In Marburg hat die Fraktion der „Linken“ bar jeder Sachkenntnis einen Antrag gestellt, die Ehrungen für den ehemaligen Oberbürgermeister Voß zurückzunehmen

Marburg: Rathaus | In Marburg hat die Fraktion der „Linken“ einen Antrag gestellt, die Ehrungen für den ehemaligen Oberbürgermeister Voß zurückzunehmen. Der Antrag ist dilettantisch verfasst und enthält falsche Angaben in der Begründung des Antrags. Zudem wird deutlich, dass die "Linken" völlig ohne Kenntnis sind, weshalb die Stadt Voß geehrt hat. Die Fraktion der "Linken" sollte ihren Antrag umgehend zurückziehen.

Bei meinen Recherchen zur Geschichte der Marburger Oberbürgermeister war ich sowohl bei Karl-Theodor Bleek (1946-1951) als auch bei Walter Voß (1944-1945) auf Unstimmigkeiten gestoßen. Darüber habe ich in mehreren Beiträgen bei myheimat berichtet. Zu beiden neuen Erkenntnissen, die von mir aufgelistet wurden, ist es m. E. notwendig, dass die städtischen Gremien hier notwendige Beschlüsse fassen müssen. So sollten die Ehrungen, die beide in Unkenntnis der von mir aufgelisteten neuen Lebensgeschichten erhalten haben, aufgehoben werden. Ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Grüne zur Behandlung der Ehrungen von Bleek nach Kenntnis seiner verschwiegenen NSDAP-Vergangenheit liegt bereits dem Parlament vor.

Kurz nach Eingang des Antrags zu Bleek hat ein Antrag der „Linken“ das Stadtparlament erreicht. In diesem Antrag wird die Zurücknahme der Ehrungen zu Walter Voß gefordert.

https://www.marburg.de/allris/vo020.asp

Antrag der Fraktion Marburger Linke betr. Aberkennung der Ehrungen für den ehemaligen Marburger OB Walter Voß (NSDAP)

Leider hat die Fraktion der „Linken“ von meinen Ausführungen zur Legendenbildung von Walter Voß als „Retter von Marburg“ nichts zur Kenntnis genommen. Vielmehr gehen die Begründungen der "Linken" völlig an den Tatsachen vorbei.

Der Antrag der „Linken“ - offensichtlich in aller Eile entstanden - enthält grundlegende Fehler und Falscheinschätzungen. Auf die geschichtlichen Tatsachen wird gröblich unvollständig eingegangen. Auf Grund des völlig falschen Bezugs muss den Ausführungen der „Linken“, die angeblich von einem renommierten Wissenschaftler gestützt werden, die wissenschaftliche Grundlage abgestritten werden.

Dem Antrag und der Begründung ist nicht zu entnehmen, aus welchem Grund Voß die Ehrungen erhalten hat. Sich alleine auf die Zeit des Dritten Reichs zu beziehen, ist eine dilettantische Vorgehensweise. Die Ehrungen zu Walter Voss sind nicht wegen seiner Tätigkeit im Dritten Reich oder trotz seiner Tätigkeiten im Dritten Reich vorgenommen worden, sondern weil ihm unterstellt worden ist, dass er der „Retter von Marburg“ zu Kriegsende gewesen sei.

Der Fraktion der „Linken“ kann nur empfohlen werden, ihren dilettantisch verfassten und mit Falschaussagen verbundenen Antrag zurückzuziehen.

Voß wurde der Titel „Retter von Marburg“ und die damit verbundenen Ehrungen aus dem einzigen Grund verliehen, weil er - so die Legende - mit seinem Widerstand gegen die herrschenden Machthaber des Dritten Reichs Marburg vor der völligen Zerstörung gerettet haben soll. Wenn Voß - so wurde es damals dargestellt - nicht gegen alle Anordnungen und mit Einsatz seines Lebens Marburg den Amerikanern übergeben hätte, wäre Marburg völlig zerstört worden. Über 200 Bomber hätten bereitgestanden, Marburg in Schutt und Asche zu legen. Die Einwohner hätten - wie in Gießen etwa - alles verloren und Hunderte hätten ihr Leben lassen müssen.

