Ein starkes Stück Schwaben – Das Bayerische Bauarchiv im Kloster Thierhaupten

Stolz auf ihr Gemeinschaftprojekt: (v.l.n.r) Martin Sailer (Landrat), Jürgen Reichert (Bezirkstagspräsident), Dipl. Ing. Architekt Mathias Pfeil (Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege), Toni Brugger (Thierhauptens Bürgermeister) (Foto: Andreas Lode)
 
Das Kloster Thierhaupten: Sitz der Dienststelle Schwaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (Foto: BLfD/ Michael Forstner)
 
Vor dem Modell eines historischen Hebezeuges: (v.l.n.r.) Dipl.-Ing. Julia Ludwar (Referatsleitung), Martin Sailer (Landrat), Toni Brugger (Bürgermeister von Thierhaupten), Dr. Bernd Vollmar, (Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege), Dipl.-Ing. Mathias Pfeil (Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege), Jürgen Reichert (Bezirkstagspräsident) (Foto: Andreas Lode)
„Wie schön Schwaben ist“, das kann man laut Dipl.-Ing. Mathias Pfeil, Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, bei einem Besuch des Bayerischen Bauarchivs erleben. Seinen Standort hat das Archiv für historische Bauelemente, wie Fenster, Türen und Ziegel, im Kloster Thierhaupten im Landkreis Augsburg.


Neue Kooperationsvereinbarung: Weiterhin sammeln, bewahren und Wissen vermitteln

Dieses „starke Stück Schwaben“, wie Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert das Ensemble aus Außenstelle des Bayerischen Amtes für Denkmalpflege und der Schule für Land- und Dorfentwicklung bezeichnet, soll uns noch weiter erhalten bleiben - da sind sich die Kooperationspartner einig.
Deshalb wurde der dieses Jahr auslaufende Vertrag verlängert und eine neue Kooperationsvereinbarung auf den Weg gebracht. Bis 2025 soll die Zusammenarbeit des Bezirkes Schwaben und des Freistaates Bayern weitergeführt werden. Vorerst – denn zumindest Landrat Martin Sailer könnte sich durchaus eine längerfristige Nutzung des „Juwels des Landkreises“ vorstellen. Für ihn steht vor allem der Bildungsaspekt an erster Stelle. Denn das angegliederte Fortbildungszentrum bietet Seminare, Workshops und Kurse zu denkmalfachlichen Themen. Hierbei steht zum einen die Information der Besitzer von Denkmälern und zum anderen die Ausbildung und Schulung von Fachkräften zur Restaurierung der erhaltenswerten Objekte im Vordergrund. Das Angebot soll in Zukunft auch noch stärker auf die jüngere Generation ausgeweitet werden. Das Landesamt für Denkmalpflege will so die Zielgruppe Schüler mit „ins Denkmalboot holen“, Wissen vermitteln und erklären, warum der historische Wert eines Gebäudes so wichtig und schützenswert ist.

Eine Erfolgsgeschichte wird fortgeführt

Das Projekt Kloster Thierhaupten hat Erfolgsgeschichte geschrieben: Als Altbürgermeister Fritz Hölzl im Jahre 1983 das Ensemble erwarb, wurde diese Entscheidung kontrovers diskutiert und durchaus als risikoreicher und mutiger Schritt eingestuft. Doch man hatte - trotz aller negativen Stimmen –großen Erfolg. Mit dem Erwerb und der anschließenden Sanierung begann das Kloster zu dem anzuwachsen, was es heute ist. Ein „Bürger-, Bildungs- und Kulturzentrum“, so betont Toni Brugger, Bürgermeister von Thierhaupten, den hohen Stellenwert des Klosters für Gemeindeleben und Landkreis.
Neben dem Pfarrheim, einer Gaststätte und dem Bürgersaal befindet sich auch das Bayerische Bauarchiv im beschaulichen Markt Thierhaupten in den Gebäuden des ehemaligen Klosters. Ein Aushängeschild und „Magnet“, wie es Brugger nennt. Das Archiv umfasst über 5000 Exponate. In der umfangreichen Schausammlung findet man Bauelemente aller Art und taucht ein in die Geschichte des Bauens und Wohnens. Leider ist die Schausammlung nicht öffentlich zugänglich. Aber: „Jeder, der interessiert ist, kommt auch herein“, versichert Dipl.-Ing. Julia Ludwar, Referatsleitung des Bayerischen Bauarchivs. „Wir haben jede Woche Gäste. Und der Freundeskreis des Kloster Thierhauptens e.V. bietet auf Anfrage Gruppenführungen an.“

