Oskar Lafontaine kandidiert nicht für den Parteivorsitz. Schon hören die Auguren das Totenglöcklein für DIE LINKE schlagen. Sie haben sich zu früh gefreut. Ein starkes Team bewirbt sich kollektiv auf dem Parteitag in Göttingen für Führungsaufgaben. Bravo! Hier das Team und seine Presseerklärung von heute Abend
In der jetzigen Personaldebatte der LINKEN haben wir lange für eine Konsenslösung geworben. Die Polarisierung droht mittlerweile die Partei zu zerreißen. Wir weigern uns, dieser Logik zu folgen und stellen uns jetzt zur Wahl für den Parteivorstand. Wir werben für eine weibliche Doppelspitze mit Katja Kipping und Katharina Schwabedissen und treten als Team an, von dem wir hoffen, das es noch größer und bunter wird, um gemeinsam einen neuen Aufbruch der LINKEN zu wagen.
Hinter unserer gemeinsamen Kandidatur steht eine Idee: Wir kommen aus unterschiedlichen politischen Richtungen. Wir haben sehr verschiedene Biographien und sind in vielen politischen Fragen durchaus nicht immer einer Meinung. Unserer Widersprüche sind wir uns bewusst, aber wir erleben sie nicht als Blockade, sondern als Gewinn. Wir wollen diese Widersprüche – ebenso die Vielfalt der LINKEN – nicht nur aushalten, sondern fruchtbar machen. Auch weil sich die Vielfalt der links Denkenden und Fühlenden in der Gesellschaft, die Vielfalt all jener, die den Kapitalismus nicht für das Ende der Geschichte halten, in unserer Partei wiederfinden muss. Uns verbindet der Wunsch, für die gemeinsame bundesweite Partei zu arbeiten.
Die LINKE ist jetzt in einer Krise und es gibt vieles kritisch zu bilanzieren. Dabei sollten wir nicht vergessen: Die LINKE hat in den ersten Jahren ihrer Existenz nicht nur großartige Wahlerfolge erzielt, sondern auch eine Vielzahl gesellschaftlicher Debatten angestoßen. Wir haben in Opposition und Regierung, auf der Straße und in den Parlamenten vieles erreicht. Daran wollen wir anknüpfen und verstärkt unsere programmatischen Vorstellungen in gesellschaftliche Debatten einbringen.
Wir fühlen uns dem Aufbruch in Richtung einer neuen, nicht-autoritären Linken verpflichtet. Es geht heute darum, für die sozialistische Idee, die Idee einer Gesellschaft der Freien und Gleichen, unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts zu kämpfen. Wir wollen in der langen Erzählung der Linken ein neues Kapitel aufschlagen.Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts ist nicht nur eine Frage der Inhalte, sondern auch der Methode: Für eine demokratische Linke!
Wir stehen für eine Partei der offenen Debatten, der kollektiven Entscheidungen, für eine Beteiligung aller Mitglieder an der Meinungsbildung, für eine Partei, die ihre Kampagnenfähigkeit zurück gewinnt, in der der Kampf für eine gerechte und friedliche Gesellschaft nicht zuletzt auch Spaß macht.
Oskar Lafontaine kandidiert nicht für den Parteivorsitz. (Schade, aber nachvollziehbar) Schon hören die Auguren das Totenglöcklein für DIE LINKE schlagen. Sie haben sich zu früh gefreut. (Davon möchte nicht nur ich überzeugt werden, sondern alle Sozialversicherungspflichtigen und das ganz schnell).
Ein sehr kluger Kommentar von A. Müller, der die Dummheit in der Politik, hier leider auch bei den Linken entlarvt. Grenzenlos intrigant und einfältig, gegen einen der kompetentesten Politiker, gegen O. Lafontaine anzutreten, so daß dieser aus nachvollziehbaren Gründen nicht mehr zur Verfügung steht.
der Kommentar von Thiess Gleiss bereitet mir, obgleich er in vielem gut geschrieben ist, doch ein wenig Magenschmerzen.
Der Abschnitt über Karl May mag ja richtig sein, aber die Ausrichtung auf Karl Marx? Sorry, da sehe ich mehr Kult als Geltungsrelevantes:
Wirtschaft: Marx Analysen mögen ja teilweise noch treffen, aber mir ist eine auf Keynes ausgerichtete makroökonomische Wissenschaft lieber, die neben Analysen auch Lösungen anbietet, die unserer modernen Gesellschaft gerecht würden. Das Klassenmodell jedenfalls ist meines Erachtens heutzutage purer Anachronismus. Und Debatten um eine vernünftige antizyklische Wirtschaftspolitik bei Krisen, wie wir sie zur Zeit haben, Kritik eines Casino-Kapitalismus, der mit Realwirtschaft gar nichts mehr zu tun hat u.s.f. sehe ich bei Leuten wie Flassbeck. Da hilft Marx gar nichts.
