Marburger Oberbürgermeister – Teil 2b: Oberbürgermeisterlose Zeit (von 1850 bis 1856)

Marburg - Marktplatz. So könnte der Marktplatz auch schon um 1860 ausgesehen haben. Ansichtskarte von 1895 (Privatbesitz)
Marburg: Marktplatz | Die Amtszeit des zweiten Marburger Oberbürgermeisters Uloth hatte nur vier Jahre gedauert. Am 13. Oktober 1850 zog dieser von Marburg fort und trat ein neues, höher besoldetes Amt in Hersfeld an. Nach dem Abschied Uloths stand die Neuwahl des Nachfolgers an.

Einen Monat zuvor hatte Uloth noch das Stadtratsmitglied David Lederer „an Stelle des hier abgegangenen Beigeordneten von Goddäus“ zu seinem Stellvertreter ernannt. Mit Lederer, einem vermögenden Marburger Bierbrauer, hatte er ein aktives, kämpferisches Mitglied des Stadtrats in diese Position gebracht. Als Vizebürgermeister musste dieser ab sofort die Leitung der Verwaltung der Stadt übernehmen.

Wäre es normal zugegangen, hätte es umgehend im Stadtrat einen Wahlvorgang gegeben und die Position des Oberbürgermeisters wäre besetzt worden. Doch im Jahr 1850 konnte von „normalen Zeiten“ keine Rede sein.

Der Vizebürgermeister Lederer musste Ende 1850 Gründe gehabt haben, sich bei den Wahlen zum Amt des Oberbürgermeisters nicht als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Welche Gründe es waren, darüber kann nur spekuliert werden. Dass er dieses Amt nicht wollte, davon kann keine Rede sein. Lederer war bis Anfang der 1860er Jahre im Marburger Stadtrat eine bestimmende Person gewesen, Wortführer und Kopf von vielen Aktivitäten zugleich.

Aber er hatte eine oppositionelle, republikanerfreundliche Vergangenheit. Er wollte sich vielleicht keine Abfuhr aus Kassel holen bei der notwendigen Zustimmung zur Amtsübernahme durch das Ministerium des Inneren. Denn inzwischen hatten sich die Verhältnisse in Kassel, vom Sieg der Revolutionäre im Jahr 1848/49 und dem Abbau der kurfürstlichen Rechte, ins Gegenteil verkehrt.

Die politische Entwicklung im Jahr 1850

Im März 1848 hatten sich die oppositionellen Gruppierungen im Kurfürstentum Kassel soweit durchgesetzt, dass eine völlig neue Gesetzgebung beschlossen wurde. Der Kurfürst hatte den revolutionären Bestrebungen nicht viel entgegen zu setzen. Das Volk beherrschte die Straße und duldete keinen Widerstand.

Bestimmend für die revolutionären Bestrebungen in fast allen Staates des Deutschen Bundes war die Versammlung der Demokraten 1848 in der Frankfurter Paulskirche. Mit dabei war auch der Marburger Staatswissenschaftler Professor Bruno Hildebrand (1812-1878). Doch alle Hoffnungen auf die Beschlüsse der Paulskirchenversammlung („Deutschland beginnt wieder ein Reich zu werden!“) verebbten schon 1849. Der preußische König Wilhelm IV. lehnte die ihm angebotene Kaiserkrone ab. Nach der Abfuhr aus Berlin wurde die Paulskirche immer leerer. Das nach Stuttgart ausgewanderte Rumpfparlament endete noch 1849 ruhmlos.

Doch in Hessen bedeutete dies noch nicht das Ende der revolutionären Volksbewegung. Mit der erreichten absoluten „Preßfreiheit“ und vielen demagogisch erfolgreich kämpfenden Köpfen geriet Kurfürst Friedrich Wilhelm gegen die demagogische Gewalt der Ständekammer mit seiner Herrschaft immer mehr unter Druck.

