Glosse: Der Komparativ von „sehr“

von Tom Buntrock aus München | am 11.05.2010 | 459 mal gelesen | 7 Kommentare | 0 Bildkommentare | 0 Bilder

Wer prägt die Deutsche Sprache mehr, als die Duden-Redaktion? Richtig: Politiker, Fußballer und Talkshow-Gäste! Damit sind nicht Entgleisungen gemeint, wie „Ich öffne jetzt noch kein Glas Champagner“ oder „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“. Es geht um sprachliche Abgründe, die lange genug nachgeplappert in den Duden aufgenommen werden – und damit faktisch Rechtskraft erlangen.

So hat die Rateshow „Glücksrad“ dereinst für eine Sprachverwirrung babylonischen Ausmaßes gesorgt. Denn, als eine Kandidatin aus Halle sich von der Palette der Gewinne ein Teeservice aussuchte, wählte sie dafür die Bezeichnung Servie mit langem „Ie“ am Ende und weichem „V“, Wahrscheinlich um vornehm zu wirken. Fortan wurden Verkäuferinnen in den Porzellan-Abteilungen und Kaufhäusern mit Servie gequält.

Nur wenige Wochen später toppte eine Kandidatin in der selben Spielshow den Fauxpas, in dem sie ergänzte: „Das Servie im blauen Desäh“, gesprochen mit langem „Äh“ und natürlich trés nasal. Ausbaden durften es wieder die Verkäuferinnen.

Doch zurück zum Thema: Wer einer Aussage Nachdruck verleihen möchte, ergänzt seine Adjektive gerne mal um das Wörtlein „sehr“. Was man schnöde als „schön“ bezeichnen könnte, steigert sich zu „sehr schön“. Nun ist man landläufig der Meinung, dass man „sehr“ nicht steigern kann.. Nicht aber unsere Politiker, Fußballer und das gemeine Talkshow-Volk. Wie? Sehr, sehrer, sehrst? Weit gefehlt!

Denn die Steigerung des unbeugsamen „sehr“ erreicht man mittels einer simplen Doppelung. Mal mit, mal ohne Komma. Beispiel: „Unser Gegner hat sich sehr sehr gut vorbereitet (gesprochen „sehrsehr gut“), als wäre ein Gegner, der sich einfach nur gut vorbereitet hat, nicht ernst zu nehmen. „Wir haben sehr, sehr gut gespielt“, so beurteilt Eintracht Frankfurt-Übungsleiter Friedhelm Funkel die Leistung seines Teams in einem Interview. „Scharf, sehr scharf, sehr sehr scharf?“ überschreibt die „Süddeutsche Zeitung“ einen Bericht über ein Thai-Restaurant. „Das Amt der Bundeskanzlerin ist sehr, sehr spannend“ verrät Angela Merkel dem Deutschlandfunk.

Wer glaubt, der Schritt zum Superlativ wäre versperrt, der irrt. Der, die Realität beschönigende, Irrtum lässt sich ganz einfach ausräumen: „sehr sehr sehr“ googlen und sich über eine Millionen Einträge im Deutschen Netz wundern. Wem das zu lange ist, der kann die Steigerung von „sehr, sehr“ – wie inzwischen in Politik, Sport und Talkshows üblich – viel kürzer mit „total“ bewerkstelligen. Vox populi, vox Rindvieh. (tb)

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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 11.05.2010 um 15:50 Uhr  
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Irene deSeke aus Burgdorf am 11.05.2010 um 17:07 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 11.05.2010 um 17:12 Uhr  
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Irene deSeke aus Burgdorf am 11.05.2010 um 17:24 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 11.05.2010 um 21:51 Uhr  
Janne
Janne am 10.10.2010 um 19:42 Uhr  
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Tom Buntrock aus München am 17.01.2012 um 11:12 Uhr  
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