Soldat aus Mönchengladbach will einem Leukämiekranken das Leben retten

Wann? 23.02.2015 16:00 Uhr bis 23.02.2015 19:30 Uhr

Wo? kath. Jugendheim, Grottenweg 7, 41068 Mönchengladbach DE
Der 26-Jährige (rechts) spendet Stammzellen bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld. Sein Onkel Eric Brück begleitet ihn.
 
Bei Fragen zu Typisierung und Stammzellspende sind Mitarbeiter der Stefan-Morsch-Stiftung unter der gebührenfreien Hotline 0800 - 76 67 724 erreichbar.
Mönchengladbach: kath. Jugendheim |

Leukämie und Stammzellspende sind für den 26-jährigen Christian Leuchtenberg keine fremden Themen. Der Soldat aus Mönchengladbach begleitete bereits vor fünf Jahren einen Kameraden zur Stammzellspende bei der Stefan-Morsch-Stiftung in Birkenfeld. Zwei Jahre später musste er als Angehöriger erleben, wie es ist, wenn ein naher Verwandter an Leukämie erkrankt: Sein Onkel bekam eine Stammzelltransplantation. Vor einem Jahr wurde dann Christian Leuchtenberg selbst von einem Patienten gebraucht. Zur Stammzellentnahme in Birkenfeld brachte er eine ungewöhnliche Begleitung mit: Seinen Onkel, den 39-jährigen Eric Brück, der dank einer Stammzellspende überlebt hat.

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die Stiftung seit fast 30 Jahren Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist es, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender zu registrieren. Beinahe täglich sind Teams der Stiftung in ganz Deutschland unterwegs, um junge Menschen als Stammzellspender zu gewinnen. So werden zusammen mit dem Sanitätsdienst der Bundeswehr in verschiedenen Kasernen die Soldaten über diese Chancen der Stammzellspende aufgeklärt.

Christian Leuchtenberg, vor fünf Jahren noch in der Bundeswehr-Kaserne in Germersheim stationiert, überlegte damals nicht lange: „Ich dachte mir, ‚warum nicht‘. Damals hatte ich von Stammzellspende gar keine Ahnung.“ Um sich als möglicher Lebensretter bei der Stefan-Morsch-Stiftung zu registrieren, lässt er sich eine Blutprobe abnehmen. So viel wie in einen Fingerhut passt. Eine Sprecherin der Stiftung erklärt: „Das Blut wird in unserem hauseigenen Labor auf die transplantationsrelevanten Gewebemerkmale, die HLA-Werte, untersucht.“ Die Daten werden dann anonym im deutschen Zentralregister des ZKRD gespeichert. Dort laufen die Suchanfragen aus aller Welt auf. Gibt es eine Übereinstimmung mit den Daten eines Patienten, wird die entsprechende Stammzellspenderdatei informiert, die sich dann mit dem Spender in Verbindung setzt.

Mittlerweile ist Leuchtenberg als Munitionssystemtechniker im Fliegerhorst Nörvenich (Kreis Düren) stationiert. Um sich fit zu halten, geht er regelmäßig ins Fitnessstudio und macht Kraftsport. Dann Ende 2013 ruft ihn die Stefan-Morsch-Stiftung während dem Dienst an: Er kommt als Spender für einen Leukämiepatienten in Frage, ob er zur Spende bereit wäre. Christian Leuchtenberg war sofort begeistert: „Klar! Cool, dann kann ich jemandem helfen.“ Zwei Monate später stand fest, dass er der optimale Spender ist. Die Vorgesetzten bei der Bundeswehr stehen sofort hinter ihm und genehmigen Leuchtenberg Sonderurlaub. Auch die Familie hat sich von Anfang an darüber gefreut. „Dass mein Neffe spendet, macht mich stolz“, sagt Eric Brück. Er muss daran denken, als ihm ein völlig Fremder mit einer Stammzellspende Hoffnung gab. „Ich weiß nur, dass mein Spender männlich ist. Das Transplantat kam von einer Klinik aus Ulm. Ich hoffe, ich werde den Spender einmal kennenlernen.“ Heute geht es ihm ganz gut, erzählt er. Auch wenn ihm die Strapazen, die er vor drei Jahren erlebte, immer noch anzusehen sind: „Ich habe seitdem Hautprobleme und Nervenschmerzen, vor allem in den Beinen.“

Bevor Christian Leuchtenberg Stammzellen spenden durfte, wurde er noch umfangreich aufgeklärt und genau untersucht. Diese Voruntersuchungen dienen dazu herauszufinden, ob er wirklich der optimale Spender ist. Gleichzeitig soll ausgeschlossen werden, dass der Spender ein gesundheitliches Risiko eingeht. Die Mitarbeiter der Stiftung beraten und begleiten den Spender während dieser ganzen Vorbereitungsphase. Jegliche Kosten für die Untersuchungen, die Versicherung, An- und Abreise zum Entnahmeort werden übernommen.

Dann beginnt die entscheidende Phase vor der Transplantation: Mit der Übertragung von Stammzellen bekommt der Patient ein neues blutbildendes System. Die Stammzellen befinden sich im Knochenmark. Um sie zu übertragen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Entnahme peripherer Blutstammzellen aus dem Blut – ähnlich wie bei einer Plasmaspende oder Dialyse. Dazu wird dem Spender einige Tage lang ein körpereigener Botenstoff verabreicht, der die Stammzellen aus dem Knochenmark in das Blut übergehen lässt. In einer Entnahmestation werden dann die Stammzellen aus dem Blut herausgefiltert bzw. zentrifugiert. Apherese heißt dieses Verfahren, das heute am häufigsten angewandt wird.

