Hühner, Kinder, wilde Dinos...... Die lustige Hühnerstunde

  Anni und Josephine haben Hunger. Sie sind, wie jeden Morgen, mit den Hühnern aufgestanden, haben ein gesundes Vollkornfrühstück zu sich genommen und anschließend die Beete umgegraben. Natürlich entdeckten sie dabei wieder ein paar Schnecken, die sie sofort entfernten. Die schleimigen Kriecher hätten sich sonst womöglich an den frühherbstlichen Blüten versündigt. Wenig später wurden die Mädels dann mit dem Auto von Fronhausen, ihrem Wohnort, abgeholt und nach Wetter gefahren. Nun sitzen die beiden im Seminarraum der Tierärzte Wetter und nörgeln herum, weil ihr Magen leer ist und ihnen niemand etwas zu essen anbietet. „Na gut“, meint Tierärztin Heike Datow-Rohrmann schließlich, „so, wie es aussieht, brauchen Anni und Josephine erst etwas Nahrung, bevor wir hier anfangen können. Wer möchte den beiden Gierschnäbeln denn mal ein paar Spaghetti servieren?“ Sofort melden sich Joanne, Celine und Hannah. Die drei Kinder holen mit den Fingern jeweils eine lange Nudel aus dem Napf, den Datow-Rohrmann ihnen hinhält. Kaum sehen Anni und Josephine diese Köstlichkeit in den Händen der Mädchen baumeln, picken sie mit gezielten Schnabelhieben nach den Enden der Spaghetti und schlingen diese gierig hinunter.

Annie und Josephine sind zwei Legehennen und die Stars der „Lustigen Hühnerstunde“, einer Veranstaltung für Kinder, die die Tierhalter-Kompetenz-Woche 2013 in Wetter abschließt. Bereits zum dritten Mal hat der Verein Netzwerk Mensch-Tier e.V. zusammen mit der Tierarztpraxis Wetter diese Seminarwoche für Tierhalter und Menschen, die sich für Tiere interessieren, angeboten. „Unser Verein hat sich die Aufklärung von Tierbesitzern über eine art- und rassegerechte Haltung ihrer vierbeinigen und gefiederten Schutzbefohlenen auf die Fahnen geschrieben“, erklärt Heige Kienle, die erste Vorsitzende des Netzwerkes. Und so wurde in den täglich stattfindenden Vortragsveranstaltungen allerhand Wissenswertes zur Kommunikation zwischen Mensch und Tier, zur artgerechten Haltung sozialer Tiere wie Katzen oder Kaninchen und zur ersten Hilfe am Tier erzählt und mit Fotos, die auf eine große Leinwand projiziert wurden, veranschaulicht.

Bei der „lustigen Hühnerstunde“ machen Svenja und Livia plötzlich ganz große Augen, als nicht etwa Hennen, Küken und Hähne, sondern riesige Dinosaurier an der Wand erscheinen. „Mann, das ist ja ein echter T-Rex“, meint der kleine Julius und schaut fasziniert auf den Urzeitriesen, der die Kinder von der Leinwand herab mit Raubtierblick fixiert. „Was Ihr hier seht“, erklärt Heige Kienle, „sind die Vorfahren unserer Hühner. Es gab sogar Dinosaurier, die ein Federkleid getragen haben.“ Und dann erzählt sie den Kindern, was für geschickte Jäger Haushühner sind und wie gerne unsere Eierlieferantinnen mal einen dicken „Braten“ in Form einer Maus oder eines jungen Vogels erbeuten und verschlingen. Als Kienle das Foto eines israelischen Nackthahnes neben dem eines rekonstruierten Gallimimus aus der späten Kreidezeit zeigt, sehen die Kinder deutlich, wie ähnlich Huhn und Dinosaurier sind. „Dem fehlen nur noch die Finger an den Vorderpfoten – äh, Flügeln - dann würde er als echter Dino durchgehen“, meint die dreizehnjährige Rebecca.
Im Laufe der Veranstaltung zeigt Kienle, die als Tierschutz-Lehrerin viel mit Kindern arbeitet und zusammen mit ihren Tieren Schulen und Kindergärten besucht, wie ein Ei im Huhn entsteht, wie daraus ein Küken werden kann und wie das Sozialleben der Hühner aussieht. Anschließend erfahren die Kinder, wie ein Ei aufgebaut ist und wie man erkennen kann, ob es frisch oder alt ist. „Frische Eier sind Hochstapler und Nichtschwimmer“, meint Kienle und versenkt ein Ei in einem Wasserglas. „Wäre es älter, würde sich das Ei im Wasser aufrichten. Wäre es ganz alt, würde es sogar schwimmen“, erklärt die studierte Agrarbiologin. Anschließend schlägt sie das Ei auf und zeigt, dass der Dotter hoch und fest auf dem Eiklar sitzt. „Bei alten Eiern zerläuft das Eiklar und der Dotter hat keinen „Hochsitz“ mehr“, erläutert sie. Dann tasten Marlene und Freda nach den Hagelschnüren, die den Dotter im Ei an seinem Platz halten. Als das Ei untersucht ist, dürfen es die Kinder an Kienles Schul-Hunde Mayla und Elsie, die ihr Frauchen zu jeder Veranstaltung begleiten, verfüttern. Am Schluss erfahren die Kinder noch, wie Mast- und Legehühner in Deutschland aufwachsen und leben und wie man erkennen kann, aus welcher Haltungsform Eier und Fleisch im Laden stammen. „Tierschutz kann dann Anwendung finden, wenn Verbraucher über Lebensumstände der so genannten „Landwirtschaftlichen Nutztiere“ aufgeklärt sind“, erklärt Netzwerk-Vorstandsmitglied Heike Datow-Rohrmann den Eltern am Ende der Veranstaltung. Unterdessen haben sich alle Kinder um Anni und Josephine geschart, füttern die ewig Hungrigen mit Nudeln und Wiener Würstchen und streicheln das weiche Gefieder der zahmen Hennen. „Das hat mir ganz viel Spaß gemacht bei Euch hier“, sagt die kleine Joanne am Schluss und Alina und Lilly nicken zustimmend. „Im nächsten Jahr kommen wir wieder her“, verspricht Heike Datow-Rohrmann. „Dann bringen wir Euch wieder ein paar unserer zahmen Tiere mit und erzählen Euch dazu spannende Dinge.“
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