„Im Markt Meitingen lässt es sich gut leben“ - Meitingens Bürgermeister Dr. Michael Higl lässt das Jahr 2013 Revue passieren

Besiegelten 40 Jahre Partnerschaft: (v.l.n.r) Renate Unger, Gérard Poupin, Vorsitzende der Partnerschaftskomitees in Meitingen und Pouzauges, Michel Roy und Michael Higl, Bürgermeister der Partnerschaftsgemeinden. (Foto: Johannes Bronnhuber)
 
Einweihung der Krippe im Kindergarten Meitingen. Mit einem Anbau wurde Platz für 30 Krippenkinder geschaffen (Foto: Markt Meitingen)
 
Auch das Hortgebäude wird erweitert – hier laufen derzeit noch die Bauarbeiten (Foto: Markt Meitingen)
 
Da viele Kinder aus Meitingen zum Partnerschaftsjubiläum mit nach Pouzauges fuhren, wurde kurzerhand ein Chor gegründet, der beim Festakt die französischen Gastgeber mit seinem Auftritt überraschte. (Foto: Johannes Bronnhuber)
40 Jahre Städtepartnerschaft mit Pouzauges, zahlreiche neue Angebote für Kinder und Jugend, ein neues Bahngleis: auch 2013 zeigte, dass Meitingen eine dynamische Marktgemeinde ist, in der das Leben nie stillsteht. myheimat sprach mit Bürgermeister Dr. Michael Higl über diese und einige andere Meilensteine des vergangenen Jahres.

mh bayern: Schon seit langem sind die Lärmschutzwälle an den Bahngleisen ein Thema für Diskussionen. Nachdem man sich nun auf ein Farbkonzept geeinigt hat, steht dem Bau nichts mehr im Wege. Wann wird mit einer Reduzierung des Lärms zu rechnen sein?

Dr. Michael Higl: Im Jahr 2013 ist das aufwendige Verfahren mit Anhörung der Bürgerinnen und Bürger, die Bedenken und Anregungen vorgebracht hatten, zum Abschluss gekommen. Die Bahn baut die Lärmschutzwände im Herbst 2014.

mh bayern: Auch die B2 wird von vielen Bürgern als zu laut empfunden und das geschätzte Verkehrsaufkommen wurde weit überschritten. Dennoch lehnte das Bauamt Augsburg einen Umbau mit Flüsterasphalt ab. War das das letzte Wort, oder wird sich an der B2 noch etwas tun?

Dr. Michael Higl: Zwar liegen die tatsächlichen Verkehrszahlen weit über den Prognosen vor dem Bau, jedoch sind trotzdem die zulässigen Grenzwerte eingehalten. Das staatliche Bauamt sieht daher keine Begründung für eine Verbesserung des Belags. Die Argumentation kann auch durch Studien, die vom Markt in Auftrag gegeben wurden, nicht entkräftet werden.
Lärmmindernder Belag wird vom Straßenbauamt in letzter Zeit bei Erneuerungsmaßnahmen eingebaut, wie zum Beispiel auf Streckenabschnitten in Langweid und Gersthofen, die weit über 25 Jahre alt sind. Das Straßenbauamt schließt aus, dass die erst Ende 2005 eröffnete B2-Umfahrung Meitingen in absehbarer Zeit erneuert wird.

Der Belag ist übrigens auch kein klassischer Flüsterasphalt. Letzterer hat einen viel aufwändigeren Aufbau, beispielsweise wird er in Göggingen auf der B17 erprobt und aufgrund der begrenzten Haltbarkeit auch erneuert. Der auf der B2, aber auch vom Markt Meitingen in der Langenreichener Straße eingebaute Belag ist zwar leiser, erreicht aber nicht die Werte von Flüsterasphalt. Dafür ist er wirtschaftlicher und (hoffentlich) haltbarer. Wir sind gespannt auf die Erfahrungswerte, die wir in den nächsten Jahren sammeln werden.

mh bayern: In diesem Jahr wurde die Kinderkrippe im Kindergarten baulich wie personell aufgestockt. Steigt die Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen auch weiterhin und kann Meitingen diese bewältigen?

