Kommunen gestalten die Energiewende - Der Weg zum kommunalen Energiekonzept

 

Am 09. Juni fand in der SDL Thierhaupten ein Seminar zum Thema „Kommunen gestalten die Energiewende - Der Weg zum kommunalen Energiekonzept“ statt. Mit ca. 50 Teilnehmern war die Veranstaltung hervorragend besucht. Wie sehr dieses Thema den Kommunen auf den Nägeln brennt, zeigte die hohe Teilnehmerzahl an Bürgermeistern, die sich persönlich vor Ort informieren wollten.
Die Gemeinde selbst verbraucht zwar wenig Energie, hat aber große planerische Gestaltungsspielräume. Die Gestaltung der Energiewende schafft regionale Wertschöpfung, d.h. das Geld bleibt in der Region und zusätzlich können Arbeitsplätze im Handwerk geschaffen werden, so Geschäftsführerin Gerlinde Augustin von der Schule der Dorf- und Landentwicklung Thierhaupten. Die Erstellung eines kommunalen Energiekonzeptes hilft, Potentiale zu erkennen und darzustellen, um Ziele und Strategien abzuleiten. Dennoch bleibt festzustellen, dass das Thema Energieeinsparung bzw. Ausbau der regenerativen Energien hohes Konfliktmanagement benötigt.

Herr Theo Karmann, energie + facility management consulting, gab eine Einführung in die Themenstellung des Seminartages. In Bayern wird aktuell 58 % der Energie von Kernkraftwerken produziert. Dieser Anteil muss in Zukunft ersetzt werden. Ebenso wichtig sind Anstrengungen zur Energieeinsparung. Eine erfolgreiche Energiewende wird, laut Herrn Karmann, nur möglich sein, wenn auf diesem Weg die Bürger so frühzeitig wie möglich mitgenommen werden. „Die Öffentlichkeitsarbeit entscheidet über Erfolg und Misserfolg.“ Ebenso ist die Interkommunale Zusammenarbeit das Gebot der Stunde, um Projekte erfolgreich umsetzen zu können. Den Kommunen fällt eine Vorbildfunktion zu: Vorbild bei Gebäudesanierungen und Vorbild bei der Erzeugung regenerativer Energien. Herr Karmann ging im Weiteren auf das Bayerische Energiekonzept vom 24. Mai 2011 ein. Kommunen sollen ein Klimaschutzkonzept erstellen, in dem alle verfügbaren Potentiale und Ressourcen erfasst und bewertet werden. Die bisherige Bewertung der regenerativen Energien aus ausschließlich ökologischen Gesichtspunkten ist laut Herrn Karmann falsch: Ökonomie und Ökologie müssen als Einheit betrachtet werden.

Herr Werner Müller, Dillinger Biomasse GmbH, präsentierte ein erfolgreiches Beispiel für die Zusammenarbeit von Landwirtschaft, Kommunen und Landkreis. Seit 2009 existiert der Biomassehof Dillingen mit einer Lagerfläche von 3000 m². Der Betrieb bietet verschiedene Modelle der Zusammenarbeit an. Der Holzschnitzelmarkt ist stark umkämpft. Immer größere Hackschnitzelwerke ziehen Material ab, auch aus großen Entfernungen. Der Vorteil der vorgestellten Kooperation ist, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt und Arbeitsplätze sichert. Der Preis wird durch Angebot und Nachfrage geregelt. Es entsteht wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit.

Wichtig sei, so Karmann, eine intensive Öffentlichkeitsarbeit und Controlling. Er empfiehlt den Gemeinden Energienutzungspläne zu erstellen und in ein übergeordnetes Gesamtkonzept zu bringen. Er ist ein informelles Planungsinstrument für Gemeinden zum Thema Energie und an den Gedanken des Flächennutzungsplans angelehnt. Als Qualitätsmanagement dient der European Energy Award, der Kommunen bei der Identifizierung und Ausschöpfung der Energiepotentiale unterstützt. Als standardisiertes Verfahren ermöglicht es die ständige Optimierung der energetischen Situation vor Ort. Herr Karmann betonte, dass die Energiewende eine große Chance für den ländlichen Raum darstellt.


Wichtig ist, so Herr Dr. Bröll, von der Akademie Ländlicher Raum, dass die Gemeinde sich ihrer Planungsverantwortung bewusst sein soll und vorausschauend sich mit Standortfragen auseinandersetzt. Dr. Bröll gab eine kurze Zusammenfassung der rechtlichen Vorgaben und anstehenden Gesetzesänderungen bei der Planung und Genehmigung von Biomasse-, Photovoltaik- und Windanlagen. Die Privilegierung von Windenergie- und Biomasseanlagen im Außenbereich schränkt die Einflussmöglichkeiten der Gemeinde auf diese Projekte stark ein. Die Gemeinde kann aber im Flächennutzungsplan Konzentrationszonen für z. B. Windkraft ausweisen. Dies bedeutet nicht, dass ein Totalausschluss der Projekte möglich ist oder für diese Projekte ungeeignete Flächen ausgewiesen werden dürfen. Die Gemeinden sollten auch den Rückbau dieser Anlagen, betonte Dr. Bröll, nicht aus den Augen verlieren.

Das Bioenergiedorf Mauenheim wurde von Herrn Ralf Keller, Clean Energy GmbH, präsentiert, das seit 5 Jahren existiert. Herr Keller betonte die Vorbildfunktion des Dorfes für andere Dörfer, die denselben Weg gehen möchten. Eine Biogasanlage, gekoppelt mit Wärmenutzung, versorgt den Ort mit Strom. Eine Hackschnitzelanlage dient als Stromspeicher und Puffer zur Absicherung der Versorgungssicherheit. Landwirte müssen ein Gespür für die Bevölkerung entwickeln, betonte Herr Keller. Die Menschen möchten keine landwirtschaftlichen Flächen, auf denen „nur“ Mais angebaut wird. Wenn die Sinnhaftigkeit von regenerativen Anlagen überzeugend dargestellt wird, ist die Bevölkerung auch bereit, in genossenschaftlich organisierte Projekte zu investieren.

Bürgermeister Wolfgang Zirngibl, 1. Bürgermeister, von seiner Gemeinde Ascha, Landkreis Straubing-Bogen, hatte bereits sehr früh auf regenerative Energien gesetzt und Anfang der 90er Jahre die Vision vom energieautarken Dorf entwickelt. Mittlerweile produziert Ascha mehr Strom, als im Ort verbraucht wird. Regenerative Projekte wie Nahwärmeanlage, Solargemeinschaft, Unterstützung Elektromobilität, Straßen-Solarleuchten. usw. trugen dazu bei. Zur Zeit entsteht eine Energiesiedlung mit 14 Häusern. Auch visionäre Ideen stellte Herr Zirngibl kurz vor. Sein Ziel ist das energieautarke Gebäude. Zirngibl schilderte engagiert und offen auch über schwierige Entscheidungen und Konflikte, die beim Thema Energiewende auftreten können.

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