Es ist doch ganz leicht
Liebe Leserin, liebe Leser,
ich bin in den Alpen beim Wandern.
Ich sehe einen alten Mann.
Langsam müht er sich den Berg hinauf.
Ich komme ihm immer näher.
Da höre ich es hinter mir schon schnaufen.
Ein junges Mädchen kommt relativ schnell den Berg hinauf.
Auf seinem Rücken hat es einen kleinen Jungen.
Das Mädchen schwitzt vor lauter Anstrengung.
Trotzdem hat es ein Lächeln auf dem Gesicht.
„Na, da hast Du aber eine Menge zu schleppen.
Ist Dir der kleine Mann auf dem Rücken nicht zu schwer?“
So der alte Mann.
Sie lacht ihn an, während sie an ihm vorüberzieht.
Sie sagt:
„Nein, er ist doch keine Last.
Es ist doch mein Bruder.“
Eine schlichte Antwort, die mich betroffen macht,
die mich zum Nachdenken anregt.
Jemand hat schwer zu schleppen.
Er muss alle Kraft aufbringen,
um voranzukommen
und empfindet es doch nicht als Last.
Warum nicht?
Ich denke an Hannelore.
Ihr drittes Kind ist behindert.
Nie hätte sie es abgetrieben,
wie es ihr der Arzt sofort empfohlen hatte.
„Das machen heute die meisten Paare.“
So seine Worte.
Es ist keine Last,
es ist ein Geschenk,
es ist ihr Sonnenschein,
ein Himmelsgeschenk,
auch wenn es eine Menge
Arbeit und Mühe macht.
Ich denke an Heinz.
Schwer krank ist die Liebe seines Lebens geworden.
Nach einem schweren Schlaganfall
kann sie sich überhaupt nicht mehr helfen.
Jetzt hilft er ihr:
„Es ist doch völlig klar,
dass ich sie jetzt nicht im Stich lasse.
Sie hat mir doch so viele schöne Tage geschenkt.“
An manchen Tagen muss er ganz schön kämpfen,
doch stets hat er ein Lachen auf seinen Lippen
wegen dieser lieben Pflicht.
Er ist doch der allerbeste Altenpfleger für seine Frau,
sagen die Damen der Sozialstation.
Und wenn sie ihn
in einen ihrer wenigen lichten Momenten
anlächelt, dann öffnet sich ihm der Himmel.
Ich denke an Hans.
Als er sie heiratete, wusste er,
dass es jeden Augenblick zu ende sein kann.
Von Geburt an hing ihr Leben an einem seidenen Faden.
Er wusste von ihren Rückschlägen,
doch dieses Mal klappte es nicht mehr.
Sie schaffte es nicht mehr.
An ihrem Grab sagte er zu mir:
„Herr Pfarrer,
vorher hätte ich das nicht geglaubt,
aber trotz ihrer Krankheit oder
gerade wegen ihrer Krankheit
habe ich sie noch viel mehr
lieben gelernt.
Wir haben jeden Augenblick
miteinander genossen,
nicht nur die leichten,
sondern auch die schweren.
Sie war keine Last.“
Und ich denke an Harald,
den alten Panzerfahrer.
Strahlend erzählt mir
der alte Haudegen und
liebenswerte alte Herr,
wie er einen Kameraden
aus dem brennenden Panzer
gezogen unter höchster Lebensgefahr.
„Ich habe in diesem Augenblick
gar nicht nachgedacht.
Er war doch mein Kamerad.“
Ja, woher kommen diese
aufopfernden Kräfte?
Sie wurzeln in der Liebe,
in der Zuneigung,
in der Freundschaft,
in der Kameradschaft.
„Einer trage des anderen Last.
So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
So schreibt es Paulus
in sechsten Kapitel
seines Briefes
an die Galater.
Füreinander einstehen von sich heraus.
