Historisches aus 60 Jahren SGL-Werkskapelle

Der Jubelverein (Foto: Patrizia Lofner)
   
Die SGL-Kapelle (Foto: Patrizia Lofner)
 
Das Vororchester der SGL-Kapelle (Foto: Patrizia Lofner)
Meitingen: SGL Kapelle | Stolz schaut die SGL-Werkskapelle auf 60 Jahre voller Aktivitäten und Musikgeschichte zurück. Mit der Gründung der Werkskapelle – damals noch unter dem Namen Siemens Plania – im August 1956 wurde eine alte Tradition fortgesetzt, die schon vor dem 2. Weltkrieg in Meitingen durch Instrumental- und Blasmusik gepflegt wurde.

Mehrere Mitarbeiter der Siemens-Plania-Werke, voll von Idealen und Begeisterung zur Volksmusik, regten die Gründung einer Werkskapelle beim damaligen Personalleiter Herrn Direktor Erich Richter an. Durch seine Initiative und die tatkräftige Unterstützung des damaligen 1. Bürgermeisters der Gemeinde Meitingen, Herrn Willibald Koch, wurde die Werkskapelle Siemens-Plania ins Leben gerufen, die in dieser Gründungszeit aus 20 Mitgliedern bestand. Nachdem ein Teil der Musiker bereits im Besitz eines eigenen Instrumentes war, wurden für den Rest neue Instrumente angeschafft. Für die musikalische Leitung konnte Josef Schippl aus Edenbergen gewonnen werden. Als Proberaum diente in der Anfangszeit der „alte Chemiebau“, während in der Folgezeit die Proben im Neubau der „großen Dreherei“ abgehalten wurden. Nach eifriger Probenarbeit trat die Werkskapelle am 24.11.1956 anläßlich der Gründungsfeier in der Gemeindehalle Meitingen erstmals auf.

Durch den Anschluss an den Allgäu-Schwäbischen Musikbund wurde der Weg geebnet, sich auch am musikalischen Wettstreit bei den Bezirks- und Bundesmusikfesten zu beteiligen. Bereits die erste Bewertung beim 2. Bezirksmusikfest des oberbayerischen Musikbundes am 26. Mai 1957 in Walleshausen brachte dem Orchester in der Mittelstufe die Benotung „Sehr gut“.

Unter der Leitung von Josef Schippl, und den nachfolgenden Dirigenten errang die Kapelle bei Bezirks- und Bundesmusikfesten im Wertungsspiel stets hervorragende Benotungen. So war es auch der Meinung der Presse zu entnehmen, die die damals 24 Mann starke Werksmusikkapelle als disziplinierten und vortefflichen Klangkörper bezeichnete. Anerkennung durch Hochklassifizierungen bei Konzert- und Marschmusikwettbewerben unter stärkster in- und ausländischer Konkurrenz spornte zusätzlich an, und brachte dem Hause Siemens und auch der Gemeinde Meitingen Ehre ein.


Im Jahre 1961 übernahm Josef Eichner die Stabführung der Kapelle, nachdem Josef Schippl aus beruflichen Gründen hierfür nicht mehr zur Verfügung stand. Bereits im Jahre 1962 mußte infolge des Ablebens von Herrn Eichner erneut ein neuer Dirigent verpfichtet werden. Die Wahl fiel auf Kammermusiker Richard Seidel. Dieser trat das Dirigentenamt im Jahre 1965 wiederum an Otto Olbrich ab.

Mit Musik von der Band der 24. US-Infanterie-Division Augsburg eröffneten die Siemens-Plania-Werke das Fest anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Kapelle vom 12. bis 15. August 1966 auf dem Werksplatz. Neben dem Heimatabend der von der Werkskapelle des Elektrodenwerkes Steeg aus dem Salzkammergut gestaltet wurde, zählte zum Höhepunkt des Festes der Festumzug umsäumt von einer dichtgedrängten Menschenmenge und fahnen- und wimpelgeschmückte Straßen des Ortskerns. Zwölf Kapellen nahmen am Festumzug und Gemeinschaftschor, der im Schulpark stattfand, teil. Der Sonntagabend gehörte einigen Originalen der damaligen Unterhaltungsbranche: dem schwäbischen Spaßmacher Lenz Doll, dem Fahrradclown Michlin und der Hauser Toni vom Zillertal mit ihren herzhaften Jodlern.

Die folgenden Jahre der Werkskapelle waren – ebenso wie die zurückliegenden Jahre – von einer stetigen Aufwärtsentwicklung geprägt. Im Jahre 1968 ging man dazu über, im Keller des Badehauses einen Musikraum einzurichten. Josef Schippl, der bereits in den Gründerjahren das Dirigentenamt innehatte, konnte ab 1972 wieder für diese Aufgabe gewonnen werden. Im Jahre 1975 war die Zeit schließlich reif für eine neue Tracht der Werkskapelle.