Staat: Marx hasste den Staat und misstraute ihm zutiefst. Nun wird aber auch von einem Großteil der LINKEN ein starker Sozialstaat gefordert, dies ist durchaus kompatibel mit Hegels Rechtsphilosophie, keinesfalls aber mit Marx. Über weitere Fehlinterpretationen von Marx an Hegel gibt es ein schönes Buch von, einige mögen erstaunt sein, unserer Sahra Wagenknecht.
Gleiss schreibt dann:
"[...]Es war in diesem Sinne ein historisches Gebot, eine Partei aufzubauen, die als ein Einheitsprojekt von sozialdemokratischen, revolutionär-sozialistischen, kommunistischen und libertären politischen Strategien angelegt war.[...]"
Da bin ich bescheidener. Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir im Sinne der damaligen WASG eine Sozialdemokratie hätten, die diesen Namen auch verdient. Da aber die LINKE wie Kollege Gleiss schreibt, offenbar ein Auffangbecken für alles Mögliche sein will, kommt es dann halt auch dazu, das in meinen Augen Irre wie Christel Wegner in Niedersachsen ihren affirmativen Sermon zu Stasi und Mauerschüssen abgeben darf. Was haben derartige Leute in einer demokratischen LINKEN zu suchen? Die gehören samt und sonders heraus geschmissen, ähnlich wie ein Sarrazin aus der SPD heraus geschmissen gehört.
Hier sieht man auch schön, dass innerparteiliche Basisdemokratie zwar notwendig, aber längst nicht hinreichend ist. Ich ziehe es vor, doch nach repräsentierten Inhalten zu gewichten und nicht nach Stimmen.
Es macht mich außerdem doch sauer, wenn ich von einem Freund, der als Volkswirt im Memorandum arbeitet und anfangs sehr großer Sympathien für unsere Partei hatte, mit Verbitterung fest stellt, dass just solche Strömungen aus der revolutionär-sozialiatischen Richtung die Bemühungen um eine vernünftige Makroökonomie zerstören und die Arbeit dieser Memoranden hintergehen.
Hajo, es mag sehr hart klingen, ein persönlicher Angriff ist es jedoch keinesfalls. Ich stelle nur mit Sorge fest, dass sich die LINKE sehr viel verscherzt.
Bei den Punkten, die Kollege Gleiss für einen Neubeginn aufstellt, vermisse ich eines sehr, und zwar Inhalt. Ich sehe zappenduster für die LINKE, wenn sie sich nicht zu folgenden Punkten klar disponiert:
Staatsverständnis
Wirtschaftsverständnis
Nur ein nebulöses "Gegenmacht zum Status Quo" hilft da kaum und trifft auch auf sehr wenig Unterstützung aus der Gesellschaft.
Es ist schon immer wieder witzig...
...wenn sich die deutsche "Qualitätsjournaille" darüber verbreitet wie "die Linke zu retten" sei, während sie gleichzeitig nichts anderes zu tun hat, als sie zu demontieren.
Die Einseitigkeit der Berichterstattung ist einfach nur haarsträubend, ich kann mich wirklich an keinen einzigen Artikel in der SZ (Noch besseres Beispiel: Die angeblich linke FR) erinnern, der sich mit politischen Inhalten beschäftigt hätte.
Aber klar, über die Linke gibt es ja auch sonst nix zu sagen, außer dass sie die einzige Partei ist,
- die den Fiskalpakt und den ESM ablehnt und stattdessen auf ein vollkommen logisches Modell aus solidarischer Unterstützung der einzelnen EU-Mitglieder (wider die Spekulantengeier, die die Risikoaufschläge nach oben treiben) und Konjunkturbelebung setzt
- deren Forderungen von der Regierungskoalition immer wieder nach vorheriger Totalablehnung und Häme schlicht abgekupfert werden, spätestens, wenn die Situation keine andere Wahl mehr zulässt. Siehe ESM, siehe die (schwachen Versuche) Bankenregulierung nach 2008, siehe die unsägliche Mindestlohndiskussion, die jetzt plötzlich auch von CDU Hardlinern aufgenommen wird. Die aktuellen Verwerfungen rund um GR zeigen, wie unfassbar teuer die merkelsche Salamitaktiererei werden kann, hätte Sie 2010 GR solidarischen Rückhalt geboten, wären wir bei 90 statt 4000 Milliarden Garantien. Tja, mal wieder zu langsam, zu spät, zu dogmatisch.
