Adventsperle 2: Jesus zieht in Jerusalem ein.

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Fasziniert bin ich von der Schlichtheit der Waldenser Kirche. Ein anderes Kirchlein bekam ich letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt: Ein wunderbares Vogelhäuschen - danke! Versuchen wir es doch einmal schlichtweg mit der Menschlichkeit- so wie Jesus!

Lieber Leserin, lieber Leser,
eigentlich schon merkwürdig, dass das Evangelium am 1. Advent für uns eigentlich zum Psalmsonntag gehört, der den Beginn der Karwoche einläutet:
Jesus zieht in Jerusalem ein.

Was für ein Reittier wählt Jesus aus?
Er wählt kein Streitross, sondern eine Eselin, das Reittier der armen Leute, ein Zeichen der Armut und Niedrigkeit. Er ist dadurch mit den Menschen auf gleicher Augenhöhe oder auch bei großen Menschen etwas niedriger.

Dieser Einzug nach Jerusalem war eben sein bewußtes Gegenprogramm.
Eigentlich wollten die Menschen, die Hosianna schrieen, etwas anderes. Aber Jesus sagte den Menschen damals und uns heute:
Heil kommt nicht durch die Macht, sondern von der Ohnmacht.

Nicht durch Waffengewalt kommt die Rettung, sondern sie gibt in der Ohnmacht: Im Verzicht auf alles Imponiergehabe kann sich das Rettende entwickeln. Und schließlich mit Blick auf uns Menschen:

Leben, wirkliches Leben kann es nur geben für uns, wo wir Tod, Sterben, die Erfahrung von Scheitern und Verlust eben gerade nicht verdrängen, sondern wo wir tapfer standhalten. Das gilt für Jesus, aber auch für uns. Wo wir vor all diesen Erfahrungen davonlaufen, werden uns diese immer wieder erreichen, denn sie gehören zum wahren Leben dazu.

Dieses Gegenprogramm steht den Wünschen von uns Menschen, unseren Vorstellungen von Rettung und Heil, im Weg:
Genau dieses Gegenprogramm schlägt aber auch den Bogen vom Palmsonntag, an dem der eigentliche Einzug nach Jerusalem stattfand, zum heutigen ersten Advent.

Nicht von den Kriegern und Siegern, deren Ziel es ist, alles und alle platt zu machen, eben zu besiegen, von Machern und Bestimmern, von denen ganz oben in Wirtschaft und Politik ist Rettung für diese Welt zu erwarten, ist Heil für uns selbst zu erhoffen. Nein, denn Heil und Errettung erwarten wir durch das Kind in der Krippe, dem Neugeborenen im Stall zu Bethlehem. Denn, in keinem anderen ist Heil und Heilung als in jenem Mann, der auf einer Eselin in Jerusalem einzieht.
Das Reittier schlägt eben die Brücke auch nach Bethlehem.
Zwischen Eselin und Jesus gibt es eine Wahlverwandtschaft: Er läßt sich bepacken, auch wenn er selbst unter der Last fast zerbricht. Er wirft sie nicht ab. Er hat den Schrei des geschundenen Lebewesens gehört als Startschuß für eine Wende.

Was bedeutet das für uns?
Jesus liebt den Frieden, ist bereit Lasten zu tragen. So macht er sich auf den Weg zu uns. Er kommt nicht zu uns, um bei uns Staat zu machen sondern um uns zu zeigen, wie Gott ist. Gott will keine Welt, wo sich Menschen aufopfern, wo Menschen irgendwelchen vermeintlich hehren Zielen geopfert werden, auch weil die Welt sich nicht so leicht einteilen läßt in Gute und Böse, Gerechte und Ungerechte.

Wir alle stehen doch auf beiden Seiten.
Die Politik der Liebe, die Jesus betreibt, braucht nicht die Gegengewalt. Er bedient sich nicht militärischer Gewalt, auch wenn sie vielleicht der Durchsetzung des Friedens dient. In Jesus, dem Mann auf der Eselin, kann ich Politik und Religion nicht vorschnell verwechseln. Mit Jesus gewinne ich keine billige Politik, sondern wertvolles, weil heiliges Leben. Die Eselin und ihr Füllen: neues und beschütztes Leben. Nur ich selber muß auf die Spur dieser Eselin und dieses Mannes treten.

Eine gesegnete Spurensuche wünsche ich Dir und Ihnen: Mach/ Machen Sie es gut!

Dein/ Ihr Pfarrer Markus C. Maiwald aus Meitingen

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Roland Greißl aus Fuchstal am 30.11.2008 um 01:03 Uhr  
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