WENN BRIEFMARKEN ERZÄHLEN (15): IN SECHS SEKUNDEN VON MANILA NACH HAMBURG IM JAHRE 1885

von Hans-Rudolf König aus Marburg | am 07.04.2009 | 305 mal gelesen | 6 Kommentare | 0 Bildkommentare | 1 Bild
Die hellblauen Marken sind Telegrafen-Marken (Inschrift "Telegrafos"), die anderen normale Briefmarken (Inschrift: "Filipinas")zweckentfremdet.

Manila (Philippinen): Manila | In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machte das internationale Kommunikationssystem einen Quantensprung unglaublichen Ausmaßes. Brauchten bisher die schnellsten Briefe z.B. von Europa nach Südostasien Wochen, so bedeutete dies mehr als einen Monat, bevor man mit einer Antwort rechnen konnte.

Dieses Kommunikations- und somit Handelshindernis sollte schon nach 30 Jahren vergessen sein, denn zwischen 1850 und 1880 wurden 50.716 Meilen Überseekabel um den Globus verlegt, sodass man mit der Geschwindigkeit des elektrischen Stromes (6 Sekunden von Europa bis Australien) kommunizieren konnte. Bedenkt man, in welchen Tiefen, unter welchen Wassermassen diese Kabel verlegt wurden, so kann man getrost von einer bisher nie da gewesenen technischen Meisterleistung sprechen. Funktionierte 1850 das erste Seekabel zwischen Dover und Calais zunächst nur einen Tag, so gelang es im darauf folgenden Jahr, eine stabile Verbindung mit 46,3 Kilometern zu verlegen. Schon 1853 folgte das zweite Kabel zwischen Dover und Holland. Nun ging es Schlag auf Schlag: von Italien nach Korsika, von Schweden nach Dänemark, von Italien nach Ägypten, von England nach Belgien, von Ceylon nach Indien, von Dänemark nach England und schließlich der Sprung unter dem Atlantik hindurch von Irland nach Neufundland im Jahre 1858: 3613,35 Kilometer zwischen Alter und Neuer Welt konnte man nun in Sekunden überwinden. Ein neues Handelszeitalter war angebrochen.

Eine der letzten Lücken im globalen Tiefseekabelnetz wurde im Jahre 1880 zwischen Hong Kong und der philippinischen Hauptinsel Luzón geschlossen. Die Philippinen waren immer noch spanische Kolonie, bis sie 1899 von den USA besetzt wurden. In den ersten fünf Jahren (1850-55) gingen 1522 Telegramme von Manila nach Europa – davon 311 für Spanien. 1493 Telegramme nach Asien, 546 in die USA und 41 nach Australien.

Zur Bezahlung dieser Telegramme benutze man normale oder „Telegrafos“-Briefmarken, die auf dem Deckblatt des Telegramms aufgeklebt und dann durch Lochung entwertet wurden. Hier nun ein Beispiel eines solchen Telegramms, das am 29. Januar 1885 von Manila über Suez nach Hamburg gesandt wurde. Sechs Worte kosteten 15 Pesos und 96 Centimos. Bedenkt man, dass ein normaler Brief ins Ausland 20 Centimos kostete, so war dies nicht gerade billig – aber schnell!

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Doris Thomas aus Pfaffenhofen am 07.04.2009 um 13:38 Uhr  
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Siegfried Kuhl (sk1941) aus Marburg am 07.04.2009 um 14:31 Uhr  
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