Nach dem Tode seines Vaters, Kurfürst Wilhelm II., hatte Friedrich Wilhelm 1847 endgültig die Staatsgeschäfte übernommen. Diese hatte er bereits seit 1831 in Vertretung geleitet. Er war gezwungen, Minister zu entlassen und die vom Ständerat beschlossenen neuen Gesetze anzuerkennen. Dem Kurfürsten blieb von seinen landesherrlichen Rechten nicht viel übrig. Seine Regierungsgewalt lag faktisch danieder. So spottete die „Hornisse“, die Zeitung, welche der Regierung am feindlichsten gegenüber stand:

Vivat hoch die Republik!
Unsern Kurfürst hab´n wir dick;
Weil er sich so schlecht betragen,
Woll´n wir ihn zum Teufel jagen.

Um noch einen letzten Rest von Zuspruch zu erhalten, ließ sich der Kurfürst sogar dazu herab, bei einem Volksfest in der Kasseler Aue in bürgerlicher Kleidung teilzunehmen.

Zu den Widerständen gegen seine Politik und Person trugen auch die moralischen Verfehlungen des Kurfürsten bei.

Friedrich Wilhelm eiferte seinem Großvater Wilhelm I., der sich nebeneinander mindestens drei Maiträssen leistete, und seinem Vater, Wilhelm II., nach. Dieser hatte seine Frau verlassen und schließlich eine Bürgerliche geheiratet. Auguste, die Frau von Wilhelm II, preußische Königstochter, war vom Volk verehrt worden. So hatten die Marburger die Bergspitze „Minne“ nördlich der Ketzerbach nach einem Besuch der Kurfürstin in „Augustenruhe“ umbenannt. Die bürgerlichen Maitressen der Kurfürsten wurden später Gräfinnen. Doch die bürgerliche Moral der Biedermeierzeit - noch in den Köpfen vorhanden - gestattete ihnen keine Anerkennung.

Minister Hassenpflug und die Ausrufung des Kriegszustands

Sozusagen in höchster Not holte Anfang 1850 Kurfürst Friedrich Wilhelm seinen 1837 aus dem Dienst geschiedenen ehemals wichtigsten Minister Hassenpflug nach Kassel zurück. Hassenpflug übernahm wieder das Ministerium des Inneren. Doch er fand bei der Ständekammer, den Beamten, der Presse und den Vereinen keine Unterstützung. Seine Gegner hassten ihn geradezu, was zu Volksversammlungen gegen seine Tätigkeit führte.

Mit seinen Anträgen konnte Hassenpflug in der Ständekammer keine Mehrheit finden. Die Totalverweigerungen und letztlich die Ablehnung der Ständekammer zur Erhebung von Steuern führten zur Ausrufung des Kriegszustandes. Anschließend angeordnete Maßnahmen wie die Aufhebung der Ständekammer heizten die Stimmung nur noch mehr auf.

Die laxe Ausführung des verhängten Kriegszustands brachte keine Beruhigung im Lande. Die Zeitungen erschienen trotz ausgesprochener Verbote weiter und schimpften über die Minister als „Schufte, schamlose Gauner, Gesindel“ und ulkten:

Der Kriegszustand tut niemand drücken,
Als die armen Soldaten auf ihrem Rücken.

Als der Kurfürst samt Regierung Kassel verließ und nach Wilhelmsbad bei Hanau zog, war die landesherrliche Souveränität vollends bedroht. Zusätzlich führten noch Ungeschicklichkeiten der militärischen Führung dazu, dass fast das gesamte Offizierskorps seinen Abschied nahm und den Degen niederlegte. Die liberale Presse jubelte. Doch es war das letzte Mal.

Im Oktober sah sich der Kurfürst gezwungen, vom Ausland her Beistand anzufordern. Nachdem sich Preußen unter Bismarcks Führung verweigert und bereits anstehende Truppen zurückgezogen hatte, überschritten Truppen aus Bayern in der Stärke von 25.000 Mann am 1. November 1850 die Grenze nach Hessen. Damit endete die Revolution und die Regierung übernahm wieder die Gewalt. Der Sieg der Regierung war endgültig.

Am 27. Dezember 1850 kehrte der Kurfürst nach Kassel zurück. Auch die Offiziere, die vorher den Degen niedergelegt hatten, kamen reumütig zurück. Als Bestrafung wurden Versetzungen angeordnet. Doch das Heer war wieder in Funktion.

