Literaturrätsel im Oktober : hoch droben auf dem Berg

Südtiroler Bergwelt - gescanntes eigenes Dia aus dem Jahr 1985
  Rechtzeitig zur diesjährigen Buchmesse ein neues Literaturrätsel.
Die Berge. Für den einen sind sie Heimat und heile Welt, dem anderen erscheinen sie bedrohlich und als Gefahr. Sie sind Orte der Sehnsucht, der Träumerei, Orte, um zur Ruhe zu kommen oder sich zu bewähren.

In welchen Romanen spielt die Gebirgswelt eine wichtige Rolle?

A. Das Tal lag weit unten im vollen Morgenglanz; vor sich sah [sie] ein großes, weites Schneefeld sich erheben, hoch in den dunkelblauen Himmel hinauf, und links davon stand eine ungeheure Felsenmasse, und zu jeder Seite derselben ragte ein hoher Felsenturm kahl und zackig in die Bläue hinauf und schaute von dort oben ganz ernsthaft auf das ... nieder. Das Kind saß mäuschenstill da und schaute ringsum, und weit umher war eine große, tiefe Stille; nur ganz sanft und leise ging der Wind über die zarten, blauen Glockenblümchen und die goldnen, strahlenden Cystusröschen, die überall herumstanden auf ihren dünnen Stängelchen und leise und fröhlich hin und her nickten. Der Peter war eingeschlafen nach seiner Anstrengung, und die Geißen kletterten oben an den Büschen umher.

B. Seppi Blatter ist wieder an der Arbeit. In der großen Wildleutfurre! An einem Seil schwingt er sich mit mächtigem Satz in das Innere der schrecklichen Kluft und hängt an ihren Klippen. Fahnenzeichen! – Mehrere Kännel senken sich in die Schlucht und schweben frei. Und mit mächtigem Schwunge holt er jeden einzelnen ein. Er verschwindet damit im Innern der Kluft, wo man seine Tätigkeit nicht sehen kann. Kännel um Kännel zieht er ein, jetzt wird die wachsende Leitung am Rand der Schlucht wieder sichtbar, das Fürchterlichste ist getan. Aber je länger, je unsicherer werden Seppis Schwünge, zwei-, dreimal sieht man ihn ansetzen, bis er das Ziel erreicht.

C. Die Klingel läutete weiter. "Bim-bim-bim-..." Mannli stürzte an ihnen vorbei, mit schriller Stimme seine idiotischen Kadenzen plärrend. Die Yzolla toste. Der erste, der wieder zu Besinnung kam, war Niklaus. Tränen stürzten ihm aus den Augen. Er verließ Mutter und Schwester und kehrte auf den Schauplatz des Mordes zurück. Er hörte nicht den Regen und nicht das Klappern der Säge und nicht die Glocke. Wie versteinert stand er da und betrachtete die Szene, die sich seinen Blicken darbot. Mannli saß rücklings auf dem Leichnam seines Vaters und schlug mit einem Holzscheit auf seinen Kopf ein [...]

D. "Sanna", sagte der Knabe, "wir werden gar nicht mehr in das Eis hineingehen, weil wir in demselben nicht fortkommen. Und weil wir schon in unser Tal gar nicht hinabsehen können, so werden wir gerade über den Berg hinabgehen. Wir müssen in ein Tal kommen, dort werden wir den Leuten sagen, dass wir aus Gschaid sind, die werden uns einen Wegweiser nach Hause mitgeben." "Ja, Konrad", sagte das Mädchen.

E. Aber hier wussten alle, dass die Gruppe oben am Berg aus den Söhnen des Brenner bestanden hatte. Und weil der Tote, der da so zerbrochen zwischen Klotz und Stamm klemmte und der noch warm genug war, dass die Flocken des Schneegestöbers auf seinen Wangen schmolzen, noch erkennen ließ, dass er auf diesen Wangen keinen Bart hatte, begriffen es alle gleich: Was ihnen die Bäume da mit ins Tal gebracht hatten, das war der Jüngste vom Brenner.

1. Bergkristall. Von Adalbert Stifter.
2. Heidis Lehr- und Wanderjahre. Von Johanna Spyri
3. An heiligen Wassern. Von Jacob Christoph Heer.
4. Das finstere Tal. Von Thomas Willmann.
5. Via Mala. Von John Knittel.
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6 Kommentare
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 12.10.2013 | 15:59  
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Heidi K. aus Schongau | 13.10.2013 | 03:24  
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Ingrid Wittich aus Mücke | 13.10.2013 | 09:03  
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Heidi K. aus Schongau | 14.10.2013 | 01:36  
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Sabine Presnitz aus Schwabmünchen | 20.10.2013 | 18:14  
947
Ingrid Wittich aus Mücke | 20.10.2013 | 18:22  
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