"Dieses Jahr fällt Weihnachten aus."

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Und ist er nicht schön, unser Christbaum: Vielen Dank unserer Mesnerin und ihren Helfern beim Fällen, Aufstellen und Schmücken!

Liebe Freundin, lieber Freund,
Jahre ist es her und ich war noch als Soldat im Einsatz.
Wie war das damals?
“Mist, Weihnachten fällt heute aus!” denke ich mir.
Mein Blick auf den Wachplan hieß Dienst an allen Tagen und das ausgerechnet über Weihnachten? Beschwerde zwecklos. Der Spieß sagt:
“Da kommt jeder mal dran. Anderen geht es genauso."
Doch warum mußte es ausgerechnet mich treffen?”
Zum Glück kann ich Vorbereitungen treffen:
Die Besuche regeln. Wann bin ich auf Wache? Heiligabend?! Ihr könntet doch am 1. Weihnachtsfeiertag kommen. Ach, das geht nicht. Vorfeiern? Am 4. Advent. Ach nein. Das ist nicht der richtige Tag.
Und so geht der Dienst los.
Ganz traurig und betrübt bin ich. Da hilft auch der kleine Christbaum nicht, den sie in der Wache auf den Tisch im Gemeinschaftsraum gestellt haben. Postendienst - und ausgerechnet ich und kein anderer. Da passiert doch sowieso nichts heute.
Aber andererseits ist es doch wichtig.
Klar, irgendwie verstehe ich es dann doch. Es muß sein, aber die anderen Kameraden feiern jetzt bestimmt schon mit ihren Lieben. Obwohl - die anderen Wachkameraden müssen auch Dienst schieben.
Will ich heute überhaupt zur Andacht gehen?
Ich hatte mich schon mal vorsichtshalber eingetragen. Doch meine Stimmung ist gerade auf dem Nullpunkt: Kein Bock für nichts!
Doch das sehe ich den Militärpfarrer durch das Haupttor fahren. Ach, das ist ja süß. Er hat seine ganze Familie dabei. Vielleicht kommt ja doch ein wenig Weihnachtsstimmung bei mir auf. Also mache ich mich auf die Socken und trotte ganz gemütlich zur Kapelle. Mich empfängt sanftes Kerzenlicht. Der Militärpfarrer ist extra hierher zu uns gekommen. Klar ist das sein Job, aber ich an seiner Stelle wäre daheim geblieben.
So sitze ich ganz allein in der Bank.
Ich habe mich von den Kameraden weggesetzt. Ich will für mich sein. In Gedanken bin ich halb daheim und halb hier. Eben singen wir ein Lied über das Kind in der Krippe. Eigentlich wie immer, doch heute so anders.
Die Weihnachtsgeschichte nach Lukas wird gelesen.
"Und die Hirten auf dem Felde hüteten des Nachts ihre Herde ...." Die hatten ja auch Dienst. Jetzt wandern meine Gedanken ganz woanders hin:
Wer wohl heute an Heiligabend alles Dienst hat?
In der Kaserne, bei der Polizei, beim Rundfunk, beim E-Werk, im Krankenhaus, im Waisenhaus, im Seniorenheim .... Eigentlich bin ich gar nicht so allein.
Mein Gefühl der Ohnmacht schwindet.
Vielen anderen geht es genauso wie mir. Und denen, die schuften, die nicht Feierabend haben, wird die fröhliche und gute Botschaft der Heiligen Nacht zuerst gebracht:
“Fürchtet Euch nicht! Siehe, ich verkündige Euch große Freude, denn Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus .... Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seiner Wohlgefallens.”
Die Weihnachtsgeschichte sehe ich auf einen Schlag in einem anderen Licht.
Aktuell ist sie.
Die Botschaft gilt mir, der ich hier gerade ganz traurig in der Bank sitze. Christus ist für mich geboren und schenkt mir seinen Frieden, der nicht von dieser Welt ist. Ob es meinen Kameraden da vorne auch so geht. Ich rücke zu ihnen auf und singen ganz laut und mächtig:
“Stille Nacht, heilige Nacht!” Und allen wird es warm ums Herzen. Wir freuen uns noch auf die kleinen Weihnachtstüten. Die Frau des Militärpfarrers hatte sie für uns vorbereitet, als wenn wir ihre großen Jungs wären. Wunderbar, denn jetzt ist doch Weihnachten in meinem Herzen angekommen.
Gleich geht es wieder raus auf den Posten.
Der Dienst geht weiter. Schön, dass der Pfarrer noch mitkommt und den Kameraden, die die Stellung gehalten haben, auch noch eine Weihnachtstüte schenkt. Ein wunderbarer Ausflug war in das Land von Weihnachten. Morgen werde ich meiner Freundin Beate davon erzählen und ihren Eltern. Irgendwas ist jetzt anders in mir. Weihnachten hat also doch stattgefunden in mir.

So das Erlebnis aus einer ganz fernen Vergangenheit.
Jetzt arbeite ich immer an Weihnachten - auch aufgrund meiner Erfahrungen bei der Militärseelsorge: Danke, lieber Mitbrüder Gerhard Herold! Ganz logisch, denn ich bin Pfarrer und ich danke Gott, dass mich sein Ruf doch noch radikalen Änderung ermutigt hat. Sonst könntet ihr das, liebe Freundin, lieber Freund, hier nicht lesen.
Ich freue mich an Heiligabend auf die vielen Menschen und bin gespannt, wenn ich alles wiedersehen werde. Und ich hoffe, dass es in den Herzen der Menschen ein wenig weihnachtlich wird an Heiligabend und die Welt ein Stückchen menschlicher wird.

In diesem Sinne wünsche ich allen Freundinnen und Freunde bei myheimat, in meiner Meitinger Johannesgemeinde, in unseren katholischen Nachbargemeinden, im Markt Meitingen und den Nachbargemeinden fröhliche Weihnachten, einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein behütetes und begeisterndes 2009: Macht es gut!

Euer Pfarrer Markus C. Maiwald aus Meitingen
(PS: Falls ich jemanden übersehen habe, dann sei ihm hier ganz herzlich gedacht.)

Und mein anderer Weihnachtsgruß ist zu finden unter:
http://www.myheimat.de/muenchen/beitrag/66102/24-d...

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18 Kommentare zum Beitrag
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Karin de Boer aus Lehrte am 23.12.2008 um 22:14 Uhr  
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Ute Kohler aus Fürstenfeldbruck am 23.12.2008 um 22:17 Uhr  
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Traute Fuierer-Suck aus Winsen (Luhe) am 24.12.2008 um 13:26 Uhr  
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Kirsten Steuer aus Pattensen am 24.12.2008 um 14:47 Uhr  
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Kirsten Steuer aus Pattensen am 24.12.2008 um 15:52 Uhr  
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Christine Eich aus Wetter am 27.12.2008 um 21:46 Uhr  
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