Der Kriegszustand, erst im Jahr 1854 aufgehoben, ermöglichte die Verhaftung und Bestrafung der Revolutionäre. Wer konnte, der flüchtete wie Professor Hildebrand in die Schweiz. Auch die in harter Opposition zum Kurfürsten gestandenen Zeitungsredakteure verließen schleunigst das Land. Im Lande kehrte überraschend schnell wieder Ruhe ein. Die aufrührerischen „Volksfeste“ und Katzenmusiken hatten ein Ende. Die Bürger kehrten nach den unruhigen Revolutionszeiten zu ihrer Tätigkeit zurück, die sie immer ausgezeichnet hatte: arbeiten und Geld verdienen.

Die in Marburg eingerückten bayrischen Soldaten wurden zur Strafe vor allem bei den Bürgern einquartiert, die zuvor zu deutlich ihre republikanische Gesinnung gezeigt hatten. Auch wurden Häuser von Professoren belegt. Diese hatten bisher das Privileg, keine Einquartierungen zu erhalten. Erst im Frühjahr des darauf folgenden Jahres zogen die "Strafbayern" wieder aus Marburg ab.

Die Gegner des Kurfürsten hatten es nicht leicht. Der Kurfürst hatte offenbar alle seine Feinde nicht vergessen und einige bestrafte er hart. Dies Verhalten kann als ungeschickt gewertet werden. So war es verständlich, dass dem Kurfürsten bis zum Ende des Kurfürstentums manche Sympathien fehlten. Dem Untergang von Kurhessen Kassel weinten 1866 nur wenige eine Träne nach.

Marburg war neben Hanau einer der großen Unruheherde in den Revolutionsjahren gewesen. Der Stadtrat von Marburg war – sicherlich nicht gänzlich zu Unrecht – für die Jahre vor 1851 zumindest in Teilen als republikanisch und gegen die Regierung gewandt angesehen worden. Redner mit liberaler, republikanischer, ja kommunistischer Tendenz hatten in unzähligen Versammlungen und auf „Volksfesten“ viel Zulauf erhalten.

So löste die Regierung 1851 den Marburger Stadtrat auf, weil sich die Mehrheit der Gewählten der „der Monarchie feindlichen Partei“ angeschlossen hätten. Der Stadtrat erhob Einspruch. Doch die Regierung blieb hart. Auch die Nachwahl mehrerer Mitglieder zum Stadtrat wurde von der Regierung wieder aufgehoben. So erscheint es nicht verwunderlich, dass mehrere Wahlen zu einem neuen Oberbürgermeister von Marburg scheiterten.

Vizebürgermeister Lederer jedoch blieb mit Billigung aus Kassel die gesamte Zeit bis zur endgültigen Neuwahl eines Oberbürgermeister als Ortsvorstand im Amt und leitete die Stadtgeschäfte.

Mitte 1851 erste Neuwahl zum Amt des Oberbürgermeisters in Marburg

Am 10. Juli 1851 kam es zur ersten Wahl einen neuen Oberbürgermeister in Marburg. Vizebürgermeister Lederer trat zur Wahl nicht an. Gewählt wurde Obergerichtsassessor Hodiesne. Der Bezirksvorstand in Marburg, verlängerter Arm der Regierung, zweifelte in einem Schreiben die Qualifikation von Hodiesne an. Dieser hätte nicht die erforderliche praktische Befähigung für das Amt und die „Energie, das Amt gegen demokratische Elemente zu leiten“. Hassenpflug versagte dem Gewählten die Bestätigung.

Nach dem Scheitern der ersten Wahl kam es am 20. September zu einer zweiten Wahl, die jedoch für keinen Bewerber eine notwendige absolute Mehrheit brachte. Bereits zwei Tage später fand ein erneuter Wahlgang statt. Hierbei wurde der Kasseler Jurist Dr. Heinrich Fick auf 5 Jahre gewählt. Aber für diesen trafen offenbar die gleichen Bedenken wie für Hodiesne zu. Die Bestätigung von Dr. Fick wurde von Hassenpflug versagt.

