Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg - ein Porträt
Die Tochter erzählt über ihre bemerkenswerte Mutter
von Rosmarie Gumpp
Wertingen: Bedrückende Stille im Saal des Wertinger Schlosses. Vorne am Tisch sitzt eine Frau, die es versteht, die Zuhörerinnen und Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Konstanze von Schulthess ist die jüngste Tochter des Ehepaares Claus und Nina von Stauffenberg und es ist bei Gott keine leichte Kost, die sie heute Abend servieren wird. Winfried Heppner begrüßte im Namen der veranstaltenden Volkshochschule und des Wertinger Buchladens "Maximilian".
Konstanze von Schulthess stellte im Schloss ihr Buch "Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg" vor und las daraus sehr nachdenklich stimmende Textpassagen vor. Überzeugt stellt sie gleich zu Beginn fest: "Es ist kein Buch über den 20. Juli 1944."
Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg ist eine der faszinierendsten Frauenfiguren im deutschen Widerstand - und doch weitgehend unbekannt. Am 20. Juli 1944 verliert Nina, die Frau des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg den Mann, den sie liebt und von dem sie gerade ihr fünftes Kind erwartet. Ihre Tochter Konstanze von Schulthess schreibt ein Porträt über ihre Mutter, die sie als" bemerkenswerte Frau beschreibt, die auf eigene Weise Geschichte schrieb". Die Autorin erzählt persönlich und behutsam, basierend auf Gesprächen sowie bislang unbekannten Dokumenten und Aufzeichnungen der Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Am 2. April 2006, einem Sonntag, starb sie mit fast 93 Jahren. Nahezu 62 Jahre überlebte sie ihren Mann - eine lange Zeit.
"Ich habe eine schlimme Nachricht für euch", sagt eine Mutter zu ihren vier Kindern und eröffnet ihnen, dass ihr Vater vergangene Nacht erschossen wurde. Es ist der 21. Juli 1944 und die Frau, die so zu ihren Kindern spricht, heißt Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Sie ist schwanger - mit ihrer Tochter Konstanze - und wird kurz darauf in Sippenhaft genommen. So der Beginn einer Odyssee, die von der berüchtigten Gestapo-Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin schon bald ins Konzentrationslager Ravensbrück führen soll. Hier sind 15000 Frauen eingesperrt, unter ihnen auch die französische Sängerin und Schauspielerin Juliette Greco. "Meine Mutter musste in Isolationshaft und das war das schlimmste, was ihr passieren konnte". Aber sie hatte sich einen Grundsatz ihres Mannes zu eigen gemacht: Einer von uns beiden muss bei den Kindern bleiben.
Wer war diese Frau? Was war ihre wahre Rolle in der Geschichte? Was wusste sie vom Widerstand? Welche Personen gehörten dazu? Konstanze von Schulthess fesselte mit ihren Textpassagen ihre gebannt lauschenden Zuhörerinnen und Zuhörer. Was sie in dieser Zeit der Isolationshaft und Verhöre schützt ist ein Grundsatz, den sie mit ihrem Mann abgesprochen hatte: "Ich sollte mich als dumme kleine Hausfrau mit Kindern und Windeln und schmutziger Wäsche darstellen." Ein Bild, das in späteren Darstellungen der Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg übernommen wurde, aber entfernter von der Wahrheit nicht sein konnte. Denn sie war schon sehr früh in die Vorbehalte ihres Mannes gegen Hitler und seine Pläne eingeweiht. Sie wusste, dass damit sein Leben und auch das ihrer Familie gefährdet war. Und dennoch unterstützte sie ihn bedingungslos.
Konstanze von Schulthess kam am 27. Januar 1945 noch während der Haftzeit zur Welt. Jetzt zeichnete die Tochter, die unter so dramatischen Umständen geboren wurde, erstmals das Leben ihrer Mutter auf, gestützt auf Gespräche aber auch auf bislang weitgehend unbekannte Dokumente, Briefe und Quellen. Stolz erklärt die Tochter: "Entstanden ist das Porträt einer Frau, die vor und nach dem Attentat ein ungewöhnliches Maß an innerer Stärke bewies." Gerne beantwortete die Autorin, die Mutter von vier Kindern ist und in der Schweiz verheiratet ist, gestellte Fragen. Auf die Frage, wie es für sie war, ohne Vater aufzuwachsen, antwortete sie: "Ich war eine von vielen in der Nachkriegszeit, die ohne den Vater aufwachsen mussten". Konstanze von Schulthess verbrachte eine sehr glückliche Kindheit im Haus der Großmutter in Lautlingen und in Bamberg. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, in jedes verkaufte Buch eine persönliche Widmung zu schreiben. Konstanze von Schulthess trug sich auch in das Gästebuch der Stadt Wertingen ein und hielt am vergangenen Freitag auch eine Lesung am Wertinger Gymnasium.
Danke für diesen sehr ergreifenden und bedrückenden Bericht.
Schön, dass es diese Erinnerungsspuren vom Widerstand gegen Hitler noch gibt: Mögen wir uns an diesen Menschen ein Beispiel und mögen wir forscher und frecher uns hier für unsere Rechte, für mehr Gerechtigkeit und für mehr Frieden einsetzen!
Da ich mich persönlich mit dieser Historie umgehend befasse, finde ich diesen Berich hervorragend und äußerst gut gemacht. Danke
Da ich mich persönlich mit dieser Historie umgehend befasse, finde ich diesen Berich hervorragend und äußerst gut gemacht. Danke
Persönliche Betroffenheit war schon immer überzeugender als tausend Bücher. Es ist sehr wichtig, dass gerade die Betroffenen ihre Erinnerungen weitergeben. Und gerade in Bezug auf den Widerstand gegen das NS-Regime gibt es meines Erachtens noch sehr viel Klärungsbedarf. So war auch mir bisher nicht eindeutig klar, dass Nina v. St. wirklich von Anfang an über die Pläne ihres Mannes und wohl auch der anderen Attentäter des 20. Juli 44 informiert war. Danke für diesen Bericht!
Ein Portrait, das eigentlich keinen kalt lassen kann- danke!
Jetzt weiß ich, was ich mir auf Weihnachten wünsche
Hallo liebe Rosemarie
es ist ehrlich sowas von Sinnlichkeit wie Ergreiften doch auch sehr bedrückten .
es grüsst dich Konstanze
Wir als Volk müssen dafür sorgen, dass es nie wieder zu solch üblen Zeiten kommt!
... und dazu gehört z.B., dass wir uns gegen jegliche Aushöhlung unserer Grundrechte durch Überwachungsmaßnahmen von Seiten des Staates massiv zur Wehr setzen, dass wir Eingriffe in die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit nicht zulassen und Fehlentwicklungen entschieden anprangern, z.B. in myheimat.
"Wehret den Anfängen!" - eine immer wieder gültige Erkenntnis.
Solche Zeiten sollten nie wieder kommen, und doch gibt es immer wieder ähnliche Schicksale auf dr ganzen Welt. Das wichtigste im Leben ist, man muss sich selbst treu bleiben und auch in der heitigen Zeit ist es wichtig Eigenverantwortung mitzutragen und immer wieder Zivilcourage zeigen.
Ich bin immer wieder fasziniert, wenn ich etwas von der Fam. Stauffenberg lese
CE
Christa Eber



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