Er ist wieder da!

"Er ist wieder da!" titelte ein Film vor einiger Zeit in den deutschen Kinos. Wer schuld hatte an den Geschehnissen des 3. Reiches und dem 2. Weltkrieg werden wohl die meisten Menschen mit nur einem Namen beantworten. Bei der Benennung grundlegender Ursachen, die zum Aufstieg des Bösen geführt haben, gehen die Meinungen jedoch weit auseinander. Eine Entwicklung sich nicht wiederholen zu lassen setzt jedoch ein breites gemeinsames Verständnis voraus. Unsere eigene Haltung zu unserer Umwelt ist entscheidend von unseren Lebensbedingungen und damit vom ökonomischen System abhängig.

Die ökonomischen Bedingungen in Europa und die volkswirtschaftlichen Entscheidungen von Reichskanzler Heinrich Brüning zwischen 1930 und '33 haben zu einem fatalen Verlauf geführt. Die Auslandsverschuldung, hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte wirtschaftlichen Lage wollte Brüning mit einer Spar- und Deflationspolitik beenden um den deutschen Export zu erhöhen. Dazu wirkte er auf die Absenkung von Löhnen und Gehältern hin, erhob gleichzeitig neue Steuern und senkte die staatlichen Leistungen. Folgend stieg die Arbeitslosigkeit verheerend, die Wirtschaft brach völlig ein und verschlechterte die Lebensbedingungen derart, dass er der NSDAP damit zur Machtergreifung verholfen hat. Die Eindrücke aus dem entsetzlichen 1. Weltkrieg waren noch präsent, so dass kaum jemand glauben konnte, dass weder die soziale Verelendung noch die durch Wut und Hass geprägte Suche nach Schuldigen zum 2. Weltkrieg führen würde.

Damals hatte kaum jemand erkennen können, dass genau dieses volkswirtschaftliche Unverständnis die Lebensbedingungen drastisch verschlechterte und damit die Haltung der Menschen zu ihrer Umwelt negativ beeinträchtigte . Umso erschreckender ist es sich anzuschauen wo wir heute stehen. Steuererleichterungen für Unternehmen und gleichzeitiger staatlicher sozialer Einschnitt. Lohnsenkung und Ausbau der prekären Beschäftigungsverhältnisse durch die Agenda 2010 sorgten im Schutze der Euro-Währungsunion für ein stetiges Ansteigen der Exportquote. Die soziale Ungleichheit hat in Deutschland enorm zugenommen, die Wirtschaft stagniert und hängt am seidenen Faden der Weltwirtschaft, während wir unsere europäischen Partnerländer immer weitere Importe und damit Verschuldung aufbürden aber gleichzeitig die selbe Spar- und Deflationspolitik fordern, wie sie Brüning einst vertrat. Daraus ist der politische Ausdruck vieler europäischer Staaten mittlerweile immer deutlicher nach rechts gerückt und die Eurozone ist in ernster Gefahr zu zerbrechen.

In dieses Umfeld ist nun auch noch die große Zahl an Flüchtlingen dazugekommen, die vor Krieg, politischer Verfolgung und Verelendung zu uns fliehen. Wer die deutsche Geschichte kennt, weiß um die Bedeutung eines Sündenbocks. Diesmal aber nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Wenn dies zu einer neuen Katastrophe führt, dann nicht, wegen der Menschen, die zu uns fliehen müssen, sondern weil in den entscheidenden Positionen niemand das wirtschaftliche System zum Wohl aller Menschen managen kann.
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 19.01.2016 | 01:44  
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