Lederer stellt sich zur Wahl

Im Februar 1852 stellte sich Vizebürgermeister David Lederer zur Wahl. Es gab Streit um die Abwicklung der Wahl, sie sei zweifelhaft gewesen. Nach drei weiteren Abstimmungen konnte Ausschuss-Vorsteher Möller der Kurfürstlichen Regierung die reguläre Wahl von Lederer melden:

„Der Bierbrauerei-Besitzer David Lederer (wurde) mit absoluter Stimmenmehrheit auf 5 Jahre, einem jährlichen Gehalt von 700 Thalern und der Bedingung kein anderes Geschäft daneben betreiben zu dürfen zum Oberbürgermeister gewählt“. Lederer hatte 24 von 45 Stimmen erhalten.

Aber mit „Allerhöchster Entschließung“ wird vom Ministerium des Inneren die Wahl des Bierbrauers Lederer abgeschlagen. In der Begründung heißt es u. a. wie folgt:

Zum einen wird dargestellt, dass seine Tätigkeit als Bierbrauer „streng genommen“, den Voraussetzungen gem. § 42 der Gemeindeordnung widersprechen würden. Doch wird seine Befähigung zur Amtsführung nicht angezweifelt, da er die Befähigung für die Stelle in seiner Tätigkeit als Vizeoberbürgermeister „dargetan“ habe. Doch als Hindernis für die Amtsübertragung müsste sein früheres politisches Verhalten angesehen werden. Es hieß:

„Hat er auch seit dem Einmarsch der Bundestruppen eine andere Bahn betreten, so besteht doch keine Garantie dafür, dass dies eine wahre innere Einkehr ist, die unter allen Verhältnissen Bestand haben wird.“ Lederer wird nachgetragen, dass er sich bereits 1830/31 an aufrührerischen Bewegungen beteiligt habe. Dies ist ein Hinweis auf seine Unterstützung des republikanischen Demagogen Bayrhoffer bei dessen damaligen Auftreten auf der Dammühle. Lederer hatte dort Freibier verteilen lassen.

Und es heißt weiter: Lederer war „1848 einer der Ersten, welcher gegen die bestehende Ordnung und Staatsform mit höchstverletzender Äußerung gegen die allerhöchste Person des Landesherrn an öffentlichen Orten aufgetreten ist, er sei von Gesinnung ein Republikaner.“ Auch die Teilnahme an einem Aufruhr im Februar 1850 sei „ebenfalls notorisch“.

Weitere Wahlen scheitern

Nachdem Lederer gescheitert war, fanden im Jahr 1852 noch mehrere Wahlgänge statt. Sowohl ein Obergerichtsanwalt als auch ein Obergerichtsrat erhielten die notwendige Stimmenmehrheit. Ihre Wahl wurde jedoch abgelehnt, da sie beiden Bedingungen „nur auf 5 Jahre“ und „keine Amtsgeschäfte nebenbei“ nicht akzeptieren wollten.

Der „Practicant Ferdinand von Rau zu Holzhausen“ erhielt im bereits 7. Wahlgang die notwendige Mehrheit der Stimmen und nahm auch die Bedingungen an. Jedoch wurde seine Wahl nicht bestätigt. Anders erging es einem Kandidaten, der ebenfalls die Mehrheit fand und die Bedingungen erfüllte. Doch scheiterte seine Bestätigung an seinem Alter. Er war erst 25 Jahre und erfüllte damit nicht die Altersvoraussetzung von 30 Jahren.

In den beiden nächsten Jahren verminderte sich die Zahl der Stadtratsmitglieder. Einige schieden aus, andere erschienen nicht zu den Sitzungen. Oft wurde die gesetzliche Zahl der Anwesenden, die Anwesenheit von 2/3 der Mitglieder war zu Abstimmungen nötig, nicht erreicht. Obwohl die Mitgliederzahl auf 42 und sogar auf 36 zeitweise gesenkt wurde, kam es durch Ergänzungswahlen erst im Jahr 1856 zu einer weiteren den Bedingungen gemäß ausgeführten Wahl des Oberbürgermeisters.