In der Begründung der „Linken“ wird aus einer von den „Linken“ im Stadtparlament beantragten, aber noch nicht der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebrachten Studie zitiert. Den Studierenden, die unter Aufsicht eines renommierten Wissenschaftlers standen, kann ich wohl kaum unterstellen, dass sie über die wahre Begründung für die Ehrungen von Voß in Unkenntnis geblieben sind. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass den „Linken“, auf welchem Weg auch immer, Teile der Studie der Stadt Marburg zu Ohren gekommen sind und aus Teilen der Studie einen halbwahren und in Konsequent aus blindem Eifer völlig falschen Antrag gestellt haben.

Für die „Linken“ geht es darum, dass einem mit allen Ehren bedachten „Retter von Marburg“ dieses Attribut genommen wird, weil sie jetzt (!) festgestellt haben, dass Voß während des Dritten Reichs für die Nazis gearbeitet und sich schuldig gemacht hat. In der Geschichte ist bisher noch nicht bekannt, dass einem uneigennützigen Retter nachträglich seine Ehrungen aberkannt wurden, weil er sich etwas zuschulden hat kommen lassen. Genau dies wollen jedoch die „Linken“.

Beispiel 1: Jemand hat unter äußerster Lebensgefahr Menschen aus fast aussichtsloser Lage unter Einsatz aller Kräfte gerettet, etwa aus einem brennenden Gebäude oder einem reißenden Fluss. Die Ehrungen, die dieser anschließend erhalten hat, sind diesem noch in keinem Fall weggenommen worden, wenn ihm anschließend Verfehlungen nachgewiesen wurden.

Beispiel 2: In einer Haftanstalt hat ein Insasse bei einem Großbrand unter Einsatz seines Lebens mehrere Menschen gerettet, beispielsweise den Leiter des Gefängnisses usw. Wird man dem Gefängnisinsassen die Ehrungen für seine Rettungstat deshalb vorenthalten, weil er Insasse des Gefängnisses war?

Die „Linken“ wollen jedoch genau dies erreichen.

Seit Jahrzehnten ist bekannt: Voß war ab 1933 nicht nur Mitglied der NSDAP, sondern er hat in ihrem Auftrag alle Anordnungen, selbst verbrecherische Anordnungen ausführen lassen. Als Leiter der Stadtverwaltung war er willfähriges Glied in der Ausführung der Beschlüsse der NSDAP.

In der Spruchkammer-Verhandlung 1946/47 hat er bestritten, das Mitgliedsbuch der NSDAP entgegengenommen zu haben. Er sei nur „nominelles „Mitglied gewesen. Dies ist nicht nachvollziehbar. Er war zudem „Förderndes Mitglied der SS“ seit 1934.

Auf Vorhaltungen zu seinem nicht sichtbaren Widerstand ab 1933 hat Voß entschuldigend angegeben, er habe nicht mehr tun können als er getan habe.

Voß hat die Maßnahmen der Partei gegen Anhänger der SPD und KPD und vor allem die Vertreibung und Enteignung der Juden voll mitgetragen. Sie sind offenbar auf seine Anordnungen hin erfolgt. Dies ist seit Jahrzehnten in Marburg allen Interessierten bekannt. Nur für die „Linken“ ist dies offenbar neu. Peinlich ist dazu noch die Angabe, dass sie - kaum nachvollziehbar - mit ihrer Begründung und in ihren Aussagen unterstützt werden von einem renommierten Historiker.

Es ist Voß jedoch nicht nachzuweisen, aber in der Begründung der „Linken“ wird dies ohne Beleg behauptet, dass Voss eigenmächtig oder denunziatorisch gehandelt und auf eigenes Betreiben anderen geschadet hatte. Voß hatte jeweils die von den Machthabern durch Erlass oder Verfügung von Berlin oder Kassel an ihn geleiteten Anordnungen widerstandslos ausgeführt.

