Inklusion an bayerischen Schulen
Die FU-Kreisvorsitzende Claudia Riemensperger konnte zu dieser Veranstaltung ein zahlreiches Publikum begrüßen, darunter auch viele Schulleiter und Lehrkräfte. Staatssekretär Thomas Kreuzer betonte im Kurzreferat, dass die Umsetzung der Forderung der UN-Behindertenrechtskonvention zu einem inklusiven schulischen System in Bayern, das den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern ermöglichen soll, auch Kindern mit Handicap mehr Zugang zur Bildung gewähren soll. Während man lange Jahre spezielle Einrichtungen für solche Kinder baute und förderte, wird nun die Inklusion zu einer Gemeinschaftsaufgabe nicht nur in der Schule, sondern in allen Lebensbereichen. Man setzt auf eine gemeinsame Lebens- und Lernkultur an den Schulen. „Immerhin gebe es an bayerischen Gymnasium schon jetzt 3.500 Schüler/innen mit Handicap.“, so Kreuzer. Inklusion diene der Angebotsverbreiterung und –ergänzung und werde durch Sozialpädagogen im Mobilen Sonderpädagogischen Dienst und durch schulische Pflegekräfte unterstützt. Momentan gibt es in Bayern 41 Profilschulen. Für die Inklusion stellt die Staatsregierung in den Jahren 2011 und 2012 je 100 neue Lehrkräfte ein (70 Sozialpädagogen + 30 Grundschullehrer). Kreuzer betonte, dass die Inklusion in Bayern kein fertiges Konzept sei, da jeder Fall individuell behandelt werden muss.
Grundsätzlich könnte die Aufnahme eines „Inklusion-Kindes“ aber an einer bestimmten Schule durch die Schule selbst oder den Sachaufwandsträger abgelehnt werden, wenn die notwendigen – auch baulichen – Voraussetzungen nicht gegeben sind oder zu einem erheblichen finanziellen Aufwand führen würden. Kreuzer versprach, sich mit den kommunalen Spitzenverbänden zu verständigen, sobald man die Auswirkungen der Inklusion auf die einzelnen Kommunen abschätzen könne.
Heftig widersprach er der Behauptung, in Bayern gebe man nicht genügend Geld für die Bildung aus. Kreuzer kommt auf über 50 % der Staatsausgaben, die in die Bildung fließen.
Anschließend begaben sich Frau Gül Solgun-Kaps (Stellvertretende Schulleiterin), Frau Christine Hagen (Landratsamt Augsburg) und Gertrud Kreutmayr (Bezirk Schwaben) zur Diskussion aufs Podium, das von Kreisrätin Ulrike Höfer moderiert wurde. Frau Hagen betonte in ihrem Statement, dass bei der Inklusion die notwendigen Ressourcen vorhanden sein müssten. Sie sieht es aber so, dass Räume und der benötigte Fachkräftemix vor allem für verhaltensauffällige Schüler fehlen. Die Volksschullehrer seien dafür nicht ausgebildet, und der Mobile Sonderpädagogische Dienst (MSD) sei nicht ausreichend. Wartezeiten von bis zu 6 Monaten seien keine Seltenheit.
Frau Kreutmayr informierte: „Von 308 Individual-Schulbegleitern sind 152 an Förderzentren beschäftigt. Wenn aber Eltern ihre Kinder vermehrt auf die Regelschule schicken, die Kinder aber nachmittags keine Betreuung hätten und deshalb an die Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) geschickt werden müssen, gäbe es einen „Bruch“ in der Förderung.“
Frau Solgün-Kaps betonte: „ Die Heterogenität müsse in jedem Bereich angenommen werden.“ Sie sieht in der Inklusion kein allgemeinverbindliches Konzept. Außerdem würden Eltern in einer Inklusionsklasse Qualitätsverluste befürchten.
Unverständnis gab es im Publikum darüber, dass der Förderschlüssel in der KiTa bei einem Kind mit Förderbedarf noch bei 1:5 liegt, während es in der Schule 1:1 behandelt wird, d.h. deshalb nicht weniger Kinder in der Klasse sitzen.
Als Herr Kreuzer zu bedenken gab, dass durch die Inklusion ja nicht mehr Kinder mit Förderbedarf da seien, rechnete ihm ein Lehrer eines Förderzentrum vor, dass sie seit Jahren gezwungen wären, Klassen und Lehrkräfte abzubauen.
„Der gute Besuch und die rege Diskussion haben gezeigt, dass die Thematik Inklusion und deren Umsetzung noch nicht völlig ausgereift ist.“, resümiert die Kreisvorsitzende der Frauen-Union Augsburg-Land Claudia Riemensperger.




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