Offener Gaza-Brief von Jürgen Todenhöfer an Angela Merkel

(Foto: https://www.facebook.com/JuergenTodenhoefer?fref=photo)
" Schickt endlich die versprochene Hilfe!

Liebe Frau Bundeskanzlerin,

mit Erfolg haben Sie in jüngster Vergangenheit bei schwierigen internationalen Konflikten die Rolle der "ehrlichen Maklerin" übernommen. Es gibt einen kleinen, vergessenen Landstrich, der dringend einen ehrlichen Makler braucht : Gaza.

Seit dem Waffenstillstand vor 6 Monaten kümmert sich niemand um die unzähligen seelisch Leidenden, Hungernden, Frierenden, in den Ruinen ihrer Wohnungen Dahinvegetierenden. Es gibt kein deutsches Wort, das das grenzenlose Elend und Leid der 1.8 Mio. Gefangenen von Gaza angemessen beschreibt.

Haben Sie von dem kleinen Mädchen Rahaf Abu Assi erfahren, Frau Merkel, das im Januar in ihrem zerstörten Haus bei Khan Younis erfror? (Foto). Wahrscheinlich nicht, denn unsere Medien berichteten nicht darüber. Rahaf ist nur zwei Monate alt geworden. Sie starb den Kältetod. So wie die zwei Monate alte Salma Al-Masri, der wenige Wochen alte Adel Al-Laham, der nur 50 Tage alt gewordene Moemen und der sechs Monate alte Wadie.

Die Situation der Menschen von Gaza ist nicht nur eine Tragödie. Sie ist eine Schande für eine Welt, die sich der Würde des Menschen verpflichtet fühlt. Wir begehen jeden Tag, an dem wir das Leid der Menschen von Gaza verdrängen, Verrat an unseren eigenen Werten.

Von den 5.4 Milliarden US-Dollar, die auf der Hilfskonferenz für Gaza im vergangenen Oktober in Kairo zugesagt wurden, ist in Gaza bis heute kaum etwas angekommen. UNRWA, das Hilfsprogramm der UN für Palästina, musste seine Wiederaufbauhilfe für den Gazastreifen bereits Ende Januar wegen akuten Geldmangels einstellen. Nichts geht mehr in Gaza. Außer Hunger, Krankheit, Tod.

In Ihrer Rede vom 18.3.2008 vor der Knesset in Jerusalem haben Sie gesagt: „Jede Bundesregierung und jeder Bundeskanzler vor mir waren der besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels verpflichtet. Diese historische Verantwortung Deutschlands ist Teil der Staatsräson meines Landes. Das heißt, die Sicherheit Israels ist für mich als deutsche Bundeskanzlerin niemals verhandelbar.“

Sehr geehrte Frau Angela Merkel, darf man dann das Recht der Palästinenser auf ein Leben in Würde und Sicherheit missachten? Haben nicht die Palästinenser letztlich einen großen Teil der deutschen Schuld bezahlt? Einen größeren als wir Deutschen selbst?

Der Sicherheit Israels verpflichtet zu sein bedeutet, dass man sich für die Menschenrechte in ganz Palästina einsetzen muss. Und für ein lebenswertes Leben in Gaza. Ohne Mauern, Stacheldraht, tägliche Schikanen, Übergriffe und totale Perspektivlosigkeit. Sonst kann es auch für Israel nie Frieden geben.

Ich habe immer wieder die Kraft und Konsequenz bewundert, mit der Sie fernste Länder besuchen. Warum reisen Sie nicht einmal in das nahe Gaza? Sie wären erschüttert, wenn Sie das Leid der Gefangenen, Ausgebombten und im Stich Gelassenen von Gaza einmal mit eigenen Augen erleben würden.
Bitte schenken Sie den Menschen von Gaza dieses Zeichen von Aufmerksamkeit und Mitgefühl!

Wir müssen den Eltern von Rahaf, Salma, Adel, Moemen, Wadie und allen anderen Eltern Gazas, zeigen, dass wir in ihnen gleichwertige Nachbarn sehen. Dass ihr Schicksal auch unser Schicksal ist. Dass die Palästinenser nicht Menschen zweiter Klasse sind. Wir müssen beweisen, dass ihre Würde für uns nicht nur ein leeres Wort, sondern Verpflichtung ist. Auch im Interesse Israels und seiner langfristigen Sicherheit!

Deutschland hat mehr als jedes andere Land der Welt die Pflicht, sich als ehrlicher Makler im Palästina-Konflikt zu engagieren. Ich bitte Sie um dieses Engagement für beide Seiten.

Sie könnten als deutsche Kanzlerin ganz konkret die Initiative ergreifen, dass die versprochenen internationalen Hilfsgelder unverzüglich nach Gaza gelangen. Mit der Ihnen eigenen Entschlossenheit und Durchsetzungskraft würden Sie es schaffen. Gaza stirbt, aber Gaza darf nicht sterben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Jürgen Todenhöfer

12.März 2015 "

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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 17.03.2015 | 01:56  
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