folgt dennoch das demütige Eingeständnis: noch immer zu viel Kortner!
Über die großen Namen, wie Albers, George, Giehse, Graf, Lowitz, Tappert und vielen Anderen wurde neben deren Leistung immer wieder schmerzlich deutlich, was heute nicht mehr gekonnt, oder auch mangels harter Ausbildung gar nicht mehr vermittelt wird.
Mit geballter Wucht seines Könnens und Körpers brilliert der Mime von Weltruf daher auch in so kleinen Szenen, wie des vor Lachen nur noch kicksen Könnenden oder der Kortner-Gestik zur Aussage ich weiß nicht.
Selbst dem Malheur des offen gebliebenen Hosenstalls wussten rheinländische Zuschauerinnen einst nur Bedauern abzugewinnen, als es geschickt überspielt und er geschlossen wurde.
Ein Bedauern wie es nach dieser Zugabe-Erzählung zum viel zu schnellen Ende der so kurzweiligen und amüsanten Erzählungen aufkam.
Nachzulesen in seinem Buch Schauen Sie mal böse!.
Frenetischer Applaus und Standing Ovations dankten einem sichtlich gerührten Mario Adorf einen unvergesslichen Abend.

Erich Neumann, freier Journalist www.presse.ag
Postfach 14 43, 87612 Marktoberdorf
GSM +49 160 962 86 676
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© Bild: www.cmp-medien.de CC – Lesungsposter
© Bild: www.cmp-medien.de CC – Mario Adorf
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