Mein Vater ist verschwunden - 2. Versuch, d.h. ohne alle Gruppen dabeizuhaben

Mal sehen, ob es klappt!

Liebe Leserin, lieber Leser,
„Mein Vater ist einfach verschwunden.
Seit drei Tagen kein Lebenszeichen mehr von ihm.
Wissen Sie vielleicht, wo mein Vater ist?“
Ja, so saß sie vor mir.
Angst und Verzweiflung waren
in ihr Gesicht geschrieben.

Schleichend hatte es angefangen.
Er war arbeitslos geworden,
der Vater, der schon lange Witwer war
– zusammen mit vielen seiner Kollegen,
doch ihr Vater konnte irgendwie nicht damit umgehen.
Die Arbeit war ihm ein und alles gewesen.
Und je länger er arbeitslos war,
desto mehr war er verwahrlost.
Er hat sich nicht mehr rasiert,
war nicht mehr zum Friseur gegangen,
hatte nur noch seine ältesten Klamotten angezogen.
Immer tiefer und tiefer ist er in ein Loch gefallen.

Die Versuche,
den Vater mit ehemaligen Arbeitskollegen
zusammenzubringen, scheiterten.
Die mit ihren komischen Hobbys
schimpfte er immer nur.
Sie verplempern doch nur ihre Zeit.
Auch seine Versuche,
wieder Arbeit zu finden, scheiterten.
Nur noch eine Fabrik
gab es in der Region,
die seinen Beruf brauchen könnten,
doch es gab jüngere, fittere Bewerber.
Einen nieder qualifizierten Job
wollte er nicht annehmen,
sich umschulen lassen auch nicht.
Er hätte ja seine Zeit
mit seinen Enkelkindern verbringen können,
doch schon bei seinen Kindern
fand er nicht in die Vaterrolle hinein.
Er war eben der fleißige Familienvater,
der Geld nach Hause brachte.
Er konnte schon mit seinen Kindern nichts anfangen.

So sei er halt, der Vater.
Ohne Arbeit,
ohne dass er Geld nach Hause bringt,
denkt er,
dass sein Leben sinnlos ist.
Doch Vatersein ist doch mehr.
Trotzdem liebe sie ihn sehr,
obwohl ihm ihre Gefühle gar nicht recht waren.
Auch seinen Kindern habe er
dieses Arbeitsethos
einimpfen wollen.
Nie habe er zu seiner Tochter gesagt:
„Werde glücklich!“
Sondern stets habe er gesagt:
„Sei ein braves und fleißiges Mädchen!“
Vermutlich würde sich das Glück dann schon einstellen,
doch ihr Vater habe nie glücklich ausgesehen.

Ich ging mit ihr gemeinsam rüber in unsere Kirche,
um all ihre Sorgen um ihren Vater vor Gott zu bringen.
Da saß er dann, der Vater.
Offensichtlich total übernächtigt,
total in sich zusammengesunken.
Sie rannte auf ihn zu, umarmte ihn
und sagte nur:
„Papa, was machst nur Du für Sachen?
Ich brauch Dich doch noch.“
Der Damm war gebrochen
und er fing bitterlich an zu weinen.

Jetzt ist schon wieder eine Menge
Wasser den Lech hinunter geflossen.
Er hat eine Arbeit bei der Diakonie gefunden.
Es ist nicht mehr so viel Geld wie vorher,
aber eine soziale, ihn erfüllende Arbeit
mit jungen Menschen,
denen er seine handwerklichen Fähigkeiten
weitergeben kann.
Und seine Enkelinnen schnitzen
leidenschaftlich gern zusammen mit ihrem Opa.

Er war im wahrsten Sinne
wieder auferstanden,
er, der mitten im Leben schon tot war.
Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser,
stets eine Perspektive in Ihrem Leben,
einen Lichtblick, wenn Sie ihn nötig haben,
und Menschen, die sie auch in der Depression
in ihrem Leben halten können,
weil sie Sie brauchen.
Eine wahre Himmelfahrterfahrung?
Ja, ich glaube schon.
Auch Ihnen immer wieder
solche Himmelfahrterfahrungen:
Machen Sie es gut
und seien Sie gesegnet!

Ihr Pfarrer Markus Maiwald aus Meitingen

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5 Kommentare zum Beitrag
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Markus Christian Maiwald aus Meitingen am 02.06.2011 um 17:22 Uhr  
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Sigrid Wagner aus Neusäß am 02.06.2011 um 18:18 Uhr  
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