Sieg in vorletzter Sekunde

Katlyn Yohn (links, hier im Hinspiel) erzielte in Osnabrück den Siegtreffer für Marburg. (Foto: Peter Voeth)
Planet-Cards-DBBL: GiroLive-Panthers Osnabrück – BC Pharmaserv Marburg 78:81 (68:68) n.V.

Die Pechsträhne des Pharmaserv-Teams ist gerissen. Die der Panthers hält an. Mit fatalen Folgen. Marburg feiert nach vier Niederlagen wieder ein Erfolgserlebnis und geht sicher als Fünfter in die Playoffs. Osnabrück dagegen steht nun als Absteiger fest.


Was für ein Drama. Nicht immer schön. Viele Fehler, Bodenkämpfe, Haltebälle. Aber immer spannend. Bis zur letzten Sekunde. Und sogar noch eine länger. Mehrfach schien eine Mannschaft die Kontrolle zu gewinnen. Jedes Mal kam der Gegner wieder auf. Drehte den Spieß um. Alles auf null.

Sechs Sekunden noch in der Verlängerung. 78:78. Marburg am Ball. Katlyn Yohn drückt aus der linken Ecke hinter der Dreierlinie ab. Die Uhr tickt runter: drei, zwei, eins... drin! Aus, aus, aus. Aus. Das Spiel ist aus! Leider nein. Die Schiedsrichter lassen die Uhr auf eine Sekunde stellen. Einwurf Osnabrück. Verzweiflungswurf von der Mittellinie. Stille. Klonk. Ring. Raus. Rum. Marburg gewinnt.

Alles vorher war Makulatur, sei dennoch kurz erzählt. 19:11 Osnabrück (7. Minute). 24:23 nach dem ersten Viertel. 37:32 nach 16 Minuten. Zur Halbzeit dann Marburg 40:39 vorn. Nach 30 Minuten gar 56:51. Osnabrück kontert: 57:56 (32.). Viel schmerzlicher für Marburg aber: die Verletzung von Patricia Benet. Die lädierte linke Ferse will nicht mehr. Nach dem berufsbedingten Fehlen von Julia Gaudermann steht der BC ohne etatmäßige Aufbauspielerin da. Die Aushilfe aus dem Regionalliga-Team, Jana Putz, hatte in der ersten Hälfte schon einen Schlag aufs Ohr bekommen. Diagnose: Trommelfellriss.

Osnabrück beim 68:63 und nur noch 2:23 Minuten auf Siegkurs. Katlyn Yohn 65 Sekunden vor Ende des vierten Viertels zum 65:68. Ballgewinne, Fehlwürfe, Ballverluste. Bei 18 Sekunden Yohns sechster Dreier zum Ausgleich. Ballbesitz Osnabrück zum Sieg. Fehlwurf. Rebound Marburg. 40 Minuten vorbei.

In der Verlängerung sorgt Marburgs Finja Schaake im Alleingang mit zehn Zählern für das 78:70 – zwei Minuten vor dem Schluss scheinbar die Entscheidung. Doch beim Pharmaserv-Team fehlt die ordnende Hand. Osnabrück nutzt die Schwächen und gleicht sechs Sekunden vor dem Ende auf 78:78 aus. In einer Auszeit sagt der BC-Coach den letzten Spielzug an. Der klappt nicht. Aber wer trifft, hat Recht.


Patrick Unger (Trainer Marburg):
„Nach vier Niederlagen wollten wir mal wieder gewinnen. Das tut echt gut. Je länger das Spiel gedauert hat, umso besser haben wir uns reingekämpft. Da hat Birte an ihrem Geburtstag ihrem Team gezeigt, wie es geht. Katie hat uns immer wieder im Spiel gehalten. Unsere Führung zur Halbzeit hätte auch höher sein können. Wir haben gut verteidigt aber insgesamt sehr viele Höhen und Tiefen gehabt. Am Ende haben wir dann auch die freien Bälle bekommen. Ich muss vor den Osnabrückerinnen den Hut ziehen, wie sie gekämpft haben. Wir waren phasenweise zu weit weg vom Gegner. In der Verlängerung hat Finja das Spiel gut gelesen und wichtige Punkte gemacht. Die vielen Ballverluste in der Schlussphase waren ärgerlich. Aber wir hatten auch keine echte Aufbauspielerin mehr. Den letzten Wurf wollten wir eigentlich ganz anders spielen. Katie sollte den Ball gar nicht bekommen. Da hatten wir ein bisschen Glück, denn der Wurf war auch noch gut verteidigt. Das war wohl das Glück des Tüchtigen.“

Julia Köppl (Spielerin Marburg):
„Es ist gut für den Kopf, mal wieder ein knappes Spiel zu gewinnen. Man muss bedenken, dass es für Osnabrück um alles ging. Das hat man auch gemerkt. Die Stimmung in der Halle war echt gut. Mannschaft und Zuschauer haben jeden Korb gefeiert. Sie sind immer drangeblieben und haben jeden Fehler ausgenutzt, wie unser schlechtes Rebounding. Ohne unsere normalen Aufbauspielerinnen war es natürlich eine Umstellung. Am Schluss hat es unsere Defense rausgerissen. Birte und Svenja haben da gut rotiert. Und Finja hatte ihren 10:0-Run.“

Juliane Höhne (Trainerin Osnabrück):
„Wenn man sieht, wie knapp wir zuletzt einige Spiele verloren haben, bekommt man den Eindruck, dass es einfach nicht hat sollen sein. Die Mädchen haben toll gekämpft. Wenn man in der Verlängerung einen Acht-Punkte-Rückstand aufholt, hätte man eigentlich verdient, zu gewinnen. Aber das ist schwer, wenn der Gegner 48 Prozent seiner Dreier trifft. Ich kann aber niemandem einen Vorwurf machen, da war immer eine Hand im Gesicht. Kompliment an Katie Yohn, dass sie die entscheidenden Würfe getroffen hat.“


Fun Fact: Katlyn Yohn ist die erste Marburgerin, die in einer Saison in mehr als zwei Pflichtspielen sieben oder mehr Dreier in einem Spiel erzielt.

Fail Fact: Die Rebound-Bilanz von 33:52 und -19 ist Marburgs schlechteste dieser Saison.


Statistik
Viertel: 24:23, 15:17, 12:16, 17:12, 10:13.
Osnabrück: Airosa Livulo 13 Punkte (8 Rebounds, 3 Assists), Dölle (n.e.), Ederaine 6 (7 Reb.), Hanson, Knopp 8/2 Dreier, McDaniel 13 (12 Reb., 4 Ass.), Müller (n.e.), Thomas 19 (10 Reb.), Wegner 9/1, Wellers 10.
Feldwürfe 43 Prozent (32/75), Freiw. 73 Prozent (11/15), Reb. 52 (def. 35), Turnovers 22, Ass. 11, Steals 14, Blocks 6, Fouls 14.
Marburg: Baker 9/1, Benet 6, Greunke 8/2 (8 Reb.), Köppl (3 Ass.), Lee 7/1, Putz, Schaake 22/1, Thimm 5 (3 Steals), Winterhoff, Yohn 24/7.
Feldw. 38 Prozent (29/77), Freiw. 79 Prozent (11/14), Reb. 33 (d. 23), TO 16, Ass. 9, St. 20, Bl. 2, F. 19.
Schiedsrichter: Kaveh, Sirowi. Zuschauer: 900
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