Drei nahegehende Erlebnisgeschichten beim Erzählcafe
„Flüchtlinge in Deutschland brauchen für ihre Integration professionelle Helfer, ehrenamtliche Unterstützer und endlich ein Ende der unzähligen gesetzlichen Einschränkungen“, resümierte Christian Hendrichs, Abteilungsleiter beim Veranstalter Mittelhessischer Bildungsverband e. V.
Rund 50 Interessierte waren zum Marburger Erzählcafe „Erfahrungen von Flüchtlingen“ ins Cafe am Grün in Marburg gekommen. Was sie erlebten war ein sehr persönlich gehaltener Rückblick auf 20 Jahre Asylpolitik. Drei Flüchtlinge - vor 18, 12 und zwei Jahren eingereist - teilten ihre Erfahrungen in Deutschland und auf dem Weg hierher mit dem Publikum. Aus den Erzählungen wurde deutlich, wie viel schwieriger es mit den Jahren geworden ist, als Flüchtling nach Deutschland zu kommen.Die Mitte der 90er Jahre nach Deutschland gekommene Mutter von fünf Kindern erzählte, das sie keinen Deutschkurs besuchte, da sie schon nach wenigen Wochen arbeiten konnte. Nicht ohne Stolz berichtete sie, dass alle ihre Kinder hier studiert haben. Die genannten Studienfächer der Kinder: Medizin, Betriebswirt und Kulturwissenschaft zeigen deutlich, welches Potential in Flüchtlingen steckt, wenn ihnen eine Chance gegeben wird.
Anfang des neuen Jahrhunderts war die Integration in Deutschland dann schon deutlich schwieriger: Als 12-jährige mit der Familien gekommen, berichtete die junge Kurdin von einem langen Kampf um ein Aufenthaltsrecht hier. Sie schilderte die Zuweisung von Wohnraum in einem entlegenen hessischen Dorf, vom möglichen Ausbildungsplatz, der zwei Tage vor Beginn durch ein Arbeitsverbot verloren ging. Sie berichtete über die Abschiebung der erwachsenen Brüder und schließlich auch den Aufenthalt nach einer Entscheidung der hessischen Härtefallkommission. Heute, mit 22, hat sie eine Arbeitsstelle von der sie leben und den Unterhalt der Familie sichern kann.
Der junge Mann aus Afghanistan kam nach einer jahrelangen Odyssee nach und durch Europa vor zwei Jahren in Deutschland an. Hier hatte er Unterstützer, die ihm halfen Fuß zu fassen. Vor wenigen Tagen hat er einen Aufenthaltstitel bekommen. Seine Hoffnungen für das Leben hier sind so banal wie ergreifend: „ Ich will die Schule fertig machen, eine Ausbildung absolvieren und vor Allem in Frieden leben können“.
Gisela Tausch, Mitarbeiterin beim Mitveranstalter Diakonisches Werk Oberhessen, fasste ihre Erfahrungen aus 20 Jahren Flüchtlingsberatung zusammen: „Früher konnte ich mit ein paar Gesprächen und Briefen den Flüchtlingen helfen, heute ist die Problematik sehr vielfältig. Es wird behördlicherseits zu viel Energie investiert, Flüchtlinge zu verschrecken - statt sie zu integrieren.“
Dennoch gibt es auch auf stattlicher Seite „widerläufige Entwicklungen“. Es gibt Menschen, die ihnen helfen und: die Flüchtlinge selbst bringen viel Potential mit. All das machte diese Veranstaltung deutlich und hat so ein Zeichen in Richtung „Willkommenskultur“ gesetzt.
Autor:
Christian Hendrichs, Mittelhessischer Bildungsverband e.V., Abteilungsleitung
Koordination „BLEIB in Hessen“ (http://www.bleibin.de) und „Labour Plus“








