Marburger Oberbürgermeister: Teil 12 - Karl-Theodor Bleek

Karl-Theodor-Bleek-Platz am Südbahnhof
 
Hinweistafel auf der Brücke über die Main-Weser-Bahn und B3 am Südbahnhof (Beschmierung im Marburg-Standard)
Marburg: Rathaus | Ab dem 1. August 1946 wurde Marburg wieder von einem Oberbürgermeister regiert, der nach demokratischen Regeln in sein Amt gewählt worden war. Karl-Theodor Bleek, geboren 1898 in Kirn/Nahe, hatte sich in der Stadtverordnetenversammlung mit klarer Mehrheit gegen seinen noch von der Militärregierung eingesetzten Vorgänger Friedrich Dickmann durchgesetzt. Die Zeit der von den Amerikanern eingesetzten Stadtoberhäupter von Marburg war damit Geschichte, ebenso wie die nach Führerprinzip angelegte Stadtpolitik der Nationalsozialisten.

Bleek stand mit zwischenzeitlicher Wiederwahl im Jahr 1948 dem Magistrat als Oberbürgermeister bis 1951 vor. Er folgte in diesem Jahr einem Ruf nach Bonn als Staatssekretär im Innenministerium. Nach seiner Pensionierung - zwischenzeitlich war er in das Bundespräsidialamt gewechselt - lebte er wieder in Marburg und starb hier im Dezember 1969 im Alter von 71 Jahren.

Lebenslauf

Karl-Theodor Bleek wurde am 19. März 1898 geboren in Kirn/Nahe. Die Familie Bleek war über Generationen dem Beamtentum verpflichtet und zählte sich zu den gutbürgerlichen Kreisen von Preußen. Der Vater war Bürgermeister von Kirn, der Großvater Oberbürgermeister in Minden/Westfalen gewesen. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter mit dem einzigen Sohn nach Marburg. In der Universitätsstadt konnte sie Verbindung finden zu Freunden aus Kirner Zeit, den Professoren Niebergall und Jakobssohn sowie Geheimrat Dr. Wenzel. (Belege in der Personalakte von Karl-Theodor Bleek im Stadtarchiv Marburg, Pa 829/1 und 2 sowie Presseberichte ab den Jahren 1946)

Ab 1907 war Bleek Schüler des Gymnasiums in Marburg. Mit dem Notabitur 1915 folgte die Kriegsteilnahme bis 1918, zuerst bei der Fußartillerie, dann als Sanitäter. Im Juli 1918 erlitt er eine schwere Verwundung, die eine Beinamputation des rechten Oberschenkels notwendig machte.

Nach Kriegsende studierte er von 1919 bis 1922 Jura in Marburg. Bereits 1919 war Bleek in die DDP (Deutsche Demokratische Partei) eingetreten und gründete an der Marburger Universität die „Demokratischen Studentengruppe“. Mitglieder waren u. a. Gustav Heinemann, Ernst Lemmer und Wilhelm Röpke. Seit 25.Januar 1925 war Bleek verheiratet mit Hedwig Früh, Osnabrück. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, zwei Töchter und ein Sohn.

Nach Abschluss des Studiums war er von 1927 bis 1932 Regierungsassistent im Preußischen Ministerium des Inneren und übernahm 1932 die Stelle des Landrats im Kreis Arnswalde (Neumark). Als Landrat 1933 abgesetzt wurde Bleek noch im gleichen Jahr weiterbeschäftigt bei der Regierung in Stade. 1937 erfolgte eine Versetzung an die Regierung in Breslau. Dort arbeitete er anfangs als Kommunal-Referent und versah von 1939 bis 1945 das Amt des Stadtkämmerers von Breslau.

Kurz vor Kriegsende gelang es Bleek im Januar 1945 aus Breslau hinauszukommen. Betraut mit Aufgaben in Außenstellen der Breslauer Stadtverwaltung arbeitete er in Görlitz und in Coburg. Von dort kehrte er Mitte 1945 in das Haus seiner Mutter nach Marburg zurück.