- die eine tatsächlich an den Interessen der Arbeiter, Angestellten, Rentnern und Arbeitslosen orientierte Politik im Auge hat. Die verheerenden Konsequenzen der Agenda 2010 werden allein von Linken gesehen.
Aber wen wundert das? In der deutschen Presse wird ja erst mit 2 Jahren Verzögerung das Spardiktat Merkels als solches wahrgenommen, die Entscheidungen des Bundeshosenanzugs werden im allgemeinen wie Naturgesetze interpretiert.
Über die Bankenkrise, und deren vorläufigen Höhepunkt 2008 war im Vorfeld so gut wie NICHTS greifbares in der deutschen Presse zu lesen. Das Schicksal der vom Spardiktat gebeutelten EU-Mitglieder und deren Bevölkerungen? Selbst im neoliberalen Musterland No.2, Österreich, wird darüber diskutiert, in der deutschen Presse? Fehlanzeige.
Da verwundert die Vehemenz nicht, mit welcher der einzige politische Stachel im selbstgefälligen Fleisch der Berliner Politmarionetten bekämpft wird.
nicht dass ich mit meiner Kritik falsch verstanden werde: Ihrem zitierten Leserbrief stimme ich zu, es ist ein sehr großes Ärgernis, dass gegen die LINKE mehr oder weniger Kampagnen-Journalismus betrieben wird. Wenn ich alleine sehe, was an Lafontaines Verhalten schlecht geredet wird, während die FastDreiProzent Partei hoch gejubelt wird, wirft das kein gutes Licht auf einige Medien, die meines Erachtens mit dem Hochjubeln von Marktradikalen Gestörten ihre eigentliche Aufgabe, dem politischen und wirtschaftlichen Status Quo in diesem Land kritisch gegenüber zu stehen, nicht mehr erfüllen. Wir haben leider wenige vom Format eines Peter Zudeick oder Florian Schwinn, geschweige denn Größen wie etwa Klaus Bednarz.
Aber wenn ich dann Kurzkommentare einiger LINKEN sehe, die für Lafontaine stimmen, dann bekomme ich schon wieder Magenschmerzen: http://www.starke-linke-2013.de/
Dass Bartsch sich alzu sehr an die jetzige SPD anbiedert, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Aber einige pro Lafontaine Eingestellte sehen nicht, dass Lafontaine für eine Sozialdemokratie im besten Sinne steht. Wer meint, er stünde für revolutionär-sozialistische Umwälzungen, ist meines Erachtens aber richtig auf dem Holzweg. Lafontaines Referenz ist Keynes, Konjunkturpolitik und weiteres, was völlig kompatibel mit einer sozialen Marktwirtschaft ist.
Mit Bartsch werden sich viele Linkenwähler umorientieren.
Wenn Bartsch den Bürgern eine sozialere Zukunft wünscht und seinen Wählerauftrag ehrlich meint, kann und muss er den Weg für Lafontaine frei machen. Alles andere ist Bertug am Wähler.
Mag der Himmel wissen, was ihn da reitet, wenn er mit der SPD und den Grünen liebäugelt.
Wer wählt denn noch die Linken, sie sind Gott sei es gedankt, auf dem absteigenden Ast. Dieses sollten auch die linken Schreiberlinge aus Marburg einsehen!!!
Verehrter Klaus J. Böckler,
Ich fürchte, Sie freuen sich ein wenig zu früh. Und ob "jenes höhere Wesen, das sie verehren" seine Hand im Spiel hat, darf so oder so bezweifelt werden. In der Apostelgeschichte steht: "Etliche schrieen so, etliche ein anderes, und die Gemeinde war irre, und die meisten wussten nicht, warum sie zusammengekommen waren."
Damit die Gemeinde es weiß, schreiben linke Schreiberlinge furchtlos weiter, denn sie sind gewiss: "Der Herr wird Strahlen über unsere Feinde schütten; er wird sie mit Feuer tief in die Erde schlagen, daß sie nicht mehr aufstehen."
@Klaus J. Böckler, man kann sicherlich über einiges bei der LINKEN streiten, und es bleibt Ihnen auch völlig unbenommen, diese Partei überhaupt nicht zu mögen.
Aber Ihr Kommentar bringt da leider gar nichts, nun wissen wir hier noch nicht einmal, was Sie an der LINKEN nicht mögen.
