Ritterherz - Die neue Show auf Schloss Kaltenberg – Kaltenberger Ritterturnier 2015

  Mit dem Generationswechsel im letzten Jahr war absehbar, dass Prinz Heinrich von Bayern dem Ritterturnier, das seine Eltern Prinz Luitpold und Prinzessin Beatrix von Bayern von einem Fest auf der Wiese vor dem Schloss zum größten Ritterturnier der Welt gemacht hatten, auch seine Handschrift geben wird.

Schon auf den ersten Blick ist die Neuausrichtung an der Arena erkennbar. Das oft schon vom Wetterunbill gebeutelte Volk von Kaltenberg sitzt unter einer gigantischen Fachwerk-artigen Dachkonstruktion, die mit ihren Leinen-ähnlichen Planen dennoch leicht und luftig wirkt. Treu geblieben sind die Kaltenberger ihrem Anspruch dem Mittelalter möglichst nahe zu kommen.

Neuerungen gibt es auch in der Arena. Mit „Ritterherz“ erleben die Besucher eine Show, die sie von der ersten Sekunde an mitnimmt. Der Aufwand ist gewaltig. Der Regisseur versteht es eine Darbietung für das Publikum zu inszenieren. Schwung bringt bereits die Musik zum Start der Show. Schon Laurin von Furunkulus, dem Trumler des Tuifels, und seiner Energie kann das Publikum nicht widerstehen.
Aus dem Publikum heraus erscheint unerwartet der Erzähler, der die Besucher mit auf seine Reise in die Vergangenheit und seine Geschichte nimmt, die wahrlich fulminant beginnt. Der Schauspieler Johannes Steck mit seiner berührenden Stimme begleitet die Aufführung, präsent und authentisch, mal in der Arena, mal von der Loge oder aus dem Publikum.

Der Einzug der Ritter, wie immer prächtig ausgestattet, wunderschöne andalusische Pferde, diesmal in allen Farben - und ein kleines Island-Pferd - und Hunderte von gewandeten Teilnehmern und Künstlern in der Arena, schon das alles kaum zu erfassen und beeindruckend. Überall rührt sich etwas. Irgendwo erscheinen Personen, die plötzlich ganz andere sind. Die Künstler spielen mit dem Publikum: Ein überraschtes Mädchen wird von einem Ritter beschenkt und zur Königin des Turnier gekürt. Ein Wachhabender verweist auf „weiß-blau ist unsere Farbe“ und erinnert damit die belustigten Umsitzenden an ein Fußballspiel. Ein ganz kleiner Besucher trotzt einem Gerüsteten mit seinem Holzschwert. Und traditionell fordert Siegfried die nicht enden wollenden La Ola in Kaltenberg beim Ritterturnier.

Und während das Publikum applaudiert und Stammbesucher sich fragen. weshalb der Schwarze Ritter, bisher Liebling des Publikums und Hauptprotagonist, dieses Jahr nur am Rande beteiligt und kaum zu sehen war erscheint Mordrak und der Kampf Gut gegen Böse beginnt erneut.

Da der böse Schwarze listig und gemein ist und Siegfried, den Beschützer, entführt, ist die Königin auf ihrer Flucht auf wenig ritterliche Gestalten angewiesen. Ihr kleiner Diener Odo, dessen Füßchen genauso flink sind wie die seines töltenden Island-Pferdchens und der mit seinem Comic-haften Witz Chancen hat, ein neuer Liebling in der Arena zu werden. Brave Leute wie den Tischler, den Bauern oder die temperamentvolle mit dem Tablett kämpfende Magd Alex, die alles für ihre Königin zu tun gewillt sind und dies in ritterlichen Wettkämpfen kunstfertig beweisen. Oder der erst verstoßene Falke, der dennoch treu zur Stelle ist, als die Königin in Gefahr gerät.

Es wird gekämpft gebrandschatzt, gestochen, geschlagen und geritten was das Zeug hält bis der Schwarze … nein, das wird nicht verraten … und Siegfried mit der Königin in den Monduntergang reiten darf.

Das Team von Regisseur Till Wyler von Ballmoos und Mario Luraschi hat es geschafft eine Show zu gestalten, die nicht nur die neuen Besucher begeistert, sondern auch die alten Hasen überrascht. Das Spiel der verschiedenen Beteiligten miteinander, Reiter, Schwertkämpfer, Künstler, Musiker und nicht zuletzt das Fußvolk bildet eine sehenswerte Geschichte mit vielen Höhepunkten und manchem Augenzwinkern. Noch nie waren die Kunstreiter, diesmal dargestellt vom einfachen Volk, so eindrucksvoll in Szene gesetzt wie mit der Trommelbegleitung live während ihres waghalsigen Ritts. Noch nie hat der Gauklerkönig mit fluffigen Steinbrocken um sich geworfen. Noch nie gab es einen Schwertkampf in Kombination mit Irish Dance.

Wie immer aber ist das Schloss Kaltenberg und sein ganzes Gelände liebevollst ausgestattet, so dass es immer wieder neue Details zu entdecken gibt, und auch seine phantasievollen Besucher eine sehenswerte Mischung, so dass ein Besuch ein jährliches Highlight ist.
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Ali Kocaman aus Donauwörth | 22.07.2015 | 17:10  
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