Auf dem Fragebogen der Militärregierung geht hervor, dass Bleek nicht Pg. gewesen war, sondern NS-Unterorganisationen, angehört hatte: NS-Rechtswahrerbund (1933-1945) und von 1934 an dem NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) und dem NSKOV (NS-Kriegsopferversorgung).

Die Mutter wohnte noch immer im Haus: Zeppelinstraße 11. Mit einer kurzen Unterbrechung durch Beschlagnahme des Hauses wohnte die Familie bis zur Rückgabe des Hauses in der Ockershäuser Allee 5a. Offenbar hatte Bleek - zurück in Marburg - umgehend Verbindung zu politisch agierenden Kräften gesucht, um beim Neuaufbau der Verwaltung im Bereich Marburg tätig sein zu können. So hatte der Staatspolitischen Ausschusses (Vorsitzender: Ludwig Mütze und Hermann Bauer als Mitglied) schon im September 1945 in einem Schreiben an die Militärregierung den in Breslau tätig gewesenen Bleek befürwortend vorgeschlagen für eine Tätigkeit in der Verwaltung als Jurist. Im gleichen Jahr wurde, nachdem die Amerikaner die Zulassung von Parteien gestattet hatten, Karl-Theodor Bleek Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei in Marburg. Führende Mitglieder der neuen Partei waren Ludwig Mütze und Hermann Bauer.

Die Wahl von Karl-Theodor Bleek zum Oberbürgermeister

Der Zulassung von Parteien folgten die ersten Wahlen zur Bildung der neuen Parlamente.
Die erste Wahl zur Marburger Stadtverordnetenversammlung fand am 26. Mai 1946 statt. Es galt eine 15 %-Klausel, um kleine (Splitter-) Parteien aus den Parlamenten herauszuhalten, eine Lehre aus der Zerrissenheit der Weimarer Zeit. Die Vielzahl von in die Parlamente eingezogenen Parteien hatte Regierungsbildungen behindert.

In Marburg hatte dies zur Folge, dass die KPD in der ersten Marburger Stadtverordnetenversammlung nach dem Krieg nicht vertreten war, da diese Partei nur 6,9 % der Stimmen erhalten hatte.

Ergebnisse der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung vom 26. Mai 1946:

Wahlberechtigte: 14.635; abgegebene Stimmen: 10.120; Wahlbeteiligung = 69,3 %

SPD - 2.755 Stimmen, 7 Sitze
CDU - 2.356 Stimmen, 6 Sitze
KPD - 686 Stimmen, 0 Sitze
LDP - 4.090 Stimmen, 11 Sitze

Deutlich andere Ergebnisse hatten Wahlen im Landkreis Marburg gebracht, die im Januar 1946 durchgeführt wurden. In den fast hundert Gemeinden hatten erhalten:

SPD - 9.262 Stimmen (32,3 %),
KPD - 57 Stimmen (0,2 %)
(nur in den beiden Gemeinden Dreihausen (39) und Moischt (18) hatten Wähler diese Partei angekreuzt),
CDU - 3.219 Stimmen (11,2 %),
LDP - 1.556 Stimmen (5,4 %)
andere - 14.598 Stimmen (50,9 %).
(zu „andere“ zusammengefasst waren freie Wählerlisten auf Ortsebene)

Zu dem völlig überraschend hohen Wahlerfolg der Liberaldemokratischen Partei (LDP) in Marburg mit über 40 % aller Stimmen nahm Hermann Bauer (selbst Vertreter der LDP in der Stadtverordnetenversammlung) in einem Leitartikel seiner Zeitung Stellung. Er führt die hohe Stimmenzahl in Marburg zurück auf die Weiterführung des Werkes von Friedrich Naumann und Dora Rade. Das Marburger Ergebnis war jedoch atypisch für Hessen. Bei den nur kurz vorher stattgefunden Wahlen zur verfassungsgebenden Landesversammlung hatte die LDP landesweit nur 8,1 % der Stimmen erhalten. Ende des Jahres konnte die LDP jedoch zu den Landtagswahlen in Hessen ihren Stimmenanteil auf 15,7 % verbessern.

