Menschen mit Demenz in unserer Mitte

Werner Hansch berichtet über die Rudi Assauer Stiftung. Copyright: Marburger Allianz für Menschen mit Demenz
 
Ca. 110 BesucherInnen waren bei der Veranstaltung. Copyright: Marburger Allianz für Menschen mit Demenz.
Marburg: Rathaus |

Bei der Veranstaltung Menschen mit Demenz in unserer Mitte berichtete Werner Hansch von der Rudi Assauer Initiative.

Anlässlich des Tages der Älteren Generation hat die Marburger Allianz für Menschen mit Demenz am 2. April 2014 einen Fachtag im Marburger Rathaus ausgerichtet. Eine demenzfreundliche Kommune ist ein Ziel Marburgs. Aus diesem Grund hat Dr. Petra Engel mit der Bloggerin und den weiteren Kooperationspartnern der Allianz die Veranstaltung in recht kurzer Zeit vorangebracht. Oberbürgermeister Egon Vaupel und Roland Stürmer von der BI Sozialpsychiatrie begrüßten die über 110 interessierte BürgerInnen. Werner Hansch berichtete als Gastredner von seiner Freundschaft zu Rudi Aussauer, dessen Demenz-Outing und der daraus entstandenen Rudi-Assauer-Initiative berichtet. Für manche Zuhörerin ging es vielleicht zu sehr um Fussball und Schalke 04, aber das macht gerade den Reiz von Werner Hansch als Redner aus – dass er über Fussball eine breite Öffentlichkeit erreicht und darüber das Thema Demenz präsent macht. Menschen mit Demenz sollten die Chance auf ein gutes Leben erhalten, auch wenn dieses nach eigenen Regeln funktioniert und nicht mehr unbedingt nach den Regeln unserer Gesellschaft.
Werner Hansch spricht über die Rudi Assauer Initiative

Danach gab es drei parallele Werkstattgespräche. Über Menschen mit Demenz beim Einkaufen sprach Doris Heineck der Freiwilligenagentur mit Bruno Naumann von REWE Marburg. Eine zweite Gruppe diskutierte über Menschen mit Demenz in der Bank, Gesprächspartner waren hier Alois Wilhelm von LiA (Leben im Alter) und zwei Vertreter der Volksbank Mittelhessen, Sven Werner und Alexander Pilz. In beiden Gruppen wurden zu Anfang Videos der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Selbsthilfe Demenz gezeigt. Die Wohnform einer Demenzpflegewohngemeinschaft stand im Mittelpunkt des dritten Werkstattgesprächs. Thomas Dimroth von der BI Sozialpsychiatrie stellte das Konzept für die Demenzpflegewohngemeinschaft in der Weintrautstraße in Marburg vor. Weiterhin sprach Cornelia Diessel über Erfahrungen in der Demenzpflegewohngemeinschaft in Dreihausen.

Es wurde darüber diskutiert, wie Menschen mit Demenz im Alltag z.B. in der Nachbarschaft, beim Einkaufen oder in der Bank unterstützt werden können. Fallbeispiele aus der Praxis wurden besprochen. Marburg befindet sich auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Stadt bzw. zu einer familienfreundlichen Stadt, die auch Menschen mit Demenz in ihrer Mitte unterstützt.
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Zum Abschluss des Fachtages wurde ein Streitgespräch in Zusammenarbeit mit der evangelischen Familienbildungsstätte ausgerichtet. Hier standen sich Angela Schönemann von der Alzheimer Gesellschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf und Alois Wilhem von LiA gegenüber. Die Frage war – Ist Demenz eine Krankheit oder eine spezielle Form des Alters? Nach den Statements von Angela Schönemann und Alois Wilhelm kam es zu eine lebhafdten Diskussion im Saal, an der sich auch Werner Hansch erneut beteiligte.

Zentral für Krankenkassen und verschiedene Wohnformen wie auch der Demenzpflegewohngemeinschaft ist die Diagnose Demenz. Erst dadurch können Betroffene und Angehörige Unterstützung erhalten oder in eine Demenzpflegewohngemeinschaft einziehen. Weiterhin ist eine Krankheit auch negativ besetzt, angstbeladen. Gerade mit Demenz sind viele Ängste verknüpft. Es gibt kein anerkanntes Medikament, welches Demenz heilen kann. Ich für meinen Teil finde, das beide Positionen – Krankheit und spezielle Form des Alter(n)s – zutrifft. Es ist eine Krankheit mit verschiedenen Symptomen. Anderseits sollte auch eine gewisse Normalität damit einhergehen – Ja, es gibt 1,4 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland, Ja, es werden in den nächsten Jahren immer mehr. Wir müssen einen anderen, besseren Umgang finden, um den Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Und nebenbei lernen wir auch einiges über uns selbst, lernen einen Perspektivwechsel und einen veränderten Umgang mit Menschen, die als “anders” wahrgenommen werden.

Fazit: Eine gelungene Veranstaltung zu einem schwierigen Thema, welches in den nächsten Jahren immer wichtiger werden wird.

Maria Mahler

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Marburger Allianz für Menschen mit Demenz
Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt
Am Grün 16
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2 Kommentare
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Maria Mahler aus Marburg | 11.04.2014 | 18:18  
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Hans Weber aus Marburg | 12.04.2014 | 12:07  
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