Geburtstage müssen gefeiert werden und anlässlich des 25-jährigen wurde dies in großem Stil auch in die Tat umgesetzt. Vom 16. bis 21. Juni 1981 waren sechs Festtage angesagt. Folgende Attraktionen verdienen es erwähnt zu werden: der Sternmarsch verschiedener Kapellen zum Grundschulpark mit Bier vom Faß und anschließendem Standkonzert, der Auftritt von Marianne und Michael sowie dem Westernsänger Fred Rai mit seinem berühmten Pferd „Spitzbub“, der österreichische Abend gestaltet von der Musikkapelle Steeg aus Oberösterreich, sowie der Festausklang mit dem durch zahlreiche Besuche partnerschaftlich verbundenen Musikverein Reißkofel aus Kärnten. Nicht zu vergessen sind natürlich die zahlreichen Musikkapellen als auch der Festumzug, der witterungsbedingt etwas später starten musste. 55 Vereine bzw. Gruppen nahmen daran teil, darunter 26 Musikkapellen. Letztere gestalteten auch den Gemeinschaftschor im Grundschulpark. Anläßlich des 25-jährigen Jubiläums wurde im übrigen der Sound der damaligen Werkskapelle in einem Musikstudio in Österreich auf Tonträger verewigt. Die Schallplatten und Musikkassetten fanden reißenden Absatz.

Vor einem Problem, mit dem irgendwann jede Musikkapelle zu tun hat, stand in den 80er Jahren auch die Werkskapelle: dem fehlenden Nachwuchs junger Musikanten. Nach längerer Diskussion in der Vorstandschaft begann man im Jahre 1984 mit der Ausbildung von interessierten Kindern und Jugendlichen. Die Ausbildung bestand sowohl aus einem Einzelunterricht durch qualifizierte Musiklehrer als auch einem Gesamtunterricht, den in der Anfangszeit Otto Olbrich wahrnahm. Während zunächst lediglich daran gedacht war, entsprechenden Nachwuchs heranzubilden, der zu späterer Zeit in die Stammkapelle integriert werden konnte, kam es in den folgenden Jahren immer mehr zu einem Eigenleben der jungen Nachwuchsbläser bis schließlich die Jugendkapelle SIGRI geboren war. In den folgenden Jahren wurde die Ausbildung der Jungmusiker Franz-Xaver Haltmeir übertragen. Später übernahm Walter Möckl die Gesamtleitung der Jugendkapelle; er sollte dieses Amt bis Ende 1991 führen.

Der Beginn des Jahres 1982 stand ganz im Zeichen des Ausbaus der neuen Probenräume. Für den bisherigen Raum machte die Firma SIGRI einen Eigenbedarf geltend, so dass in neue Räume ausgewichen werden musste. Damit verbunden war auch eine räumliche Ausdehnung: es standen nun mehrere kleinere Räume für die Einzelausbildung, ein großer Raum für die Gesamtproben als auch entsprechende Nebenräume wie Küche, Toiletten, Lagerräume in einem eigenen Gebäude in der Rudolf-Diesel-Strasse zur Verfügung.

Auch das Dirigentenproblem musste im Jahre 1982 einer Entscheidung zugeführt werden, da Josef Schippl krankheitsbedingt diese Aufgabe nicht mehr ausführen konnte. Im Dezember 1982 wurde Franz-Xaver Haltmeir aus Friedberg verpflichtet. Sein Sohn Gerhard Haltmeir stellte sich neben dem Einsatz bei der Werkskapelle für die Einzelausbildung der Jungmusiker zur Verfügung. Die Jahre unter Franz-Xaver Haltmeir waren gezeichnet von einer deutlichen musikalischen Fortentwicklung auf verschiedenen Gebieten. Einerseits wurde der konzertanten Musik ein großer Stellenwert eingeräumt, was beispielsweise durch die jährlichen Konzerte, beginnend im Jahr 1984, zum Ausdruck kam. Andererseits sollte auch die Bierzelt- und Marschmusik nicht zu kurz kommen.

Mit Ablauf der Saison 1992 beendete Franz-Xaver Haltmeir sein musikalisches Wirken in Meitingen. Als Nachfolger konnte der Berufsmusiker Bernhard Hoffmann gewonnen werden. Er übernahm gleichzeitig auch die Leitung der Jugendkapelle von Gerhard Haltmeir, die dieser für ein Jahr dirigierte.
Während dieser Zeit wurde die Jugendarbeit im Verein weiterentwickelt. Mit der Musikalischen Früherziehung und dem Blockflötenunterricht etabliert.

