Kreativität und Gesundheit

Was hat Kreativität mit Gesundheit zu tun?

Der Begriff „Gesundheit“ ist nach Definiton der Weltgesundheitsorganisation WHO ein „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens“. Doch wer kümmert sich nach der organischen Funktionstüchtigkeit seines Körpers schon um die geistige oder soziale Gesundheit? Bei Kopfschmerzen gibt es eine Tablette. Was hilft gegen Erschöpfung oder Einsamkeit? Gesundheit wird von vielen Menschen als das Fehlen oder Nichtvorhandensein von organischen Krankheiten und Gebrechen angesehen: „Hauptsache gesund!“ sagt man und wünscht zum Geburstag „besonders Gesundheit“. Gesundheit ist das wichtigste, doch was hilft gegen das Gefühl, den Aufgaben des Lebens nicht gewachsen zu sein oder dem zwanghaften Bewußtsein, andere Menschen beeindrucken zu müssen?
Hierfür gibt es keine Arznei, keine medizinische Therapie. Für ein kurzzeitiges Wohlergeben gibt es ein Wellness-Wochenende mit Sauna, Duft und Massage. Das entspannt den Körper, ändert jedoch nichts an der Lebenseinstellung oder der Fähigkeit, mit seinen Mitmenschen harmonischer umzugehen. Schlaue und lebensweise Gedanken lassen sich in mehr oder weniger tiefgreifenden Ratgebern nachlesen, doch zu einem achtsamen Handeln führt allein das Lesen selten.
Dieser nachlässige Umgang mit der eigenen Seele kann letztlich dazu führen, dass Menschen erkranken – was sich zwar körperlich in behandelbaren Symptomen äußert, jedoch ganz andere Ursachen haben kann. Diesen Ursachen wird nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt – zu wenig, um eine nachhaltige geistige und soziale Gesundheit zu ermöglichen.


Wozu kann Kreativität führen?
In unserer leistungsorientierten und rationalen Gesellschaft wird Kreativität als faszinierendes Kuriositätenkabinett angesehen: Kunstwerke kreativer Schöpfungskraft sind heiß begehrt, werden viel beklatscht und hoch gehandelt. Jeder schmückt sich gern mit Kunst, möchte Teil dieser Kraft sein, doch sobald ein Künstler offenbart, wie er wie durch Zufall oder ein langwieriges Spiel aus Idee und Irrtum zum schöpferischen Akt gelangte, reagieren Menschen irritiert oder empfinden sogar Abscheu.
Die Erklärung des Künstlers war unlogisch und das Vorgehen nicht zielführend! „Ist das Kunst oder kann das weg?“

Unser Leben ist stark geprägt von unserer Erwerbstätigkeit, die logischen Schritten folgt. Handlungen werden quer durch alle Berufe in der Ausbildung vorgezeichnet, wir beschreiten sie im Beruf nach und haben dabei das Gefühl, alles richtig zu machen. Auf der einen Seite wird Kreativität täglich am Arbeitsplatz gefordert, doch wenig geübt.
Was passiert, wenn Probleme Lösungen erfordern, die in keinem Lehrbuch stehen?
Konflikte mit anderen Menschen am Arbeitsplatz bleiben ungelöst, Probleme häufen sich. Die Menschen erkranken immer zuerst seelisch, bevor sich körperliche Symptome zeigen und letztlich ein „Burn-out“ – das Gefühl, komplett ausgebrannt zu sein – diagnostiziert wird.
Der Verlust der Erwerbstätigkeit und der versperrte Zugang zur Bildung führen zu ähnlichen Krankheitsbildern. Das Gefühl, unwert zu sein oder nichts sinnvolles zur Gesellschaft beizutragen, graben sich tief in die Seele und hinterlassen tiefe Wunden.
Häufig einher mit dem beruflichen Erfolg oder Mißerfolg gelangen die Konflikte in das private Umfeld. Das Familienleben erleidet Spannungen, die bis zum Zerreißen der Beziehungen und Bindungen zwischen Eheleuten, Eltern und Kindern führen können.

