Buchtipp: „Schlangenkopf“ von Ulrich Ritzel

Ulrich Ritzel, Jg. 1940, früher Gerichtsreporter und für verschiedene Zeitungen journalistisch tätig, legt mit „Schlangenkopf“ den nun 6. Roman um seinen Protagonisten, den mittlerweile pensionierten Ulmer Hauptkommissar Hans Berndorf vor. Dieser lebt inzwischen in Berlin bei seiner Freundin, der Literaturprofessorin Barbara Stein, und betreibt ein kleines Büro für private Ermittlungen. Als er von einem türkischer Nachbarn den Auftrag erhält, den vermeintlichen Unfalltod seines Neffen Murad zu untersuchen, gerät Berndorf in die Schusslinie serbischer Kriegsverbrecher, gedungen Killern der Mafia, der deutschen Polizei und last but not least des Bundesnachrichtendienstes. Der Tod des jungen Türken war tatsächlich eine Verwechslung. Murad hatte kurz davor dem Bosniaken Zlatan Sirko eine auffällige Jacke gestohlen. Zlatan sollte sterben, weil er etwas gesehen hatte, was er nicht sehen sollte.
Es gibt verschieden Nebenhandlungen mit Menschen, die eigentlich gar nichts mit der ursprünglichen Sache (lukrative Waffenlieferungen aus Beständen der NVA an eine als die Gute benannte Seite im Balkankrieg), die alle nachfolgenden Verwicklungen auslöst, zu tun haben.
Eine Nebenfigur ist der jugendliche Taschendieb André, dem das Laptop des durch einen Hirnschlag gelähmten Bundestagsabgeordneten Fausser in die Hände „fällt“. Fausser hat wie einige andere seiner Kollegen am Waffengeschäft mitverdient, wurde möglicherweise von seinem Gewissen geplagt, kann sich aber jetzt mehr dazu äußern. Der frühere Geliebte von Andrés verschwundener Mutter steht dem Jungen zwar bei nach einer Attacke des pädophilen Hausmeisters, wittert aber ein gutes „Geschäft“, sprich Erpressung eines Bankers, mit den brisanten Daten vom Laptop des Politikers.
Berndorf und Sirko werden von Killern durch halb Deutschland gejagt, wobei es richtig zur Sache geht und die Polizei nicht unbedingt Freund und Helfer ist. Am Ende ist für Berndorf der Fall zwar gelöst, aber bei weitem nicht alles auch wieder in Ordnung. Der Serbe steht vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und der „Geschäftemacher“ ist gefasst. Aber ansonsten bleibt alles wie es ist. In einem kurzen Nachwort schreibt der Autor: “Dieses Buch ist ein Roman … Sollte der Leser trotzdem den Eindruck gewinnen, einzelne Abläufe könnten sich tatsächlich so oder so ähnlich zugetragen haben, kann dies nur einem bedauerlichen Mangel an Vertrauen in staatliche Instanzen geschuldet sein“. Mehr ist nicht zu sagen.
Ulrich Ritzel ist einer der besten deutschen Krimiautoren. Leicht lesbar, stilsicher, mit subtilem Humor und immer am Puls der Zeit mit seinen Politthrillern. Unbedingt empfehlenswert.
Bibliographische Angaben: Ulrich Ritzel: Schlangenkopf. Btb Verlag 2011. Euro 19.99.
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen am 22.06.2012 um 19:55 Uhr  
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