Dies soll ausreichen, um den Dilettantismus des „Linken“-Antrags aufzuzeigen. Leider haben diese sich nicht informiert, dass es tatsächlich eine entscheidende Begründung dafür gibt, Walter Voß die Ehrungen und die Verleihung einer Straßenbenennung zu entziehen.

Die Legende um Walter Voß als „Retter von Marburg“ ist zerstört

Die Marburger mussten nach 1946 durch die in den Zeitungen wiederholt verbreitete Legende, dass Voss nicht nur ihr Vermögen, sondern für viele auch das Leben gerettet hatte, die Ehrungen seiner Person als wahr hinnehmen. Leider können die Ehrungen für Voß keinen Bestand haben. Voß ist nicht der „Retter von Marburg“. Dies habe ich mit Veröffentlichung meiner Recherchen den Gremien mitgeteilt. Leider hat die Fraktion der „Linken“ davon keine Kenntnis genommen.

Meine Recherchen sind nachzulesen in meinem Beitrag bei myheimat:

http://www.myheimat.de/marburg/politik/die-legende...

Mit Folgerung dieser Recherchen habe ich an die Stadtverordnetenvorsteherin Frau Wölk folgenden Antrag gestellt:

„Antrag auf Aberkennung der Ehrungen für den ehem. (komm.) Oberbürgermeister Walter Voss und Zurücknahme der Bezeichnung „Walter-Voss-Weg“, die zu seiner Ehrung verliehen wurde“

Zusätzlich habe ich sie gebeten, diesen Antrag den Stadtverordneten zur Kenntnis zu geben. Damit habe ich das Interesse verbunden, dass ein oder mehrere Abgeordnete diesen Antrag (eventuell in Kurzform) übernehmen und der Stadtverordnetenversammlung zur Vorlage bringen.

Die Begründung ist dadurch gegeben, dass meine Recherchen den Nachweis erbracht haben, dass Voß nicht als „Retter von Marburg“ bezeichnet werden kann. Damit ist die Grundlage der von den beiden Oberbürgermeistern Georg Gaßmann und Dr. Hanno Drechsler ausgesprochenen Ehrungen und die von der Stadtverordnetenversammlung als Ehrung ausgesprochenen Straßenbenennung „Walter-Voß-Weg“ entfallen. Sämtliche Ehrungen sind zurückzunehmen.
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30 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.09.2016 | 22:53  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 15.09.2016 | 23:54  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 16.09.2016 | 17:06  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 16.09.2016 | 17:34  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 16.09.2016 | 20:39  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 16.09.2016 | 22:21  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 16.09.2016 | 22:40  
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Klaus Dieter Hotzenplotz aus Marburg | 17.09.2016 | 01:11  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 17.09.2016 | 10:14  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 17.09.2016 | 10:54  
6.843
Klaus Dieter Hotzenplotz aus Marburg | 17.09.2016 | 11:29  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 17.09.2016 | 11:56  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 17.09.2016 | 13:21  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 17.09.2016 | 13:36  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 17.09.2016 | 17:56  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 19.09.2016 | 01:57  
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Peter Perrey aus Neustadt am Rübenberge | 19.09.2016 | 10:08  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 19.09.2016 | 21:26  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 19.09.2016 | 21:53  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 19.09.2016 | 23:00  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 20.09.2016 | 12:39  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 20.09.2016 | 14:48  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 20.09.2016 | 15:15  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 20.09.2016 | 16:37  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 20.09.2016 | 21:11  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 20.09.2016 | 21:21  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 20.09.2016 | 21:29  
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Karl-Heinz Gimbel aus Marburg | 22.09.2016 | 17:18  
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Hans-Joachim Zeller aus Marburg | 22.09.2016 | 22:51  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 23.09.2016 | 16:02  
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