„Bilder, Bänke, Griffelkasten“

„Bilder, Bänke, Griffelkasten“ – so lautet die diesjährige Ausstellung des Freundeskreis Kloster Thierhaupten, die im Rahmen des Engerlmarkts gezeigt wird. Im Bild Assessors aus längst vergangenen Schultagen.
 
Exklusiv und teuer: eine Porzellan Puppe, die ein Schulkind zeigt.
Thierhaupten: Kloster | Ausstellung. Klosterfreunde versetzen Besucher mit einem historischen Klassenzimmer in eine Zeit von anno dazumal

Von Claus Braun

Thierhaupten. An den beiden ersten Adventswochenenden 2014 findet in Thierhaupten der zehnte Engerlmarkt statt. Im umfangreichen Rahmenprogramm ragt dabei die diesjährige Ausstellung des Freundeskreis Kloster Thierhaupten heraus, die sich mit einem alten Klassen-Zimmer beschäftigt.

Besucher des Klosters in Thierhaupten bewegen sich stets auf historischen Pfaden. Wer sich zur Zeit des Engelmarktes durch die weihnachtlichen Buden im Klosterhof durchgekämpft hat und das ehemalige Refektorium betritt, erlebt dies nun auch hautnah.

Abgenutzte, enge, hölzerne Schulbänke, eine große Tafel, Schulranzen aus widerstandsfähigen Ledern, Schreibzeug und der hölzerne Tatzenstock, der bei älteren Semestern ungute Gefühle auslösen wird! Liebevoll haben Mitglieder des Freundeskreis Kloster Thierhaupten e. V. ein Klassenzimmer von anno dazumal nachempfunden: hier kann die Schulbank gedrückt, auf einer Schiefertafel mit Griffel geschrieben und die alte Sütterlinschrift ausprobiert werden. Von Abacus bis Zuckertüte – ausgestellt wird alles, was zur Schule früher gehörte.

Doch damit noch längst nicht genug.
Im Mittelpunkt der Ausstellung ragen sogenannte Schulwandbilder heraus, die um das Jahr 1850 als einzige Medien in den Unterricht Einzug gehalten haben, lange bevor Overheadprojektor und Beamer das Zepter übernahmen. Für fast alle Unterrichtsfächer erschienen seit den 1870ger Jahren Hunderte von Serien mit vielen Einzelbildern. Diese blieben neben dem Schulbuch lange Zeit das einzige Medium im Klassenzimmer. Im Religionsunterricht wurden Schulwandbilder eingesetzt, um Kindern die biblische Geschichte, die Sakramente und die Frömmigkeit anschaulich einzuprägen.

So auch in Thierhaupten, wie Freundeskreis-Vorsitzender Fritz Hölzl bemerkt: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie uns der damalige Pfarrer Merk anhand dieser Bilder im Religionsunterricht die Bedeutung von Ostern, Pfingsten, Weihnachten oder die Erschaffung der Welt oder die Vertreibung aus dem Paradies beigebracht hat!“

In Thierhaupten existiert ein Band mit 30 Kartons, auf denen beidseits insgesamt 60 Bilder aufgedruckt sind. Dieser Band war seit dem Jahr 1954 auf dem Dachboden des Thierhaupter Bürgers Clemens Schreier eingelagert, der ein Jahr vor seinem Tod im Jahr 2009 Kontakt mit dem Freundeskreis-Vorsitzenden aufnahm und ihm diesen Schatz vertrauensvoll anvertraute. Nach genau 60 Jahren erblicken diese Bilder nun wieder das Licht der Öffentlichkeit, die im Jahr 1913 im Mosella-Verlag Trier gedruckt wurden und vom im Jahr 1866 in Innsbruck geborenen Maler und Illustrator Philipp Schumacher gestaltet wurden.

Für Claudia Drachsler, Volkskundlerin und eine der Macherinnen der Ausstellung, zeigen die Bilder den pädagogischen Anspruch, kindgerecht, ohne viel Beiwerk, nur auf die Personen und die Szenerie mit eindeutigen Darstellungen gerichtet, das Thema zu erkennen. Die in der Ausstellung zu sehenden 23 Bilder bestechen durch eine starke Farbigkeit und kräftige Rot-, Grün-, Blau- und Gelbtöne und kontrastieren miteinander. Die Werke Schumachers erinnern ferner an die Plakatkunst der Jahrhundertwende, informiert Claudia Drachsler weiter.

Als weiteres „Zuckerl“ für Groß und Klein werden an jedem Tag der Adventsausstellung jeweils um 16 Uhr mit dem alten Filmprojektor, der in den 1950 bis 1960ger Jahren in der Thierhauptener Volksschule benutzt wurde (ein Elektor-Junior 16 mm) verschiedene Schulfilme aus der damaligen Zeit gezeigt. Zur Aufführung kommen beispielsweise "Der Schornsteinfeger kommt", "Der Schneemann", "Quick, das Eichhörnchen" oder "Karius und Baktus". Die Filme sind größtenteils schon sogenannte Lichttonfilme, also nicht mehr „stumm“ und manche auch schon farbig.

Einen interessanten Einblick gewähren die Klosterfreunde, die seit dem vergangenen Jahr in Besitz einer großen Weihnachtskrippen-Sammlung sind, die Grundstock eines Krippenmuseums werden soll, in den Fortgang der Arbeiten und Entwicklung zum Museum und zeigen ausgewählte Stücke aus der Sammlung Reiter.

Info:
Die Ausstellung „Bilder, Bänke, Griffelkasten“ ist an den Tagen des Engerlmarkts jeweils von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderführungen für Gruppen ab zehn Personen können unter der Telefonnummer 08271/4264045 vereinbart werden. Unkostenbeitrag: 1,50 €.
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