Marburger Oberbürgermeister - Nr. 6: Georg Voigt (1925-1927)

Georg Voigt, Foto Presseamt der Stadt marburg
 
Georg-Voigt-Straße in Marburg am Ortenberg
 
Universitäts-Kunstinstitut in der Biegenstraße nach langer Sanierung im Jahr 2016 (auch: "Museum" oder "Ernst-von Hülsen-Haus")
Marburg: Rathaus | Die Nachfolge von Paul Troje auf der Position des Oberbürgermeisters von Marburg trat Georg Voigt an. Bei Amtsantritt war er bereits 58 Jahre alt. Er galt als erfahrener Kommunalpolitiker. Hier der bisherige Lebenslauf von Voigt bis zu seiner Bewerbung in Marburg:

Georg Philipp Wilhelm Voigt wurde am 16. September 1866 als Sohn eines Kaufmanns und Hotelbesitzers in Klein-Schellmühl bei Danzig geboren. Voigt studierte 1886 bis 1890 Jura in Breslau, Berlin und Königsberg. Nach dem Assessorexamen arbeitete er als besoldeter Stadtrat beim Magistrat von Danzig. 1899 übernahm er die Bürgermeisterstelle in Neukölln.

Oberbürgermeister war er anschließend in zwei Großstädten: von 1906-1912 in Barmen und von 1912-1924 in Frankfurt am Main als Nachfolger von Franz Adickes. In der Amtszeit von Voigt wurde die Frankfurter Universität gegründet. Dem Wirken Voigts war es zu verdanken, dass der Stadt die Universität in der finanziell schwierigen Zeit von 1923 erhalten blieb.

Voigt brachte als Verwaltungsfachmann die Stadt Frankfurt, ihr Sachvermögen und die städtischen Betriebe erfolgreich durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Es fehlten ihm jedoch – so angeblich die Vorbehalte in der Mainstadt, als seine Wiederwahl anstand – die überzeugenden Konzepte für die damals spannungsgeladene Zeit. Er unterlag 1924 seinem Parteifreund Ludwig Landmann mit 25:36 Stimmen.

Oberbürgermeisterwahl in Marburg

Im gleichen Jahr war in Marburg Oberbürgermeister Paul Troje nach siebzehn Dienstjahren in Pension gegangen. Für die Neubesetzung der Position waren beim Marburger Stadtrat mehr als neunzig Bewerbungen eingegangen. In der lokalen Presse wurde der bisherige Bürgermeister Johannes Müller durch ausführliche Leserbriefe unterstützt. Zudem wandten sich viele gegen auswärtige Bewerber, die zahlreich vertreten waren in der Kandidatenliste. Müller würde die Marburger Situation genau kennen, einige fremde Bewerber könnten Marburg nur als Durchgangsstation auf besser bezahlte Posten nutzen. So wurde - wohl gezielt auf bestimmte Kandidaten - der Oberbürgermeistersalär in Essen angeführt, wo 40.000 Mark im Jahr gezahlt würden.

Doch gab es einen Umschwung in den Positionen, als eine Bewerbung des in Frankfurt nicht mehr erwünschten, aber renommierten Ex-Oberbürgermeisters Georg Voigt ins Spiel kam. Für diesen Kandidaten galt, dass er keine Karriere mehr anstreben und viel Erfahrung mitbringen würde. Nach einem Gespräch mit dem Stadtverordnetenvorsteher kam es zu einer Vorstellung von Voigt im Stadtrat am 16. November 1924.

Fünf Tage später kam es zur Wahl eines neuen Oberbürgermeisters von Marburg. Bei der Wahl erhielt Georg Voigt 26 Ja-Stimmen bei 2 Enthaltungen. Als Gehalt war angesetzt 10.500 Mark plus 1.224 Mark als Zuschlag und 2.000 Mark Dienstaufwandsentschädigung. Insgesamt allerdings deutlich weniger als die Summe, die damals als Oberbürgermeister in einer deutschen Großstadt zu verdienen war.