Im März dieses Jahres hatte – offenbar endlich – die Polizei-Direktion von Marburg der Regierung in Kassel gemeldet: „Bei den 11 zu überprüfenden Mitgliedern wurde nichts Nachteiliges ermittelt … bei keinem eine feindliche Parteinahme gegen Staatsordnung oder Staatsregierung bekannt.“

Und so kam es am 17. September 1856 zu einem erneuten Wahlgang. Zur Wahl hatten sich als Kandidaten gemeldet:

Advocat Schwarz aus Melsungen
Actuar Jost aus Wetter
Dr. Jur. Victor Schmidt aus Marburg
Assessor Rudolph aus Marburg

Doch zugelassen zur Wahl wurden nur zwei Kandidaten. Es kam nur zur Wahl zwischen Obergerichts-Anwalt Hille und dem Assessor Rudolph. Dieser erhielt 24 Stimmen, während auf Hille 20 Stimmen entfielen.

Damit war durch Gemeindeausschuss und Stadtrat in der 1. Abstimmung der 40-jährige Assessor des Justizamtes in Marburg, Georg August Rudolph, zum neuen Oberbürgermeister gewählt worden.

Der Kandidat Jost aus Wetter versuchte in den darauffolgenden Tagen Beschwerde gegen den Wahlvorgang einzulegen, doch vergebens. Die Wahl von Rudolph wurde bestätigt und damit hatte Marburg nach fast sechsjähriger Vakanz wieder ein den Bestimmungen entsprechendes Stadtoberhaupt.

Marburg hatte die oberbürgermeisterlose Zeit nicht gut getan

Doch die Jahre der oberbürgermeisterlosen Zeit hatten Marburg Stillstand gebracht. Zeitzeugen der Jahre um 1850, die in Briefen oder Beiträgen über ihren Aufenthalt in der kleinen Universitätsstadt berichteten, malten ein ärmliches, ja zerfallenes Bild von Marburg. Die Bautätigkeit lag schon lange danieder. Aufträge für die kleinen Handwerker waren selten. So versuchte Jedermann, sich den notwendigen Lebensunterhalt in Selbstbewirtschaftung kleiner Gärten, die rund um die Stadt verteilt lagen, zu erlangen.

Im Stadtrat wurden Verbesserungen in der Oberstadt diskutiert. So sollte mit Kauf und Abbruch eines Hauses in der Barfüßer Straße eine bessere und weniger steile Verbindung von der Weidenhäuser Brücke zur Oberstadt erreicht werden (heutige Verbindung Untergasse/Am Plan).

Doch die Realisierung dieser Pläne scheiterte zu dieser Zeit ebenso wie die geforderte Überdachung des Drecklochs und die Überwölbung der noch offen fließenden Ketzerbach am fehlenden Geld. Die Stadt hatte viele offene Baustellen.

So heißt es in einem Brief einer Professorengattin: „Die Stadt macht den Eindruck als in jeder Beziehung heruntergekommen … elend kleine Fenster, ohne Jalusien … der Wind haust fürchterlich bei den dünnen, schlechten Wänden. Schlechte Öfen aus der Urzeit, Fußböden, wie wenn der Zufall die Bretter so kreuz und quer auf den Boden gefügt hätte …“ Auch der Zustand der Straßen ließ zu wünschen übrig. In einem Schreiben steht: Marburg komme ihm vor „als mit Stiefelknechten gepflastert.“

Nur der Dichter Ernst Koch schildert Marburg in „schönheitstrunkenen Farben“ in seinem Roman „Prinz Rosa Stramin“:

„Ich habe in Göttingen und Marburg studiert. In Göttingen ist es kalt, fein und stolz. In Marburg ist´s warm, grob und zutraulich. In Göttingen gedeihen Kamele, Heidekraut, Professorentöchter und Würste, in Marburg flotte Burschen, Maiblumen, liebe Mädchen und irdene Waren.“ Sein hinzugefügter Satz: „Göttingen h a t eine Universität, Marburg i s t eine Universität, indem hier alles, vom Prorektor bis zum Stiefelwichser zur Universität gehört“, wurde vielhundertfach in Marburg wiederholt. Aber über die Straßenverhältnisse und wie es in den Häusern aussah hat der Dichter nichts niedergeschrieben.

Für den neuen Oberbürgermeister gab es viel zu tun.
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