17. Türchen: Wo ist der König des Friedens?

Die Nacht ist schon ganz lang, der Tag bricht bald an. Dem alle Engel singen, erscheint als Kind in der Krippe.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wo ist der König des Friedens?
So werden sie uns fragen.
Sie werden mit ihren Augen in der Welt umherschweifen.
Und sie werden ihn suchen,
diesen König des Friedens.

Sie werden über die Felder des Krieges schweifen.
Sie werden mit Entsetzen im Blick
auf das Elend in den Slums der Städten reagieren,
weil sie die Gegensätze zwischen ihnen und
dem Glanz und Glamour der Innenstädte
und dem Prunkt der vorstädtischen Villenwelt
schier nicht aushalten können.

Sie werden immer mehr
Orte der Ungerechtigkeit,
Gewalt und Unterdrückung
entdecken,
an denen die Würde des Menschen
mit Füßen getreten wird.
Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf,
werden sie in ihren Herzen denken.

Und stakkatoartig werden sie
ihren Hilfeschrei gen Himmel richten:
Ja, wo ist der König des Friedens?
Wann kommt der König des Friedens?

Gegeben ist er ihnen schon in einem Unort
- nichts anderes bedeutet das Wort Utopie.
In seinen Visionen träumen sie
von einem König des Friedens
und werden endlich aufstehen
gegen das Unrecht und die Unterdrückung.

Sie werden sich sagen:
"Es gibt nichts gutes, außer man tut es."

Welches Reich des Friedens dieser König schenkt,
beschreibt ihnen der Gottesmann Jesaja:
"Ehemals verfeindetes wird in Frieden zusammenleben
- Lämmer und Wölfe, Panther und Böcke.
Kleine Kinder und junge Löwen
werden zusammen sein.
Der Säugling wird an der Höhle der Giftschlange spielen
und es wird ihm nichts passieren.
Weil sie Gott und seinen Willen im Herzen haben,
werden die Menschen nichts Böses tun.
So wird es sein, wenn er kommt.
Und die Völker der Welt werden fragen:
Wo ist der König des Friedens?" (nach Jesaja 11)

Und bei mir ist es genauso.
Verliere ich meine Träume und Visionen
von einer besseren Welt,
resigniere ich, gebe ich frustriert auf,
dann habe ich und die Welt wirklich verloren.
Deswegen werde ich weiterhin träumen,
mich sehnen und handeln.
Ich will selber an ihnen festhalten -
egal, wie klein und unscheinbar sie mir erscheinen.
Ein Platz hat der Unort schon hier,
nämlich in meinem Herzen.
Sie sind wichtig - nicht nur im Kleinen,
sondern auch im Großen, meine Utopien,
die mir ein Stück weit den Himmel öffnen.

Mögen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, niemals
Ihre Unorte, Ihre Utopien,
Ihre Lebensträume und Sehnsüchte verlieren.
Bleiben Sie am Ball,
damit der König des Friedens einziehe
in Ihrem Herzen und er Frieden findet.
Machet die Tore weit und Türen in der Welt hoch,
damit dieser König der Ehren einziehe.

Ihnen weiterhin eine besinnliche Adventszeit: Machen Sie es gut!

Ihr Pfarrer Markus Maiwald aus Meitingen

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