Zwei Allgäuer Unparteiische bei der Retter-Olympiade
Rettungsdienstleiter Markus Adler aus Kempten und Rettungswachenleiter Markus Rieder aus Memmingen waren beim Johanniter-Bundeswettkampf – und die sechsjährige Leonie Karg aus Kempten spielt ein Unfallopfer
Leipzig / Kempten (Allgäu) / Memmingen - Wenn in Leipzig die Johanniter sich bei der „Olympiade der Retter“ in Erste-Hilfe- und Rettungstechniken messen, sind viele Einsatzkräfte im Hintergrund beschäftigt, um den Bundeswettkampf reibungslos zu ermöglichen. Zwei erfahrene Rettungsassistenten aus dem Allgäu sind als Schiedsrichter bei den Wettkämpfen vor Ort: Der 28-jährige Rettungsdienstleiter Markus Adler aus Kempten und Rettungswachen-Leiter Markus Rieder aus Memmingen zählten zu den Unparteiischen, die darauf achteten, wer die besten Johanniter-Retter in ganz Deutschland sind. Außerdem zählte die sechsjährige Leonie Karg aus Kempten zu den jüngsten Helfern des Bundeswettkampfs. Das Mädchen spielte ein Unfallopfer, das von den Kindermannschaften versorgt werden musste.
Über 2 000 Johanniter waren am vergangenen Wochenende in Leipzig, aus allen Landesverbänden der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit ihren über 11 000 fest angestellten und weiteren 30 000 ehrenamtlich Aktiven und Jugendlichen sind die besten Jugend- und Rettungsdienstmannschaften zusammengekommen. Die besten Retter Deutschlands wurden gesucht. Während viele das Bach-Fest in Leipzig feiern, ermöglichen andere die Retter-Olympiade: Feldköche, Aufbau-Helfer, Gästebetreuer, Mimen als Unfallopfer und viele Helfer mehr – alle Johanniter sind auf den Beinen, um im Ehrenamt das Johanniter-Fest zu gestalten. Für den Wettkampf sind aber vor allem die Unparteiischen wichtig. Bei jeder Wettkampfdisziplin passen sie auf, dass alle Regeln eingehalten werden und natürlich beurteilen sie auch die Leistungen der einzelnen Mannschaften wie in der Herz-Lungen-Wiederbelebung, in praktischen Fallbeispielen, in denen Verletzungen und Erkranken realitätsnah nachgestellt werden, oder auch beim Trageparcours, bei dem statt einem Verletzen ein Wassergefäß auf einer Krankentrage möglichst schnell und ohne Wasserverlust durch einen komplizierten Hindernisparcours befördert werden muss.
Zwei Schiedsrichter aus dem Allgäu hatten ein genaues Auge dafür, was die Wettkampfmannschaften – zu denen auch vier Mannschaften aus Augsburg und Marktoberdorf zählten – leisteten:
Markus Adler ist der Rettungsdienstleiter der Johanniter im Allgäu. In Kempten betreiben die Johanniter in Früh- und Nachtschicht einen Rettungswagen sowie einen Krankentransportwagen. Von Memmingen aus wird der Stellplatz Ottobeuren und die Rettungswache Babenhausen besetzt. Das Notarzteinsatzfahrzeug in Memmingen wird alle drei Wochen durch die Johanniter besetzt. Um das Memminger Gebiet kümmert sich Wachleiter Markus Rieder.
Beide sind erfahrene Rettungsassistenten bei der Hilfsorganisation, sie haben auch die Lehrberechtigung für angehende Rettungsdienstkräfte und verfügen über zahlreiche Zusatzausbildungen wie z. B. im Katastrophenschutz. „Diese Kompetenzen und Erfahrungen aus dem Alltag wollten wir einbringen als Schiedsrichter“, erklärt Markus Adler. Denn der Schwerpunkt bei der Johanniter-Olympiade liegt in der Praxis. Zwar müssen alle Teilnehmer an einem Theorietest teilnehmen, die meisten Punkte bekommen die Wettkämpfer aber in den praktischen Disziplinen. „Das ist wie im Alltag“, meint der 30-jährige Markus Rieder, „Man braucht das fundierte Wissen. Dann aber muss man die richtigen Handgriffe können, um Leben zu retten.“
Die beiden Rettungsprofis waren beim Diagnose-Test als Schiedsrichter eingeteilt. Bei der Prüfung müssen die Wettkämpfer verschiedene Krankheitsbilder oder Verletzungen erkennen. Innerhalb von wenigen Minuten soll den Jugendmannschaften oder Rettungskräften klar werden, welches Krankheitsbild der Patient hat. Dabei sind genaue Abfragen von Symptomen wichtig, außerdem müssen andere Krankheiten, die sich ähnlich zeigen, ausgeschlossen werden. Die Rettungsdienstmannschaften mussten z. B. eine Chlorvergiftung erkennen, wobei die Patientin aber auch andere Krankheitszeichen wie bei einem Herzinfarkt aufwies. Für die Schiedsrichter gilt es, hier genau auf die Einhaltung der Rettungsalgorithmen und die exakten Verdachtsdiagnosen zu achten.
Während Markus Adler und Markus Rieder die Retter prüften, spielte die Leonie Karg aus Kempten den ganzen Tag ein Unfallopfer. Mit ihren sechs Jahren zählte sie zu den jüngsten Helfern das Bundeswettkampfs. Als Fallbeispiel präsentierte sie mit einem weiteren Kind den Kindermannschaften, die als Ersthelfer antraten, ein Unfallszenario, wie es jederzeit in der Schule oder in Freizeit vorkommen kann: Leonie und der andere Junge sind mit ihren Skateboards zusammengestoßen und haben sich verletzt. Sechs Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren mussten sich sofort als Ersthelfer um die beiden kümmern. Die kleine Leonie, die „schon Johanniter-Mitglied seit ihrer Geburt“ ist, so die Mutter, fühlte sich von den Jungsanitätern immer „gut versorgt“. Vor allem aber hatte sie „viel Spaß“ als Mime. Dennoch will sie in Zukunft „erst einmal keine Sanitäterin werden“, da sie „mit Tieren im Zoo arbeiten“ möchte. Zuvor ist sie aber weiterhin eine erstklassige Schauspielerin und wird sicher auch bei den nächsten Erste-Hilfe-Wettkämpfen der Johanniter eine verletzte oder erkrankte Person spielen.
Und wie haben die Mannschaften aus der Region beim Wettkampf abgeschnitten?
Die Kindermannschaft der Sechs- bis Elfjährigen aus Marktoberdorf belegte den 1. Platz, die Jugendmannschaft aus Marktoberdorf erreichte den 5. Rang. Die andere Jugendmannschaft aus Augsburg, die sich punktgleich mit den Marktoberdorfern beim Landeswettkampf 2008 für die Retter-Olympiade in Leipzig qualifizierte, holte den 8. Platz. Und nicht zuletzt kam die beste bayerische Rettungsdienstmannschaft aus Augsburg bei der bundesweiten Entscheidung auf den 3. Siegerrang. „Wir freuen uns mit den Mannschaften aus unserer Heimat über das tolle Abschneiden!“, sind Adler und Rieder einig. Jetzt sind aber dann schon wieder gedanklich in 2010: Da findet der nächste Landeswettkampf der bayerischen Johanniter nämlich im Regionalverband Allgäu in Kempten statt. Dafür starten schon jetzt wieder die Vorbereitungen.



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