Der hohe Anteil von LPD-Stimmen in Marburg dürfte in erster Linie darauf zurückzuführen sein, dass die Männer der ersten Stunde in Marburg, vor allem Ludwig Mütze und Hermann Bauer, in der Universitätsstadt sehr bekannt waren. Bauer war bis 1933 Zeitungsverleger gewesen. Mütze, mit seinem wehenden grauen Haarschopf war er ein stadtbekanntes Gesicht. Er war geschätzt als Lehrer, aber auch als Weltkriegsteilnehmer und Wehrmachtsoffizier. Bis Kriegsende leitete er eines der vier Aufgebote des Marburger Volkssturms.

Beide waren keine Parteimitglieder gewesen und wurden geachtet als aufrechte Kämpfer für eine neue Ordnung. Zudem hatte Bauer seit 1945 in Marburg mit seiner „Marburger Presse“ das Zeitungsmonopol in der Universitätsstadt. Wie schon bis 1933 hatte Bauer in seiner Zeitung eine klare politische Meinung vertreten. Die Oberhessische Zeitung, die der NSDAP treu ergeben gewesen war, blieb lange Zeit verboten.

Zu der wenige Wochen später anstehenden Wahl des Magistrats stellte sich Bauer nicht nur in Versammlungen, sondern auch nachvollziehbar in Berichten und Kommentaren in seiner Zeitung eindeutig auf die Seite seines Parteifreundes Bleek. So disqualifizierte Bauer die beiden von den Amerikanern eingesetzten Oberbürgermeister mit der Aussage, dass es Siebecke und Dickmann nicht verstanden hätten, „das Vertrauen zu erringen, dessen ein Behördenleiter im neuen Deutschland zur Amtsführung bedarf“.

Die beiden hätten viel zu viel Erinnerungen an die verfluchte diktatorische Gewaltherrschaft im Marburger Rathaus in den letzten 16 Monaten gepflegt. „Und wenn wir immer und immer wieder die Forderung nach Sauberkeit und Ordnung erhoben, haben die letzten beiden Oberbürgermeister geglaubt, sie als lächerliche Wahlmanöver abtun zu können.“ Bauer fügte am Schluss seines in seiner Zeitung veröffentlichten Kommentars hinzu: „Zu dem Stadtkämmerer von Breslau haben wir mehr Vertrauen als zu dem ehemaligen Bürgermeister von Bomst - weil wir beide kennen, jenen seit 40 Jahren als echten Demokraten, diesen seit nicht viel mehr als 40 Tagen - als Störer des demokratischen Aufbaues unserer Stadtverwaltung, die wir wünschen und erstreben!“ (Marburger Presse 1946)

Für die zum 26. Juli 1946 anberaumte Wahl hatten sich zwölf Bewerber für die Position des Oberbürgermeisters gemeldet, acht waren von einer Kommission aussortiert worden. Drei waren am Wahltag übrig geblieben. Johannes Müller, immerhin bereits 67 Jahre alt, war dritter Kandidat gewesen, hatte aber kurz vor dem Wahlgang seine Kandidatur zurückgezogen. Er wolle, so Müller der Stadt als Beigeordneter dienen und lege keinen Wert auf eine höhere Dotierung.

Der Wahlausgang zwischen Bleek und Dickmann war eindeutig. Bleek erhielt 21 Stimmen und Dickmann nur 3. Bei der Wahl zum Bürgermeister erhielt Georg Gaßmann als einziger Kandidat 17 Ja-Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen. Weiterhin wurde Johannes Müller einstimmig zum Beigeordneten gewählt. Auch er hatte keinen Gegenkandidaten. Bis zur offiziellen Einführung des neuen Oberbürgermeisters sollte der ehemalige Oberbürgermeister Johannes Müller kommissarische die Geschäfte des Oberbürgermeisters führen.