Dr. Michael Higl: In den letzten Jahren verzeichnen wir einen rasanten Anstieg an Buchungszeiten in unserer Kinderbetreuung. Drei Effekte überlagern die eher rückläufigen Geburtenzahlen: Erstens die steigende Nachfrage nach Krippenplätzen, zweitens ein erhöhter Anteil an Kindern mit Integrationsbedarf; d.h. Kindern, die eine besondere Förderung benötigen, beispielsweise aufgrund von Behinderungen oder Entwicklungsverzögerungen. Die dritte Entwicklung stellt der Ausbau der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern dar.

Wir reagieren auf die Entwicklungen und haben im Jahr 2013 zusätzliche Plätze für alle Bereiche geschaffen und dabei über 2,5 Millionen Euro verbaut. Von der Kapazität her haben wir entsprechend der Prognosen des Landkreises mit zukünftig leicht steigenden Zahlen kalkuliert, sie spiegeln ein sich wandelndes Verhalten in der Gesellschaft wider.

mh bayern: In diesem Jahr wurde auch eine neue Freizeitfläche für Kinder und Jugendliche in der Nordfeldsiedlung geplant. Warum ist diese Anlage für Meitingen wichtig?

Dr. Michael Higl: Aus den Jugendforen, zu denen ich jedes Jahr einlade, kam stetig der Wunsch nach einem Platz für die Jugend, der besonders für Basketball, Streethockey, Eislauf, Dirtbike und Fußball geeignet sein sollte. Nachdem sich der Platz in der Nordfeldsiedlung für eine Verbesserung anbot, kamen wir darauf, hier diese Wünsche zu verwirklichen. Als Partner steht uns die Siedlergemeinschaft zur Verfügung, mit der wir ein gemeinsames Konzept entwickelt haben: Sie übernimmt einen Teil der Pflege, unterstützt den Bau und nutzt den Platz für ihre Veranstaltungen.

Während wir jährlich sehr viel in Einrichtung und Unterhalt von Spielplätzen für die Kinder bis 12 Jahre investieren, sind die Angebote für Jugendliche nicht ganz so leicht umzusetzen. Vor fünf Jahren haben wir das Streetsoccerfeld an der Hauptschule mit Unterstützung des DFB gebaut. Mit dem neuen Platz haben wir nun im Norden Meitingens eine weitere Fläche, die hoffentlich gut genutzt und im guten Einklang mit der Nachbarschaft ein attraktives Angebot sein wird.

mh bayern: Meitingen und sieben weitere Gemeinden beteiligten sich an einer Resolution für den Bau eines dritten Gleises am Meitinger Bahnhof. Was hat sich dort in der Zwischenzeit getan?

Dr. Michael Higl: Das dritte Gleis wurde nach einer starken Initiative vieler Gremien und Fürsprecher entgegen der ursprünglichen Vorschläge der Bahn vom Freistaat Bayern für den Bundesverkehrswegeplan vorgeschlagen. Nun muss der Bundestag diesen Plan erst noch beschließen. Dann besteht erst eine Grundlage, um in konkrete Planungen einsteigen zu können. Wir stehen damit am Anfang des Projekts.

Das dritte Gleis ist nötig, da die Strecke derzeit schon an der Kapazitätsgrenze ist. Weitere Verbesserungen des Zugangebots im Nah- oder Fernverkehr scheitern schon an der vollen Strecke. Das betrifft beispielsweise einen 15-Minuten-Takt nach Augsburg oder noch bessere Verbindungen nach München und Nürnberg. Wenn künftig auch noch der Güterverkehr gestärkt werden soll (Güter auf die Schiene), sehe ich unser gutes Zugangebot gefährdet. Daher mein Einsatz für das dritte Gleis Augsburg-Meitingen.

mh bayern: Die Vorbereitungen für die Gewerbeschau mega 2014 sind bereits in vollem Gange. Was sind Ihre Erwartungen an die kommende Ausstellung?