Aber auch die älteren Musikanten, die langsamer treten wollten, gründeten die Seniorenkapelle, liebevoll "Oldies" genannt, und traten somit in den musikalischen Un-Ruhestand.

1996 veranstaltete die SGL-Kapelle ein 5-tägiges Spektakel am neu gebauten Kino in Meitingen zum 40. Gründungsjubiläum. Ganz Meitingen feierte im Festzelt am damals neu gebauten Kino mit beim Sternmarsch zum Festauftakt, bei Live-Bands und Stimmungsmusik und Ochs am Spieß. Auch die Jugend kam bei "Rock im Zelt" nicht zu kurz. Das Fest beendete der Jubelverein mit dem "Großen Zapfenstreich".

Zum 50. Vereinsjubiläum wurde erstmals ein Festjahr veranstaltet: mehrmals im Jahr lud die SGL-Kapelle zu verschiedenen Events ein, so dass jede Musikrichtung geboten wurde und jeder Musikfreund auf seine Kosten kam.
Bereits 2006 war ein Highlight des Festjahres die Spider Murphy Gang, die auch damals die ausverkaufte Ballspielhalle erbeten lies. Auch die Serenade im Grundschulpark mit den Nachbarkapellen kam sehr gut an und bildete dann die Vorlage für die Lechtalserenade, die einige Jahre später ins Leben gerufen wurde.

2008 übernahm Florian Helgemeir den Dirigentenstab und entwickelte sowohl die Jugend- als auch die Werkskapelle stetig weiter. Mit ihm als jungen Dirigenten und einer verjüngten Vorstandschaft wurde die Instrumental-ausbildung mit ausgebildeten Musiklehrern intensiviert; auch wurde schließlich das Vororchester ins Leben gerufen. Hier können Kinder bereits nach ca. 1 Jahr Einzelunterricht die ersten Erfahrungen beim gemeinsamen Musikzieren machen. Der Tag der offenen Tür, der jährlich in den Räumen des Forums der SGL Group stattfindet, bietet Gelegenheit zum Ausprobieren und Informieren.

So entwickelte sich das Motto des Vereins "Ein Leben lang Musik" von selbst, bereits die Jüngsten bis zu den Senioren finden sich im aktiven Vereinsleben wieder.

Die Bandbreite der Musikanten bleibt trotzdem erhalten. Von böhmischer Blasmusik bis zu konzertanter Orchestermusik in Mittel- bis Oberstufe sind alle Stilrichtungen in der Kapelle vertreten.
Letztlich sind die musikalischen Darbietungen davon abhängig, welcher Anlass hierfür gegeben ist.

Und an solchen mangelt es der SGL-Kapelle wirklich nicht. So sind Auftritte, wie das alljährliche Frühjahrskonzert, das Turmblasen am Heiligen Abend bei St. Wolfgang und das Neujahrsanblasen an Silvester zu festen Bestandteilen im Musikerkalender geworden. Auch die Meitinger Kirchweih, die das Hof-Fest ablöste, hat seinen festen Platz im Programm der SGL-Musiker. Doch nicht nur „dienstliche“ Termine gehören zu dem Leben eines Musikanten, sondern auch die ganz privaten, geselligen Feste bereichern dieses Hobby, womit z.B. die kleinen internen Feste wie z.B. jüngst die Radlralley, gemeint sind.

Die SGL-Werkskapelle ist mittlerweile ein nicht mehr wegzudenkender Bestandteil des Marktes Meitingen geworden, die auf mittlerweile stolze 360
Mitglieder, davon rund 130 aktiv, blicken kann. So sind auch gemeindliche und kirchliche Veranstaltungen immer wieder ein Grund, um die Instrumente auszupacken.
Anlässe gab es bei uns in der Kapelle in den vergangenen 60 Jahren genügend, um ein paar zu nennen:
Betriebsausflüge, betriebsinterne Veranstaltungen, Einweihungen, Empfänge, Faschingsumzüge, Faschingsbälle, Feiern von Betriebsangehörigen, Geburtstagsständchen, Hochzeitsfeiern, Konzerte, Musikfeste, Partnerschaftstreffen, Vereinsjubiläen, Beerdigungen, usw.

Abschließend sollen die zahlreichen Auslandsaufenthalte der Werkskapelle nicht unerwähnt bleiben. Dazu zählen die USA, Frankreich und Österreich.
Doch auch innerhalb Deutschlands hat die SGL-Werkskapelle in vielen Städten und Orten einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Patrizia Lofner / Claudia Buchschuster
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.meitinger | Erschienen am 04.06.2016
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