Das Ende des Schweigens

Zwar ein anderer Turm, nämlich der Turm der Johanneskirche: Er ruft uns zum Gottesdienst!

Liebe Leserin, lieber Leser,
eine wunderschön traurige Geschichte
mit einem Happyend
hatte sie mir erzählt,
die alte Dame.
Ich besuchte sie anlässlich
ihres runden Geburtstages.

Sie erzählte
von einer beschwerlichen
Kindheit und Jugend.
Ihr Vater war Glöckner.
Sie wohnten oben auf dem Kirchturm.
Sie als Familie mussten regelmäßig
die Glocken läuten,
schauen, ob alles in Ordnung ist.
Der Weg rauf und runter war beschwerlich.
Alles musste die engen Stiegen
hinaufgetragen werden – jedes Stück Brot.
Doch der schlimmste Tag für sie
als Familie war,
als die Glocken wegkamen.
Sie wurden Waffen.
Sie mussten runter vom Turm
und ihr Vater musste in den Krieg ziehen.
Ab sofort lebten sie im Keller,
in einem Luftschutzkeller bei Bombenalarm
oder in einer kleinen und dunklen,
engen und niedrigen Erdgeschosswohnung
der mittelalterlichen Stadt.
Kein Weitblick mehr,
nur noch Enge und Angst.
Als Kriegsversehrter kam der Vater
nach langer Gefangenschaft zurück.
Endlich war die Familie wieder vereint.
Doch richtig leuchtende Augen
bekam ihr Vater wieder,
als nach 19 Jahren Schweigen
die Glocken wieder erklangen.
„Mit dem Ende des Schweigens
begann für meinen Vater wieder das Leben.“

Ja, liebe Leserin, lieber Leser, mögen Sie
nie so lange Zeiten des Schweigens erleben.
Möge jedes Schweigen - in Ihnen
und zwischen Ihnen und einem geliebten Menschen -
wieder voller Leben und Freude werden.
Mögen Sie nach Zeiten der Dürre
wieder die Melodie Ihres Lebens finden.
Ihnen klingende Tage:
Seien Sie behütet – und machen Sie es gut!

Ihr Pfarrer Markus Maiwald

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12 Kommentare zum Beitrag
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Uwe Eden aus Wuppertal am 17.04.2011 um 00:52 Uhr  
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