Wenn die Mutter mit der Tochter …

Mutter und Tochter beim Musizieren im Kursana Domizil Markkleeberg.
Markkleeberg: Kursana | Markkleeberg. „Komm` Mutti, du nimmst die kleine Trommel!“ Ausreden gibt es nicht, das weiß natürlich Ingeborg Heinicke. Die so Angesprochene versucht erst gar nicht, sich vor dem musikalischen „Auftritt“ zu drücken - warum auch? Ist irgendwo ein Musikinstrument greifbar, dann zögert sie nicht lange und legt los. Die 90-Jährige hat seit ihrer Kindheit kaum ein Instrument ausgelassen. „Klavier, Gitarre, Flöte, was man eben so als Kind gespielt hat. Manchmal hatte ich zwar keine Lust, wollte lieber raus spielen gehen, aber meine Eltern waren da unerbittlich“, sagt die pensionierte Lehrerin, die seit drei Jahren im Kursana Domizil Markkleeberg lebt. Was nun wiederum ihre Tochter zum Schmunzeln bringt. „Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Du hast ja auch immer sanften Druck ausgeübt, damit wir Kinder ja unsere Musik nicht vergessen. Zum Glück, sage ich heute.“

Tochter Sabine Steinert, 69, gleichfalls pensionierte Lehrerin für Musik, Deutsch und Englisch, nimmt den Triangel, drückt ihrer Mutter die Trommel in die Hand. Ein paar kleine Schläge, und schon hallen Rhythmen durch den Saal. Das „Markkleeberger Café“ steht wieder auf dem kulturellen Tagesplan, eine Veranstaltung, die im Domizil schon eine mehr als sechsjährige Tradition verkörpert. Unter Federführung von Jennifer Stolle-Müller sind hier die Bewohnerinnen und Bewohner alle zwei Wochen eingeladen, um in gemütlicher Runde Geschichten zu erzählen, Musik zu lauschen oder gemeinsam zu singen.

Diesmal geht es nun um Hausmusik - und wer kann darüber besser sprechen und dazu musizieren, als Tochter Sabine Steinert und Mutter Ingeborg Heinicke? Hausmusik steht nämlich schon Jahrzehnte in der Familie auf der Tagesordnung. Auch heute noch ist es gar nicht selten, dass sich die ganze Familie trifft, um gemeinsam zu musizieren. Und ganze Familie heißt in dem Fall durchaus auch mal 15 Leutchen - von der Uroma bis hin zu Schwiegerkindern und Enkeln. „Das ist immer ein großer Spaß für uns alle, denn jeder in unserer Familie beherrscht zumindest ein Instrument.“ So Sabine Steinert, die nicht zum ersten Mal im „Markkleeberger Café“ zu Gast ist. Diesmal bringt sie einige so genannte Orffsche Instrumente mit, also beispielsweise Glockenspiele, Trommeln oder Triangeln, mit denen man das musikalische Rhythmusgefühl bei den Senioren wieder wecken kann. „Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich beim bloßen Erklingen von Triangel-Takten an die eigene Kinder- und Jugendzeit erinnert, spontan zu singen beginnt.“

Eine kleine Probe gefällig? Kein Problem für Ingeborg Heinicke und ihre Tochter Sabine. Wenn die Mutter mit der Tochter auf die Trommel haut oder den Triangel anschlägt, dann erklingt da plötzlich der allen Zuhörern bestens bekannte Rhythmus vom „Hänschen klein“ - und alle singen mit.
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