Entnazifizierung in Marburg

Mit der Amtszeit von Bleek begannen auch die Entnazifizierungsverfahren vor der Marburger Spruchkammer. Diese waren im Laufe des Frühjahr 1946 eingerichtet worden und starteten offiziell am 1. Juni 1946. Über die Verfahren berichtete Bauer ausführlich und fast täglich in seiner Zeitung, jedes Mal mit Namensnennung der Angeklagten. Nur wenige der Verfahren endeten mit einer Einstufung als „belastet“.

Zu oft - so schien es den damaligen Einwohnern von Marburg - wurden Angeklagte als „Mitläufer“ eingestuft oder gar gänzlich entlastet. Schon Ende 1946 kam es zum Vorwurf, es würden bei den Verfahren nur braune Westen wieder weiß gewaschen.

So waren auch der ehemalige Oberbürgermeister und Pg. Walter Voss, der jahrelang in Marburg mit den Nazigrößen in der ersten Reihe gestanden hatte, und - wie berichtet - der bis Kriegsende in Breslau in hoher Position verbliebene Karl-Theodor Bleek als unbelastet in Gruppe V eingestuft worden.

Die die Verfahren in der Presse dargestellt wurden, hier zwei Beispiele:

In dem Verfahren gegen den stadtbekannten Textilkaufmann J. Be., Parteimitglied seit 1. Mai 1933, beantragte der öffentliche Kläger eine Einstufung in Gruppe III. Die Kammer kam zur Ansicht, ihn in die Gruppe der Mitläufer (Gruppe IV) einzustufen, da alle seine Angestellten ihn als unpolitisch schilderten, der nie einen seiner Mitarbeiter zum Eintritt in die Partei veranlasst hätte. Im Gegenteil hätte der Angeklagte seinen Angestellten anlässlich eines Besuchers von Hitler in Marburg erklärt, dass, wenn auch alle andere Geschäfte deswegen schließen, sein Geschäft weiterarbeiten werde. Als Sühnemaßnahme erging: Geldbuße von 2.000 RM (Höchstbetrag) und Tragung der Verhandlungskosten, die sich infolge des hohen Vermögens auf 17.000 RM beliefen.

In einem anderen Verfahren gegen den Bauunternehmer Mü. wurde vom Kläger gegenüber der Kammer nicht nur die aktive Parteiarbeit aufgeführt, sondern dass der Angeklagte andere Personen bei der Partei denunziert hatte. Diese Denunziationen wurden heruntergespielt. Es ging dem Unternehmer um eine Einstufung als Mitläufer, damit er sein Geschäft wieder aufnehmen konnte. Dies gelang deshalb, weil er als Zeugen einige seiner Arbeiter aufgeboten hatte. Sie sagten vor Gericht aus, ihr Chef hätte nie von ihnen verlangt, in die Partei einzutreten und wäre auch sonst im Betrieb nicht agitatorisch aufgetreten. Das Gericht entsprach dem Antrag der Verteidigung. Somit konnten die Arbeiter wieder im Betrieb ihrer Tätigkeit nachgehen.

Erst 1947 kam es zu dem Prozess gegen Marburger Nazis wegen des Synagogenbrands im Jahr 1938. Schon 1945 hatten einige Marburger in Schreiben an den Bürgerrat die Aufklärung der Untat gefordert. Es ging dabei um die Verantwortlichen der SA-Stürme 4/J11 und 3/J11. In der Verhandlung zeigte sich die Unbelehrbarkeit der SA-Leute, die vor Gericht vor allem mit Erinnerungslücken glänzten.

Die Rückkehr der Marburger Juden blieb aus

Von den vielen Marburger Juden, die in den 1930er Jahren ausgewandert waren (viele waren bis nach Südamerika emigriert), kamen nur einzelne zurück. Eine dieser Juden war die Familie Stern, die zurückkehrte nach Ockershausen. Sie waren vorher Viehhändler dort gewesen, konnte aber nicht wieder Fuß fassen. Schließlich kehrten sie Marburg den Rücken und wanderten in die USA aus.

