Total Oral in Niederweimar

Etwas über 100 Zuhörer füllten am Freitagabend die Alte Kirche in Niederweimar, um dem A-cappella-Chor TOTAL ORAL, aus Marburg, ihre Ohren zu leihen. „TOTAL ORAL macht alles mit dem Mund für die Ohren, und da der Kopf sich bekanntlich dazwischen befindet, kommt auch dieser nicht zu kurz.“ So die einleitenden Worte von Ulla Vaupel, die im Namen des Kultur- und Fördervereins Alte Kirche Niederweimar, im Jubiläumsjahr 20 Jahre Alte Kirche Niederweimar zu einem interaktiven Konzertabend einlud. Mit „Sechs Mal sind kein Mal“ freute sich Chorleiter Rainer Husel nun zum siebten Mal im 15-Jährigen Bestehen seines Chores in der alten Kirche zu sein. Das Marburger Urgestein verstand es vortrefflich das Publikum, in der ihm eigenen Art, in die Vorträge einzubinden, wobei er schon mal Gäste, Chor und schließlich sich selbst auf die Schippe nahm. „Tanzen sie mit dem Chor auf heißem Sand in den Morgen und nach New York oder Niederweimar“, so die Ankündigung für den Abend, die auf Stücke von Mina, Gerhard Wendland und Frank Sinatra schließen ließen. Aus einem „Nichtkanon“ wurde zu Begin ein „Zwangskanon“ zum Stück von Janis Joplin „Oh Lord “, gemacht. Voll auf seine Kosten kam das Publikum in seiner Funktion als tragende Stimme im Hintergrund, das mit sst, sst, schmatzen oder klatschen den Rhythmus vorgeben musste. Alle Arrangements sind unbekannt, weil sie diesem Chor von seinem genialen Chorleiter (Rainer Husel) auf die Stimmbänder geschrieben wurden. Die Hauptstimme hingegen konnte fast jeder und jede im Tiefschlaf mitsingen. Bei „Bunt sind schon die Wälder zeigte sich das Publikum recht textsicher. TOTAL ORAL brachte alles zu Gehör, was dem Marburger Chor, der bis hin zur Nordseeküste akustische Kreise zieht, lieb geworden ist: Die Stücke der "immer richtigen" Beatles „All my loving; When I`m 64“, Jo Cocker`s „With a little help from my friends“ waren ebenso dabei wie Eric Clapton`s „Tears in heaven“, Frank Sinatra`s „My Way“ , Bob Marley`s „No women no cry“, Bon Jovi`s „It`s my live“, bis hin zu einem Werk, in dem zum gesteigerten Verzehr von Rindfleisch aufgerufen wurde, das übrigens eine Komposition des Marburgers Rudi Merten wäre, dem nach Husels Worten, von der Fleischerinnung ein Denkmal gesetzt werden möge. Mit einigen Solis brachten sich Anja zur Nieden, Anette Klesse und Dagmar Lohr mit ein. Mit dem Versprechen: Für jeden zwei Maß Bier, der mit dem Auto gekommen ist, kam ein Beitrag zur bayrischen Landtagswahl mit dem Lied der Biermösl Dern zu wichtigen kirchenhistorischen Ereignissen. „S' Dirndl is lutherisch wor'n, pfalleriii...!, wos sogst jetzt da, pfalleraaaa? Müssens `wieder kafaleratholisch mach’n.“ Als reines Rhythmusinstrument schien Reiner Husel seine Gitarre zu nutzen, doch hier und da streute er kurze Solis ein, die erkennen ließen, dass er auch hier ein Meister seines Faches ist. Bei der letzten Zugabe setzte er dann noch gekonnt Kaffeelöffel im Mund geschlagen und Nasenflöte ein.


Text und Foto: Bernhard Hermann

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Herbert Vollmer aus Weimar am 04.10.2008 um 13:12 Uhr  
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Wolfgang Heuser aus Gladenbach am 04.10.2008 um 17:45 Uhr  
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