Dr. Michael Higl: Die mega hat sich als Marke etabliert. Viele Aussteller insbesondere aus der Region bieten einen breiten Überblick über das wirtschaftliche Angebot in unserem Raum. Mit einem attraktiven Rahmenprogramm wird das Wochenende ein beliebtes Ausflugziel und Informationsbörse. Am Stand des Marktes Meitingen wird sich für unsere Bürgerinnen und Bürger wieder Gelegenheit bieten, mit Vertretern des Marktgemeinderats und der Verwaltung ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und Anregungen zu geben.

mh bayern: Im Frühjahr 2014 stehen die Kommunalwahlen an. Werden Sie wieder kandidieren?

Dr. Michael Higl: Vor sechs Jahren wurde ich in das Amt des ersten Bürgermeisters gewählt. Seitdem habe ich mich bemüht, gemeinsam mit allen Marktgemeinderatsmitgliedern eine gute Politik für unseren Markt zu gestalten.
Gerne würde ich diese vielfältige, verantwortungsvolle uns spannende Aufgabe weiter ausfüllen. Daher stelle ich mich wieder zur Wahl und bitte um das Vertrauen der Bürger.

mh bayern: In diesem Jahr reisten Sie mit einer Gruppe Meitinger in die französische Partnerstadt Pouzauges, um dort das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu feiern. Eine beachtliche Leistung! Warum, glauben Sie, sind internationale Partnerschaften so wichtig?

Dr. Michael Higl: Von der Historie her betrachtet sehe ich die Partnerschaften als eine unvergleichliche Erfolgsgeschichte. Dass der Begriff des „Erbfeindes" aus dem Bewusstsein getilgt ist und eine Freundschaft zwischen den Staaten entstanden ist, liegt im Wesentlichen an den unzähligen persönlichen Begegnungen zwischen einzelnen Menschen. Daher kann man hier von einem wahren Friedensdienst sprechen.

Dass eine Städtepartnerschaft aber so lange bestehen kann, dafür bedarf es mehr als Pathos: Die Freude, sich gegenseitig kennen zu lernen, gemeinsam zu feiern, sich auszutauschen, auch voneinander zu lernen. Das passiert beispielsweise im Schüleraustausch, zwischen den Vereinen und auch seit zwei Jahren bei gemeinsamen Sitzungen zwischen den Stadt- und Marktgemeinderäten. Wir lernen viel voneinander und können davon profitieren.

mh bayern: Trotz des demografischen Wandels konnte Meitingen eine steigende Geburtenrate verzeichnen. Zudem gibt es viele Zuzüge in die Marktgemeinde. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Dr. Michael Higl: Diese Entwicklung ist für mich ein Zeichen, dass viele Menschen erkennen: Im Markt Meitingen lässt es sich gut leben. Hier finden Sie ein breites Angebot für alle Generationen, ländliche Überschaubarkeit mischt sich mit Infrastruktur auf nahezu städtischem Niveau. Die gute Verkehrsanbindung nach Augsburg, München und Nürnberg wie auch Arbeitsplätze vor Ort machen den Markt Meitingen zum einer attraktiven (Wohn-)Gemeinde.

mh bayern: Der Bau des ersten Windrades im Landkreis Augsburg im Ortsteil Langenreichen rief zunächst viel Gegenwind vonseiten der Bürger hervor. Hat sich an der Akzeptanz des Windrades inzwischen etwas geändert?

Dr. Michael Higl: Wir haben als eine der wenigen Kommunen in der Region die Windkraftnutzung nicht nur laufen lassen, sondern über den Flächennutzungsplan auch feste Regeln erarbeitet und verabschiedet. Der Weg dorthin war wahrlich nicht leicht. Mit der Lösung, ein Vorranggebiet auszuweisen, aber den Rest von Windkraftnutzung frei zu halten, haben wir zum einen dem Antrag entsprochen und einen Beitrag zur Energiewende geleistet. Zum anderen haben wir aber auch einen Wildwuchs auf Kosten der Anwohner und des Landschaftsbildes nicht ermöglicht. Ich denke, dass dieser Weg von den meisten Bürgern akzeptiert wird.

mh bayern: Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Higl!

Die Fragen stellte Tamara Kögl, mh bayern.
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Regionalmagazin meitinger | Erschienen am 17.12.2013
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