WENN BRIEFMARKEN ERZÄHLEN (10): PORTRÄT EINER 15-JÄHRIGEN KÖNIGIN MACHT GESCHICHTE: 1840
Grossbritannien (Vereinigtes Königreich): London | Es war einmal ein junges Liebespaar auf dem Lande. Das war so arm, dass der Bräutigam in die ferne Stadt ziehen musste, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Traurig blieb die Braut zurück, doch jede Woche schickte der fleißige junge Mann einen Brief als Lebenszeichen. Aber leider hatte die Daheimgebliebene kein Geld, um das Beförderungsgeld bei Annahme des Briefes zu zahlen. Also ließ sie den Brief wieder zurückgehen, denn nun wusste sie auch ohne Zahlung, dass der Geliebte wohlauf war. Wäre kein Brief gekommen, so müsste sie sich wohl in die Stadt begeben, um nachzusehen was Sache ist. Jedenfalls ging die Post im Hinblick auf das fällige Porto leer aus.
Man schrieb das Jahr 1840. Victoria war Königin von Großbritannien und Kaiserin von Indien. Ihr deutscher Mann Prinz Albert beauftragte Rowland Hill, der im Finanzministerium für die Post zuständig war, einen Weg zu suchen, das Porto VOR Beförderung der Briefe und Postsendungen zu kassieren. Ein revolutionärer Gedanke, dem Publikum kleine Klebezettel zu verkaufen und diese als Nachweis der im Voraus gezahlten Beförderungsgebühr auf dem Brief anzubringen. Und was war als hoheitliches Symbol für diese Aufkleber besser geeignet als das Portrait der Königin Victoria?
Also wurde von einer Medaille das Portrait der 15-jährigen Königin (inzwischen war sie 21) kopiert und in Stahl gestochen. Der Hintergrund wurde zart punktiert und ein eleganter Rahmen mit den Worten POSTAGE und ONE PENNY drumherum gesetzt. Das Herkunftsland wurde nicht erwähnt, denn kein Land auf der Welt benutzte Briefmarken. Bis heute hat sich diese Ausführung britischer Marken erhalten. Wenn Du also eine Briefmarke ohne Landesnamen siehst, kommt sie sicherlich aus GB.
Am 6.Mai 1840 war es dann soweit. Die erste Briefmarke der Welt, die berühmte ONE PENNY BLACK, wurde ausgegeben. Gedruckt im Stichtiefdruck von Druckplatte Nr. 1a und 1b in Bögen zu je 240 Marken, ungezähnt, auf Papier mit Wasserzeichen (kleine Krone).
Diesen beiden ersten Druckplatten folgten weitere zehn Exemplare und man benutzte viele verschiedene Papiersorten in den folgenden zwei Jahren. Ab 1841 wurde dann die ONE PENNY Marke mit den gleichen Druckplatten in rotbrauner Farbe gedruckt. Gleichzeitig wurde auch eine blaue TWO PENCE Marke für höhere Portostufen ausgegeben (vier Druckplatten). Entwertet wurden alle Marken mit dem so genanten Malteser-Kreuz-Stempel in rot oder schwarz.
Da sich sowohl die Graveure als auch die Druckerei auf absolutem Neuland bewegten, kam es zu sehr vielen kleinen Unregelmäßigkeiten im Markenbild, im Papier, in der Farbe usw.
Es gibt Philatelisten, die ein Leben lang ausschließlich diese Briefmarken sammeln und immer wieder neue Varianten entdecken. Ein spannendes Kapitel Postgeschichte.
Siehe auch: http://www.myheimat.de/marburg/beitrag/43616/die-p...
Weiterveröffentlichungen:
interessanter philatelistischer Beitrag
Gruss Willi
Boaah, das war jetzt richtig interessant !! Ich komme bei Deinen schönen Berichten nicht mehr weg und lerne immer dazu. Super, ich freue mich schon auf Deinen nächsten Bericht. Vielen Dank und ein schönes Wochenende noch.
lg Gilli
Richtig: anno dazumal !!!
Heute - im Zeitalter von Telefon und Email scheint die Briefmarke ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein. Schade, denn so manche Marke "ist schon einen Brief wert" ...
Danke für die Infos zur jungen "Königin auf der Marke".
Gruß Uta
Wieder ein interessanter Beitrag, diesmal zur Briefmarke, deren Entstehung meist in Vergessenheit geraten ist.
@Adolf. Es gibt unglaublich viel Literatur über alte englische Briefmarken, spezielle in GB (in Englisch).
@Monika Luise, richtig, diese Albumseiten habe ich selbst gestaltet. Da die Sammlung Marken aus GB und den ehemaligen britischen Kolonien beinhaltet habe ich links oben die Blaue Mauritius (Queen Victoria) und rechts oben eine Krönungsmarke von Q.E.II eingesetzt. In der Mitte das Wappen von GB.
Hans-Rudolf, Deine Berichte erzeugen immer wieder neue Aha-Erlebnisse. Dieser zeigt mal wieder, wie spannend die Historie und vor allem die Histörchen rund um Briefmarken - auch oder gerade für einen weniger ambitionierten Sammler - sein können. Klasse!
So, wieder was gelernt. Du schreibst so unterhaltsam, dass es Spaß macht! Ich hätte gedacht, Briefmarken seinen viel älter. Toller Einstieg in die Materie!
Danke für den interessanten Beitrag, Hans-Rudolf.
Frage: Woher weißt du, welche Marke mit welcher Druckplatte gedruckt wurde? Gibt es so viele Unterscheidungs-Merkmale?
Ja Horst, viel zu viele Merkmale. Darüber gibt es ein ganz dickes Buch. Hauptsächlich unterscheidet man anhand der Formen der Eckbuchstaben.





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