Forschen, Wissen weitergeben, Geschichte erhalten: Die Arbeit des Bayerischen Bauarchivs

Doch ein anderer wichtiger Teil der Arbeit geschieht in den zahlreichen Werkstätten: hier wird restauriert, fotografiert, geforscht und vor allem – Wissen vermittelt. Wissen, das für den Denkmalschutz hierzulande unentbehrlich ist. Denn „Schwaben ist ein Denkmal-Land“, so Mathias Pfeil. Und nicht alle alten Techniken werden heute noch in der Handwerker-Ausbildung gelehrt. Es gibt auch Verfahren wie beispielsweise den Kalkziegelestrich, die komplett in Vergessenheit geraten sind. Um die Restaurierung eines Denkmals trotzdem kompetent und effizient durchführen zu können, bedarf es einer qualifizierten Weiterbildung und Schulung der Fachkräfte.

Lebendige Baugeschichte(n)

Bei der Besichtigung und Führung durch das Bauarchiv weiß man kaum: Wohin soll man nur zuerst sehen? Denn zu sehen gibt es so viel! Von alten Treppen, Fenster und Türen bis hin zu ganzen Wandstücken und Dachstühlen bekommt man nahezu alle Facetten des historischen Bauens zu Gesicht. Regionaltypisch ausgeformte Dachziegelplatten sprechen für die Vielfalt der bayerischen Baugeschichte. Die Fenstersammlung ist besonders umfangreich, da Fenster die austauschanfälligsten Bauelemente waren und sind. Kreative Lösungen wie die Schwitzwasserschublade begeistern. Sie wurde damals in die Mauer eingelassen, um das Schwitzwasser, das sich an den Fenstern sammelte, aufzufangen, damit es anschließend ausgeleert werden kann. Ins Staunen kommt man auch bei der Geschichte der Bohlenstube. Bei sich änderndem Zeitgeschmack wurde an die Wände einfach neuer Putz angebracht – mit den kuriosesten Methoden. Diese „Zeitschichten“ kann man auch im Großraum erleben, wo ganze Wandstücke eines Regensburger Bürgerhauses restauriert werden. „Was eine Fassade für Geschichten erzählen kann“, so Dr. Bernd Vollmar, Leiter der Bau- und Kunstdenkmalpflege des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, sieht man daran, wie damals mit dem Putz umgegangen wurde. Änderte sich der Zeitgeschmack, wurde einfach eine weitere Schicht mit einer neuen, „modernen“ Bemalung aufgetragen. Besonders menschliche Geschichten erzählen die Feierabendziegel, sie wurden vom Dachdecker bei Beendigung des Arbeitstages beschriftet: mit Datum und Anmerkungen. Diese Methode diente möglicherweise zur leichteren Abrechnung des Handwerkers nach getaner Arbeit.

Tag des offenen Denkmals am 14. September

Eine Chance, diese vielfältige(n) Geschichte(n) hautnah, am Objekt und mit eigenen Augen zu erleben, steht bald an. Am 14. September ist Tag des offenen Denkmals und auch das Kloster Thierhaupten öffnet seine Türen und präsentiert seine Schätze. Weitere Informationen unter: http://www.blfd.bayern.de/
„Heimat erleben, Heimat prägen“, dieses Motto verfolgt das Landesamt für Denkmalpflege und Generalkonservator Mathias Pfeil. „Wir müssen unsere Ursprünge in die Zukunft mitnehmen, unsere Kultur bewahren, unsere Geschichte zeigen.“
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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Ratgebermagazin | Erschienen am 22.10.2014
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