Solaranlagen – in Marburg Pflicht, in Afrika eine Hilfe für werdende Mütter

von Andrea Kornek aus Marburg | am 14.04.2009 | 430 mal gelesen | 0 Kommentare | 0 Bildkommentare | 2 Bilder
Mutter, die ihr Kind im Geburtshaus in Bo bei Schwester Theresa zur Welt gebracht hat
 
Hebamme und Krankenschwester Theresa Mansaray, Leiterin des Geburtshauses in Bo

Sierra Leone hat neben Angola die höchste Kinder- und Müttersterblichkeitsrate der Welt. Dabei können schon einfachste Maßnahmen, wie die Installation einer Solaranlage, die Versorgung für werdende Mütter verbessern. Zusammen mit den Ingenieuren ohne Grenzen e.V. unterstützt die Marburger Hilfsorganisation Terra Tech e.V. auf diese Weise ein Geburtshaus Nahe Bo, der zweitgrößten Stadt Sierra Leones.

Pro 1.000 Geburten sterben in Sierra Leone ca. 160 Kinder, die Müttersterblichkeit liegt bei 2.100 pro 100.000 Geburten. Ursache hierfür ist die desolate medizinische Versorgung in dem westafrikanischen Land, das sich noch immer nicht von den Folgen des 2002 beendeten Bürgerkriegs erholt hat. Seit Jahren ist die wirtschaftliche Lage angespannt, und vor allem Frauen haben trotz harter Arbeit kein geregeltes Einkommen. Als werdende Mütter stehen sie vor dem Problem, nicht die anfallenden Kosten für die Untersuchungen während der Schwangerschaft und für eine betreute Geburt aufbringen zu können. So liegt die Sterblichkeitsrate von Müttern in Sierra Leone ca. 250 Mal höher als in Deutschland.
Aufgrund dieses Zustandes unterstützt Terra Tech seit 2001 das Geburtshaus „M. M. Maternity Clinic“ in Bo. Die Einrichtung, die von der Krankenschwester und Hebamme Theresa Mansaray geleitet wird, führt Geburten, Vorsorgemaßnahmen sowie Impfungen bei Kindern und Müttern durch und hat seit ihrer Eröffnung regen Zulauf.
Nun will der Marburger Verein zusammen mit der Organisation Ingenieure ohne Grenzen aus Marburg das Geburtshaus mit der Installation einer Solaranlage unterstützen, die eine ausreichende Versorgung mit Licht und anderen technischen Geräten erlaubt. Vor allem dient die Einrichtung einer eigenständigen Stromversorgung dazu, die Arbeit des Geburtshauses bei Nacht zu erleichtern. Den Aufbau der Anlage und eine technische Einweisung der Belegschaft übernehmen die Ingenieure ohne Grenzen. Die Installation erfolgt während einer Projektreise im Mai. Mit dabei wird auch Dr. Gangolf Seitz sein, Arzt aus Gossfelden und Vorstandsmitglied von Terra Tech. Die Kosten der Anlage in Höhe von 4.000 Euro wurden von der Deutschen Botschaft in Sierra Leone übernommen.
Spenden helfen darüber hinaus, die Versorgung der werdenden Mütter mit Medikamenten, Impfungen, Moskitonetzen und der Beschäftigung einer weiteren Hebamme zu verbessern. Eine Unterstützung ist über das Spendenkonto 44440 von Terra Tech e.V. bei der Sparkasse Marburg-Biedenkopf (BLZ 53350000), Stichwort „Geburtshaus Bo“ möglich. Weitere Informationen sind über www.terratech-ngo.de erhältlich.

Sierra Leone - Hintergründe:
Noch immer leidet Sierra Leone unter den Folgen des Bürgerkrieges, der das Land in den 90er Jahren erfasste. Während des Krieges gingen Rebellen (Revolutionary United Front) mit äußerster Brutalität gegen die Bevölkerung vor und verübten Amputationen und Misshandlungen. Auch die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten zählt zu den Verbrechen des Krieges, der über den illegalen Handel mit Diamanten finanziert wurde.
Nach einem Jahrzehnt blutigen Bürgerkrieges ist das Land nun mit seinem Wiederaufbau und der Aufarbeitung der jüngsten Geschichte beschäftigt.

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