Georg Voigt hatte ein gutes Renommee

Georg Voigt konnte seine guten Verbindungen für seine Tätigkeit in Marburg nutzen. Er war seit 1907 zusätzlich Abgeordneter im Preußischen Herrenhaus. Mit seiner Amtseinführung im Jahr 1925 pflegte er umgehend gute Kontakte zur Universität. Immerhin stand 1927 für Marburg mit der 400-Jahrfeier der Philipps-Universität ein herausragendes Ereignis für die Stadt an.

Obwohl Voigt durch seinen unerwartet frühen Tod im Festausschuss nicht bis zu Ende der Vorbereitungen mitwirken konnte, fanden seine Aktivitäten große Anerkennung. Voigt verstarb 1927 kurze Zeit vor den Feierlichkeiten der Universität.

In den nur zwei Jahren seiner Amtsausübung setzte er sich insbesondere um die Werbung Marburgs für den Fremdenverkehr ein und erwarb dadurch das Vertrauen der Bürgerschaft. Unter Voigt wurde das Stadttheater wieder belebt. Sein Ziel war es gewesen, das Kulturleben der Stadt wieder in Gang zu bringen.

1927 wurde für Georg Voigt im Rathaus eine würdige Totenfeier gehalten

Georg Voigt starb am 13. April 1927 nach wochenlangem leidensvollem Aufenthalt in der Elisabethklinik an einer schweren Lungenentzündung, die zu seinem Gallenleiden hinzugekommen war. Dass der frühe Tod Georg Voigt aus seinen guten Anfängen herausgerissen und die Marburger noch viel von ihm erwartet hatten, zeigt die Totenfeier, die im Rathaus vor großer Kulisse stattgefunden hatte.

Nach der Leichenrede von Pfarrer Dr. Ritter ging Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Rohde auf die Verdienste des Verstorbenen ein. Ihm folgte die Rede von Bürgermeister Johannes Müller für die Stadt, daran anschließend nahmen der Oberpräsident und der Landrat das Wort.

Der Prorektor der Universität Marburg sprach an den Verstorbenen den Dank der Universität aus. Er führte aus, dass der Oberbürgermeister zum Gelingen des anstehenden 400-jährigen Jubiläums den Platz für das Kunst-Institut an der Biegenstraße und auch für das Denkmal für die Gefallenen der Philipps-Universität im Ersten Weltkrieg von 1914-1918 an der Weidenhäuser Brücke bereitgestellt hatte. Besonderer Dank galt ihm für seine aktive Mitarbeit im Ausschuss für die Jubelfeier der Alma Mater. Diesem Dank schloss sich der Universitäts-Prokurator Dr. Ernst von Hülsen an.

Nach den Reden der beiden Oberbürgermeister aus Kassel und Fulda, stellvertretend für die Vereinigung der hessischen Oberbürgermeister, nahmen Vertreter der Stadt Frankfurt das Wort. Sowohl der Bürgermeister mit mehreren Stadträten als auch der Stadtverordnetenvorsteher von Frankfurt erinnerten zusammen mit dem Vertreter der Frankfurter Universität an dessen Wirken in der Mainstadt.

Die Stadtkapelle Pauli beendete die Feier mit einem Choral. Die sterblichen Überreste wurden anschließend bei der Überführung nach Gießen – wie es in der Presse hieß – „bis zur Staatsgrenze“ von einem Konvoi begleitet.

Seine letzte Ruhestätte fand Georg Voigt in Berlin auf dem landeseigenen Friedhof in Zehlendorf.

Zur Erinnerung an ihre Oberbürgermeister gaben die Frankfurt und Marburg je einer Straße die Bezeichnung „Georg-Voigt-Straße“ (in Frankfurt im Stadtteil Bockenheim, in Marburg am Ortenberg).
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