Die Entwicklung Marburgs nach Kriegsende

Neben einer Vielzahl von Problemen in der - im Vergleich zu anderen Städten - fast unzerstörten Stadt war die Beseitigung der Wohnungsnot die größte Aufgabe. Trotz Zuzugsverbot war die Stadt um fast 15.000 Personen angewachsen. Zudem hatten die Amerikaner, teilweise mit einer Besatzung von über 10.000 Armeeangehörigen, viele Häuser besetzt. So beschlagnahmten sie im Herbst 1946 zusätzlich noch das gesamte Südbahnhofsviertel.

Unter dem strengen Winter 1946/47 litt die Bevölkerung - wie im Vorjahr - in besonderem Maße. Der Schulunterricht kam zur völligen Stilllegung. Im Mai 1947 wurde die Schulspeisung eingeführt. Die Kinder kamen mit Ranzen und dem in vielen Haushalten aus dem Krieg verbliebenen Kommissgeschirr, einem blechernem Henkeltopf, in die Schule.

Im Juli 1947 riss ein Wolkenbruch über der Marbach große Mengen von Schlamm von den Hängen. Erst am unteren Ende der Ketzerbach blieben die Massen liegen. Es gab hier kein Durchkommen mehr.

In den drei westlichen Besatzungszonen kam es am 20. Juni 1948 zur Währungsreform. Eine von Bleeks Aufgaben war es, die sich ergebenden finanziellen Probleme der Stadt mit der Geldentwertung und Einführung der DM in Einklang zu bringen. Bei der wenige Wochen zuvor durchgeführten zweiten Wahl zur Stadtverordnetenversammlung war die FDP wieder stärkste Partei gewesen. Sitzverteilung der Stadtverordnetenversammlung:

12 FDP, 10 SPD, 6 CDU, 6 NPD, 2 KPD

Am 29. Juni 1948 wurde Bleek als Oberbürgermeister auf sechs Jahre wiedergewählt. Für Bleek als einzigem Kandidaten wurden 27 Stimmen abgegeben bei 8 Stimmenthaltungen. Im Dezember 1949 wurde Bleek für die FDP in den Hessischen Landtag gewählt. Dort führte Bleek die Landtagsfraktion der FDP an. Da jedoch seine Partei in Wiesbaden nicht in der Regierung saß, dürfte es - anders als für seinen SPD-Nachfolger - für Bleek schwer gewesen sein, in den Ministerien besondere Mittel für Marburg loszueisen.

Strukturelle Entwicklung von Marburg

Noch einige Jahre nach Kriegsende fehlten in Marburg die Mittel, um eine Weiterentwicklung in Gang zu setzen. Vorrangig war der Wiederaufbau. So wurden zwar Pläne des Magistrats in der Presse veröffentlicht, die sich mit der Gestaltung des weitgehend zerstörten Bahnhofsvorplatzes beschäftigten. Aber an eine Realisierung dieser Entwürfe konnte man noch Jahre nicht denken.

Für die Bewohner des Ortenbergs (der Name „Elsaßhausen“ für dieses Wohngebiet wurde abgeschafft) war von großer Bedeutung der Wiederaufbau des 1930 errichteten Ortenbergstegs. Er war dem Bombenangriff vom 22. Februar 1945 zum Opfer gefallen. Die lange ersehnte Einweihung fand am 21. Mai 1949 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung statt.

1949 kam es zur zur Eröffnung des Wochenmarkts auf der Ketzerbach (der zusätzliche Wochenmarkt an der Frankfurter Straße begann 1951). Im Oktober 1949 wurde im von den Amerikanern besetzten "Hotel Ritter" auf der Ketzerbach das Amerika-Haus eingerichtet mit Bücherei und Kinosaal.