Der Andere in der Not wird
ganz automatisch zum Nächsten,
zur Schwester, zum Bruder,
auch wenn er vorher oft
ein Fremder war.
Was für ein Gegensatz?
Was höre ich oft?
„Was geht mich der andere an?
Soll er doch selber sehen,
wie er fertig wird?
Mir hat auch keiner geholfen.“
Und das in Deutschland
mit seinen funktionierenden
Sozial- und Gesundheitswesen.
In der absoluten Wildnis
würde ich diesen Spruch
nachvollziehen können,
aber nicht hier.
Oder
Vergeltung statt Vergebung:
„Auge um Auge,
Zahn um Zahn
- und das bis ans Grab!“
Am Ende sind alle blind
vor Hass.
Keiner wollte das so,
aber wie oft ist das so
und keiner will Schuld
gewesen sein.
Doch wir sind alle Menschen
mit hohen Ansprüchen und
Maßstäben, denen wir selbst oft
nicht gerecht werden.
Wir verzagen,
wir ziehen uns zurück,
wo Hilfe nötig wäre.
Einer nahm das Kreuz auf sich,
weil in jedem von uns
seine Schwester, seinen Bruder
sieht.
Ja, lasst es uns selber öfters sagen:
„Sie ist doch meine Schwester.
Er ist doch mein Bruder.“
Und dann lasst uns zupacken,
liebe Leserin, lieber Leser.
Unsere Welt würde eine bessere Welt.
Machen Sie es in Jesu Namen gut!
Ihr Pfarrer Markus Maiwald aus Meitingen
Mein Mann hatte vor einem Jahr eine sehr schwere Operation, ich bin bei ihm geblieben vom frühen Morgen bis in die Nacht auch auf der Intensivstation. Alle sagten zu mir, ich solle mich doch lieber ausruhen er würde doch gut versorgt. Aber ich habe diese Aufgabe nie als Last gesehen, sondern als Freude, dass ich die Kraft hatte ihm durch diese schwere Zeit zu helfen. Danke für den nachdenklich machenden Bericht und die eindruckvollen Bilder. G. Rashia
Ja, in der Liebe können wir Berge versetzen, oder?
Das sind wieder schöne Gedanken, Markus. Vielen Dank! Du machst einen guten Job hier auf Myheimat ;-)
Vielleicht ist die Last, mit Liebe getragen, kein Gewicht, dass uns niederdrückt, sondern ein Motor, der uns antreibt!
Danke Markus!
Das beste Schuhwerk ist immer noch die Liebe - mit ihr läuft man leichter durchs Leben!
Gute Dedanken über dieses Thema und sehr schöne Bilder.
Gruß Hermann.
Vielen Dank für Deine Zeilen. Haben mich sehr berührt. LG Christiane
Was pflegende Angehörige und Eltern behinderter Kinder leisten, ist überhaupt nicht zu ermessen. Das kann man vermutlich hier auf Erden gar nicht gutmachen.
Wunderschöne Zeilen und wunderbare Bilder. Das Leben kann doch ganz einfach sein.
Das ist wieder ein ganz bedeutender nachdenklich stimmender Beitrag von dir mit tollen Fotos.
Dafür gibt es , für mich nur ganz wenig Worte.
Ich kann nur sagen, das ist Liebe.
Die Liebe zum Mitmenschen, zum Familienmitglied, zum Partner , zum Freund. einfach nur eine ganz besondere Liebe.
Ich wünsche uns allen, dass uns so eine wunderbare Liebe trägt und begleitet und dass auch wir fähig sind, so zu lieben.
Danke für den Beitrag, er hat mich sehr berührt.
Da kann ich mich nur den Kommentaren noch anschließen, gute Gedanken und ein toller Bildbeitrag dazu!
LG Wolfgang
Liebe deinen Nächsten wie dich selbst . . . danke Markus für die wunderbaren Gedanken.
Liebe Grüße von Heidi aus Nördlingen






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