Kreativität kann Menschen nicht vor Problemen, Konflikten oder Schicksalsschlägen bewahren – jedoch kann sie Wege aufzeigen, diesen Lebensaufgaben zu begegnen, Sichtweisen zu ermöglichen, Lösungen aufzuzeigen und einen Weg tatsächlich auch zu beschreiten.
Diese persönliche Fähigkeit zur Kreativität kann somit jedem Menschen helfen, eine seelische Erkrankung zu vermeiden, zu lindern oder zu heilen.


Was Kreativität nicht ist
Kreativität ist nicht gleichbedeutend mit dem Malen bunter Bilder! Eine Maltechnik kann logisch erlernt und intensiv geübt werden, um beispielsweise Fotografien in Gemälde umzuwandeln.
Jedoch schöpft der Mensch dabei nicht aus sich selbst heraus neue Bilder, sondern reproduziert eine manuell anspruchsvolle aber logische Handlung.

Kreative Berufe sind von außen betrachtet eine Quelle der Kreativität – jedoch macht der Anteil schöpferischer Prozesse nur einen kleinen Teil des Berufslebens aus. Wirtschaftlich erfolgreich lässt sich ein kreativer Beruf nur dann ausüben, wenn eine Balance aus finanziell sinnvollen und kreativ möglichen Entscheidungen getroffen wird. Kreative verdienen mit schöpferischen Ergebnissen ihr Einkommen, gestalten aber dadurch nicht automatisch ihr Leben.

Wenn weder die Technik noch die Berufung entscheidend ist: woran lässt sich Kreativität festmachen?

Wie gelangt der Mensch zur Kreativität?
Kreativität ist rational betrachtet nicht zielführend! Somit scheiden logische Methoden des analytischen Denkens und des geistigen Diskurses aus. Kreativität kann jedoch erlernt werden, indem ganz bewusst die eingetrenen Pfade verlassen werden. Indem der Mensch angeleitet wird, das rationale Analysieren und unmittelbares Bewerten seiner eigenen Handlung zu überwinden, um in einen Prozess zu gelangen, der den spielerischen Umgang mit Material, Farbe, Form oder mit dem eigenen Körper ermöglicht. Dieses Spiel ist keine logisch zu erlernende Technik, sondern entsteht aus der eigenen Bereitschaft, sich auf Neues, Ungewohntes einzulassen.

Im Ausdrucksmalen kann das Führen des Pinsels auf dem Papier zu einer sinnlichen Erfahrung führen, die Lust macht, dieses Spiel weiter zu verfolgen und sich ganz der Bewegung hinzugeben.
Farben gehen durch den Pinselstrich auf dem Blatt Mischungen ein, Formen enstehen wie aus dem Nichts. Im Umgang mit Ton wird das Material erfühlt und durch die Führung der Hand geformt. Öffnungen entshehen, Wände werden verdünnt. Nicht die Form soll durch Technik erreicht werden, sondern sie ist Ergebnis dieses Ausprobierens.
Im Tanz ist der eigene Körper die Spielfläche der Kreativität. Aus Rhythmus entsteht Bewegung, aus Lauten formt sich Gesang.
Ein Ziel ist für diese Beispiele nicht erforderlich. Allein die innere Hinwendung zum unmittelbaren Tun und die Achtsamkeit auf das körperliche Empfinden führen zur Kreativität: Ideen haben Platz, Visionen sind erwünscht und Träume können ausgedrückt werden.
Wer die Mauern der Logik durchbricht und sich einlässt, den erwartet ein unendlicher Raum zum Experimentieren.

Wie kann Kreativität zur Gesundheit beitragen?
Kreativität endet nicht an der Ausgangstür des Kunstateliers.
Jeder, der Kreativität erlebt hat, kann diese Erfahrung in das private und berufliche Leben weitertragen. Die Gewissheit, selbst etwas aus sich heraus erschaffen zu können, steigert das Selbstbewusstsein. Der Alltag wird durch gelebte Kreativität lebendiger und genußvoller. Auch der Umgang mit dem eigenen Körper wird letztlich achtsamer sein.

Insofern eröffnet die Kreativität nicht nur Wege zur seelischen und sozialen Gesundung, sondern dient auch als Prophylaxe und Prävention vor körperlichen Erkrankungen.
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