Von damals großer Bedeutung war der Verbleib des Johann-Gottfried-Herder-Instituts in Marburg. Das Institut, das für Erforschung von Kultur und Geschichte Osteuropas und der historischen deutschen Ostgebiete gebildet wurde, konnte das Gelände der Hensel-Villa auf dem Schlossberg von der Erbengemeinschasft Hensel/Bergengrün erwerben. Die jüdische Familie Hensel war nach Kriegsende aus Marburg weggezogen. Ihr Verbleib in Marburg während des Krieges trotz Ausraubung und Verfemung ist an anderer Stelle aufzuarbeiten. Das Herder-Institut fand auf dem Grundstück die benötigte Erweiterung.

Im Jahr 1951 zogen die Amerikaner aus Marburg ab und die Franzosen stellten die Besatzungsmacht. Mit ihren marokkanischen Verbänden stellten sie für Marburg eine neue Herausforderung dar. Im gleichen Jahr wurde der umstrittene Beschluss der Stadtverordnetenversammlung umgesetzt, die Straßenbahn aufzugeben. Die seit 1911 vom Hauptbahnhof zum Südbahnhof und zurück durch die Straßen der Stadt fahrende „Elektrische“ wurde durch eine Obuslinie ersetzt.

Im gleichen Jahr gab Karl-Theodor Bleek sein Amt als Oberbürgermeister von Marburg auf. Am 10. August 1951 kam es zur Wahl eines neuen Oberbürgermeisters. Gewählt wurde Georg Gaßmann (SPD).

Bleek verließ Marburg und machte in Bonn Karriere

Bleek nahm nach fünf Jahren Tätigkeit als Oberbürgermeister in Marburg einen Ruf nach Bonn als Staatssekretär an. Er wurde als Zweiter Staatssekretär ins Innenministerium berufen. Sein Minister war damals Robert Lehr, später Gerhard Schröder. Im Bundesinnenministerium blieb Bleek bis 1957.

Das Jahr 1957 brachte dann für den ehemaligen Marburger Oberbürgermeister die Krönung seiner Laufbahn. Er wurde Staatssekretär im Bundespräsidialamt unter Bundespräsident Theodor Heuss. Auch als 1959 Heinrich Lübke Bundespräsident wurde, blieb er auf dem Posten im Bundespräsidialamt bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1961.

Bleek kam 1961 nach Marburg zurück, hielt sich aber aus der Lokalpolitik heraus. Nach der Periode Bleek/Mütze/Bauer ging der Einfluss der FDP in Marburg zurück. Die Wahlergebnisse brachen ein. In der Partei hatte es schon bei der Wahl von Gaßmann als neuem Oberbürgermeister öffentlich ausgetragene Auseinandersetzungen gegeben. In der FDP kam es zu Flügelkämpfen und Parteiaustritten. An die Erfolge der Nachkriegsjahre konnte die Partei nicht mehr anknüpfen.

Karl-Theodor Bleek starb im Alter von 71 Jahren am 15. Dezember 1969 in Marburg. Zur Erinnerung an den ehemaligen Oberbürgermeister wurde von der Stadt der Platz vor dem Südbahnhof (Bushaltestelle) "Karl-Theodor-Bleek-Platz" genannt und die anschließende Fußgängerbrücke über die Main-Weser-Bahn und B3 als "Karl-Theodor-Bleek-Steg". Die Bushaltestelle hat jedoch die Bezeichnung "Südbahnhof".

Anmerkung:
Die Berichte (bisher 12) über die Marburger Oberbürgermeister sind jeweils Entwürfe. Sie werden manchmal vervollständigt.
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4 Kommentare
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Wolfgang O. H: Schmenner aus Marburg | 31.07.2016 | 10:47  
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Marlies Solnar aus Marburg | 31.07.2016 | 11:04  
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Volker Beilborn aus Marburg | 31.07.2016 | 11:12  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 31.07.2016 | 15:26  
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