Bei der klassischen Methode - der Knochenmarkspende – entnehmen die Mediziner Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders – niemals aus dem Rückenmark. Dieser Eingriff dauert zirka eine Stunde. Weder der Spender noch der Patient erfahren zu diesem Zeitpunkt, wer der andere ist. Christian Leuchtenberg und sein Empfänger bleiben in jedem Fall bis zum Ablauf von zwei Jahren anonym. Erst danach besteht die Möglichkeit, je nach Gesetzeslage des Landes, in dem der Patient lebt, dass Spender und Patient einander kennenlernen können.

Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg: Parallel zur Vorbereitung von Christian Leuchtenberg wird in der behandelnden Transplantationsklinik der Patient vorbereitet. Das bedeutet: Sein Immunsystem wird stark unterdrückt oder sogar ausgelöscht – durch Bestrahlung oder/und Chemotherapie. Wenn er sich jetzt mit einem Virus infiziert oder es aus irgendeinem Grund mit der Stammzellspende nicht klappt, ist sein Leben massiv gefährdet. Emil Morsch, Vorstandsvorsitzender der Stefan-Morsch-Stiftung: „Eine Transplantation ist immer eine letzte Chance. Diese Chance hat er nur durch Christian Leuchtenberg.“

Der junge Soldat hat per Apherese gespendet. Nach der Entnahme zieht er ein positives Fazit: „Es ist so leicht, einem Leukämiepatienten zu helfen, indem man Stammzellen spendet. Man kann ohne körperliche Anstrengung vielleicht sogar ein Leben retten.“

Die nächste Gelegenheit, sich als Stammzellspender zu typisieren:

Montag, 23. Februar, 16 bis 19.30 Uhr, Mönchengladbach-Venn, kath. jugendheim, Grottenweg 7

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Thema Stammzellspende:

Ab welchem Alter kann man sich typisieren lassen?
Jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren kann sich als Stammzellspender registrieren lassen. Mit dem Einverständnis der Eltern kann man sich bereits ab 16 Jahren typisieren lassen. Die Eltern sollten dann die Einverständniserklärung mit unterschreiben.

Ich bin bereits typisiert. Soll ich nochmal?
Wer bereits typisiert ist, sollte sich nicht noch einmal registrieren lassen. Egal, wo er registriert ist, die Daten aller Stammzellspenderdateien stehen anonymisiert über das deutsche Zentralregister des ZKRD für weltweite Suchanfragen zur Verfügung. Wer mehrfach registriert ist, würde als Mehrfach-Treffer erscheinen und so zunächst den Eindruck erwecken, es gäbe mehrere Spender zu Auswahl. Letztendlich wäre das eine trügerische Hoffnung. Wer schon typisiert ist, sollte jedoch überlegen, ob die Spenderdatei noch die aktuellen Kontaktdaten hat.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient einen passenden Spender findet?
Die Wahrscheinlichkeit, für einen Patienten einen kompatiblen Stammzellspender zu finden liegt in der Größenordnung von 1 : 10.000 und 1 : 1.000.000 und ist abhängig von den Gewebemerkmalen (HLA-Merkmalen) des Patienten. Je genauer die Übereinstimmung zwischen den Merkmalen dieses DNA-Teilstückes des Spenders und denen des Patienten ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für eine Stammzelltransplantation.

Warum ist es wichtig, dass immer wieder Typisierungsaktionen gemacht werden?
Eine Typisierungsaktion hat immer nachhaltige Wirkung – vielleicht wird schon in wenigen Wochen oder Monaten ein Spender, der sich heute hat typisieren lassen, einem Menschen Hoffnung auf Leben schenken können. In jedem Fall aber bietet die Typisierung die Chance, dass nach Jahren, aber auch noch Jahrzehnte später Leben gerettet werden kann. Zugleich wird durch einen solchen Aufruf diese weitestgehend unbeachtete Form der Lebendspende in der Öffentlichkeit thematisiert.

Sollten Sie noch Fragen haben – die Stefan-Morsch-Stiftung ist unter der gebührenfreien Hotline 08 00 - 766 77 24 oder über info@stefan-morsch-stiftung.de erreichbar. Auf der Homepage www.stefan-morsch-stiftung.de oder via Facebook kann man sich ebenfalls informieren.

Die Stefan-Morsch-Stiftung mit Sitz in Birkenfeld ist die älteste Stammzellspenderdatei Deutschlands. Unter dem Leitmotiv “Hoffen – Helfen – Heilen“ bietet die gemeinnützige Stiftung seit 1986 Hilfe für Leukämie- und Tumorkranke. Hauptziel der Stiftung ist, Menschen zu werben, sich als Stammzellspender registrieren zu lassen. So werden täglich Stammzell- oder Knochenmarkspender aus der stiftungseigenen Spenderdatei von ca. 380 000 potentiellen Lebensrettern weltweit vermittelt. Die Stiftung ist Mitglied der Stiftung Knochenmark- und Stammzellspende Deutschland (SKD).
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