Ihr Beitrag liest sich wie: Ich möchte was sagen, aber verlangt nicht, dass ich argumentiere.
Nachtrag: Ich bekomme da so eine Ahnung, warum Sie LINKE unter anderem nicht mögen, wenn ich mir Ihren Beitrag zum anstehenden Marktfrühschoppen durchlese. Die LINKEN mögen den Marktfrühschoppen nicht. Den mögen aber einige andere auch nicht. Und dafür gibt es sehr gute Argumente, die selbst dann nicht ihre Geltung verlieren, wenn fast ganz Marburg dafür stimmen täte.
Sie berufen sich bei Ihrer Befürwortung dort auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung. Mit dem Marktfrühschoppen geht allerdings eine Tradition einher, die eher zu einem radikal national gefärbten Ehre-Freiheit-Vaterland-Kult aus dem 19. Jahrhundert passt, bei dem jedem kosmopolitisch eingestellten Demokraten Angst und Bange wird.
Im Kontext der christlichen Religion, die übrigens im Kern durch und durch kosmopolitisch ausgerichtet ist, und auf die Sie sich ja auch beziehen, ist eine solche Tradition, die meines Erachtens ein sehr fragliches Menschenbild transportiert, Gotteslästerung. Beschmierte Kirchen, da sind wir uns einig, erfüllen allerdings den Tatbestand der Sachbeschädigung.
Überlegungen für einen Aufbruch weg vom Lagerdenken, hin zu einer neue Linken
von Katja Kipping
Mit der Gründung der LINKEN verbanden viele die Hoffnung einer NeuBEgründung linker Politik, die Hoffnung auf eine Partei, die mehr ist als eine pure Addition von Ex-PDS und linken Ex-SPDlern. Die gegenwärtige Krise und Zerrissenheit unserer Partei basiert auch darauf, dass diese Chance bisher nicht genügend genutzt wurde und an vielen Stellen die ursprünglichen Quellparteien und soziokulturellen Kreise innerhalb der Partei ihre Praxis fortsetzten. Zwar gibt es eine Vielzahl von strömungsübergreifender Kooperation, doch leider ist dies noch nicht prägend für das Bild der LINKEN. Unsere Partei muss mehr als Dachverband unterschiedlicher Quellparteien sein. Sie muss ein Ort des gemeinsamen Handelns werden.
… ”
weiter gehts hier http://katharina-katja-und-team.net/2012/05/28/die...
Ich hoffe, dass die Delegierten so weise sind und diesem Team bei sicherlich auch begründeten Bedenken die Chance zur Umsetzung ihrer Ideen geben.
Wer sich für den Parteitag am kommenden Wochenende interessiert und diesen unkommentiert und komplett verfolgen möchte kann dies hier tun http://livestream.die-linke.de/
mal ernsthaft, wollen Sie überhaupt argumentieren? Außer einem schlagwortartigen Liefern von kurzen Phrasen habe ich da bisher wenig entdecken können, was auch nur annähernd als Argumentation bezeichnet werden kann. Sie haben übrigens in Ihrer Kette noch die SPD vergessen. Die hat in ihrem Parteiprogramm auch den Begriff Sozialismus, obgleich das der jetzige Zustand dieser Partei kaum vermuten lässt.
An der LINKEN kann man sicherlich einiges kritisieren, aber wie gesagt, Kritik muss mit Argumenten einher gehen und Sie liefern nur eine Behauptung. Haben Sie dafür auch Gründe?
Davon abgesehen habe ich mir mit meinem Beitrag zum Marktfrühschoppen doch Mühe gegeben. Geben Sie mir da Recht, oder erzähle ich da Unsinn? Oder haben Sie darauf auch nur wieder eine Phrase wie "Die linken Schreiberlinge sollen einsehen, dass ..."
Eine Tauglichkeit für ein gewisses Blatt mit vier Buchstaben hat Ihre Äußerung allerdings schon: KPD - SED - PDS - Linke. Über den Sozialismus werden sie den Kommunismus ansteuern. (von Klaus J. Böckler)
Oder auch: Marktfrühschoppen ade? Wie linke Krawallmacher eine schöne Marburger Tradition zunichte machen
Und das in schönen großen roten Buchstaben, das würde gut passen.
Wenn das hier zu schroff ist von mir, dann bitte ich um Entschuldigung. Aber ich kann gewisse Formen bei Diskussionen nicht leiden, und dazu gehört unter anderem die Verweigerung, zu argumentieren.
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